Prävention: Wie die Polizei Dieben das Handwerk legt

Alles fürs Vermeiden von Diebstählen: Robert Fischer ist seit 1. Januar in der Polizeidirektion Nord für die technische Prävention zuständig.
Christian SchönbergHerr Fischer, womit beschäftigen Sie sich am meisten?
Bei meinem Bereich, der technischen Prävention, geht es vor allem um Einbruchs- und Diebstahlschutz. Unser Bestreben ist es, den Täten zuvorzukommen – am besten, indem wir alles vor Ort genau überprüfen und Ratschläge zu den richtigen Vorkehrungen geben.
An wen richtet sich dieses Angebot vor allem?
Prinzipiell an alle, die bei uns anfragen. Das können Firmen sein. Wir gehen aber auch zu Privatpersonen, die beispielsweise vorhaben, ein Haus zu bauen oder zu erwerben. Außerdem sichten wir die aktuelle Lage und rufen Kollegen vor Ort an.
Fahren Sie immer zu den Interessierten hin?
Grundsätzlich ist es sinnvoll, einen Vor-Ort-Termin zu machen. Wir können uns auch hier in der Präventionsstelle treffen. Aber hauptsächlich sind wir dann doch im gesamten Landkreis unterwegs.
Die Polizei lebt vom Geld der Steuerzahler. Können Häuslebauer sich nicht einfach an Fachfirmen wenden?
Der große Vorteil bei uns ist, dass wir komplett firmen- und markenunabhängig beraten. Wir haben zwar immer Warenbeispiele von Herstellern der Sicherheitstechnik dabei. Wir empfehlen aber explizit keine, sondern können ganz individuell und neutral auf das jeweilige Objekt eingehen und raten, was am besten dafür passt.
Muss das bezahlt werden?
Nein. Wir machen das grundsätzlich kostenlos. Wir sagen immer: kostenlos, aber nicht umsonst. Denn am Ende kommt ein Mehrwert für den Immobilienbesitzer heraus.
Was zum Beispiel?
Nehmen Sie das berühmte Fenster auf Kipp. Da bekommen wir immer Bauchschmerzen, wenn wir das sehen. Um es klar zu sagen: Ein gekipptes Fenster ist ein geöffnetes Fenster. Wir können das auch demonstrieren. Dazu eignet sich wieder am besten ein Vor-Ort-Termin: Der Einbrecher nutzt einfach eine Vorrichtung mit Sehne, um von außen das Fenster heran zu ziehen und über die Sehne den Knauf so zu drehen, dass es sich leicht und schnell gänzlich öffnen lässt. Das geht innerhalb von zehn Sekunden – und man muss nicht geübt dafür sein.
Einbrüche gehören ja nicht von ungefähr zu den häufigsten Straftaten. Ist es immer noch so, dass sie auch kaum aufgeklärt werden können?
Im Bereich der Polizeidirektion Nord haben wir eine vergleichsweise hohe Aufklärungsquote bei Straftaten. Sie liegt bei 65,7 Prozent – 3,5 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Das liegt auch daran, weil unsere präventive Arbeit fruchtet und sie vom Land auch wieder mehr gefördert wird.
Gibt es einen bestimmten Schwerpunkt, den Sie jetzt gerade verfolgen?
Wir sind sehr aktiv bei Baufirmen unterwegs. Gerade durch die Baustelle auf der A 10 und A 24 sind wir sehr bedacht auf die Diebstahlsicherung von Baumaschinen und Werkzeug. Auch Kraftstoff-Diebstahl wollen wir durch die Aufklärung über die Sicherung von Fahrzeugen und Tanks verhindern. Dazu bieten wir zum Beispiel auch Schulungen an.
Wie lassen sich Fahrzeuge sichern?
Ähnlich wie bei Fahrrädern bieten wir Codierungen an. Jedes Fahrzeug ist dann individuell nachverfolgbar. Ein Hehler, der den Dieben gestohlene Ware abkauft, lässt davon die Finger. Es hat also einen abschreckenden Effekt.
Was aber passiert mit Dingen, die sich aus technischen Gründen nicht codieren lassen?
Dazu gibt es seit Neuestem eine sogenannte künstliche DNA. Das sind ganz winzige Plättchen, auf denen der Code appliziert ist. Sie können unter Ultraviolettlicht ausgelesen werden. Diebesgut, das damit markiert ist, lässt sich ganz eindeutig einem Besitzer zuordnen. Auch das schreckt Hehler ab, Waren zu kaufen, die aus Einbrüchen stammen – und damit auch die Diebe, das überhaupt erst zu stehlen.
Gibt es da ein Beispiel?
Wir hatten kürzlich einen Fall in Oranienburg. Da war in eine Malerfirma eingebrochen worden. Die Täter ließen alles Mögliche mitgehen. Das Einzige, was sie da ließen, war ein Farbcodiergerät, das mit einer so dünnen Stahlkette gesichert war, dass sie das hätten auch abtrennen können. Aber auf diesem Gerät war die künstliche DNA aufgebracht. Das haben die Täter offenbar erkannt – und das Gerät da gelassen.
Künstliche DNA – das hört sich kompliziert an?
Das ist ganz einfach. Es gibt ein Starterpaket mit einer Röhre, der eine einzelne Codenummer zugeordnet ist. Eine normale Packung reicht für 100 Gegenstände. Dort ist diese gallertartige Flüssigkeit enthalten, die sich mit einem Stäbchen einfach auf die Sache auftragen lässt.
Fällt das nicht irgendwann ab oder geht beim Säubern der Geräte verloren?
Nein, das bleibt dann dort immer erhalten. Wir haben das einmal in einer Werkstatt probiert: Mit Waschbenzin und Politur ist ein einmal markierter Gegenstand eine halbe Stunde lang richtig gehend gewienert worden. Danach hat sich gezeigt: Es hat sich nur ein bisschen etwas ablösen können. Aber die künstliche DNA, also der einmalige Code, war auf den winzig kleinen Mikrodots immer noch ablesbar.
Gibt es solch eine Möglichkeit schon lange?
Wir sind in Brandenburg in dieser Sache Vorreiter. Brandenburg, Berlin und Bremen haben die Polizei so ausgerüstet, dass sie die künstliche DNA immer decodieren können.
Das legt den Kriminellen das Handwerk. Wird es denn je keine Straftaten geben?
Es ist ein bisschen so, dass Kriminelle immer darauf reagieren, mit welchen Methoden wir ihnen Herr werden wollen. Wir wollen ihnen immer einen Schritt voraus sein; aber sie reagieren mit ganz neuen Maschen, wie zum Beispiel das Telefon-Spoofing.
Was ist das?
Das ist eine Betrugsmasche, die immer häufiger auftritt. Bei Anrufen erscheint dann meist eine Nummer wie 03391 110. Jemand gibt sich dann als Polizist aus, oft – das ist aber Zufall – als ein Herr Fischer. Sie erzählen, dann bei einer aufgeflogenen Verbrecherbande einen Zettel mit der Adresse des Angerufenen gefunden zu haben. Die Angerufenen werden aufgefordert, Angaben zu Vermögen oder Wertgegenständen zu machen. Bisweilen sogar heißt es, dass sie die Wertgegenstände am besten herausgeben sollten, damit sie gesichert werden können. Ende vorigen Jahres gab es solch einen Fall im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Da hat der Mann nach solch einem Spoofing 19 000 Euro auf die Treppe gelegt, und der Geschädigte hat sogar noch gesehen, wie jemand das Geld nahm – und das ist nun für immer verschwunden.
Es sollte schon stutzig machen, wenn bei Anrufen eine Telefonnummer 110 als Nummer auf dem Display steht. Wie sind Sie, der richtige Herr Fischer, am besten zu erreichen?
Mich erreichen Interessierte unter der 03391 40471084. Da kann jeder mit mir einen Termin vereinbaren, auch einfache Bürger, die beispielsweise planen, in nächster Zeit zu bauen. Wer sein Haus gut sichert, sorgt dafür, dass der Dieb sich bei jemand anderem umsehen muss. Unser Netz wird aber immer engmaschiger.
Und zu erkennen sind Sie dann auch eindeutig als echter Polizist?
Ich komme in Zivil, habe aber einen Dienstausweis. Außerdem kommen wir immer mit einem Streifenwagen. Der lässt sich nicht so leicht nachmachen.
Die Polizeiprävention
■ Polizei-Prävention besteht aus mehreren Abteilungen.
■ Für die technische Kriminalitätsprävention ist Robert Fischer zuständig: 03391 40471084 oder Robert.Fischer2@polizei.brandenburg.de. Er übernimmt auch Aufgaben bei der Opferberatung und Verhaltensweisen bei Einbruch.
■ Für die Verkehrsunfall-Prävention gibt es die Ansprechpartner Bernd Krümmling und Herr Langmann: 03391 4047-1081 oder -1083 und Bernd.Kruemmling@polizei.brandenburg.de.
■ Kriminalprävention ist bei Antje Röper gut aufgehoben. Sie geht mit ihren Puppentheatern in Kindergärten und Schulen. Themen: das Verhalten im Verkehr, Nichtmitgehen gegenüber Fremden und welche folgen Mobbing für den Schulalltag haben kann.
■ Holger Mende leitet die Kriminalitätsprävention und kümmert sich um die Suchtprävention an Schulen, allgemeine Gewaltprävention sowie Seniorenberatung und Sicherheit am Arbeitsplatz. Als Ansprechpartner ist er unter 03391 4047-1080 zu erreichen.⇥(crs)