Weltmeisterin als Vorbild
Kathrin Boron-Kölm misst übrigens nur 1,84 Meter, aber auch sie hatte einst von Neuruppin aus zum großen Sprung auf die Sportler-Bühne angesetzt. Sie begann ihre Ruderlaufbahn mit der Klasse 7 in Potsdam und darf sich inzwischen vierfache Olympiasiegerin und achtfache Weltmeisterin nennen. Auch Pepe Pfaffe hat das große Ziel vor Augen, einmal internationale Regatten zu fahren. Beim Gedanken daran, funkeln seine Augen. Noch weit mehr funkelten sie, als Ende Mai die Zulassung für die Sportschule Potsdam ins Haus flatterte.  Als "einfach nur geil", beschreibt der schmächtige Blondschopf die Gefühle, die diese Nachricht in ihm auslöste. Vater Dirk, ebenfalls ein leidenschaftlicher Ruderer, sieht den Sprung zur Sportschule ein Stück weit als Belohnung für die jüngsten Leistungen und den großen Entwicklungssprung seines Sprösslings an. "Pepe hat zuletzt mit sehr guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht", so Dirk Pfaffe. Den Sichtungswettkampf des Landesruderverbandes Brandenburg (LRV) im Jahr 2018 schloss Pepe Pfaffe als Jahrgangsbester ab. 2019 war er zweitbester Teilnehmer. Dazu kommen die Erfolge bei zahlreichen Regatten. Und zuletzt überzeugte der junge Neuruppiner auch bei den Leistungstestes der Sportschule Potsdam. Darüber hinaus hatte er mit Landestrainerin Katrin Eggebrecht eine große Fürsprecherin an seiner Seite.
Insgesamt 24 junge Ruderer hatten sich für die Aufnahme an der Sportschule Potsdam beworben. Lediglich zwei, in Ausnahmefällen drei, bekommen einen Internatsplatz, da vorwiegend Mädchen im Fokus stehen. Pepe Pfaffe hat’s geschafft. Nach der offiziellen Einschulung am 9. August beginnt einen Tag später ein für ihn neuer Lebensabschnitt. Raus aus der Komfortzone Neuruppin, rein in einen Alltag mit hoher Schlagfrequenz. Vater Dirk hat keine Bedenken, dass sein Sohn diesen Sprung nicht meistert. "Die Sportschule genießt einen sehr guten Ruf, sie ist eingebettet in ein System für den Sport. Was Pepe dort erlebt, erleben nicht viele. Was am Ende dabei herauskommt, liegt an ihm selbst", sagt das Familienoberhaupt. "In jedem Fall wird er ein noch besserer Ruderer."
Spaßfaktor auf Heimstrecke
Pepe Pfaffe begann im Alter von neun Jahren mit dem Rudern. "Ich habe mal reingeschnuppert, wollte alles kennenlernen, auch, wie die Bewegungen so sind", erinnert er sich an die Anfänge. Schon mit Zehn nahm er an den ersten Wettkämpfen teil. Nebenbei gingen Pepe und sein zwei Jahre älterer Bruder Malte, der auch rudert, zum Schwimmen. Sukzessiv steigerte sich der Ehrgeiz, statt zweimal, wurde bald fünfmal in der Woche trainiert. Nicht nur auf dem Ruppiner See, auch auf dem Ergometer und im Kraftraum. Es wurden aber auch die Laufschuhe angezogen. Wichtig waren zudem die Gymnastik-Einheiten, um die Beweglichkeit zu fördern. Wenn das junge Ruder-Talent über seine Leidenschaft spricht, sind es folgende Dinge, die diese seit jeher befeuern: "Ich bin gerne an der frischen Luft und genieße es, auf dem Wasser zu sein. Und Rudern ist auch vielseitig, man muss ja nicht nur im Einer sitzen", erklärt er. Gerne fährt er auch mal mit Freunden im Vierer raus oder im Achter. Am liebsten zieht er jedoch im Einer seine Runden – zur Zeit noch auf dem Ruppiner See. Vom Rudergelände des NRC an der Regattastraße nach Treskow, zurück zum Bahndamm und wieder zum NRC-Domizil. "Besonders toll ist der Ruppiner See, weil er fast durchweg glattes Wasser, also kaum Wellen hat", beschreibt der junge Sportler sein Heimrevier. Andere Regattastrecken bringen da wenig Spaß, "weil es einfach zu wellig ist".
Wenn Pepe Pfaffe mal nicht rudert, dann spielt mit Freunden auch mal gerne Basketball. Dafür dürfte er nach seinem Wechsel zur Sportschule eher weniger Zeit haben. Zehn bis zwölf Trainingseinheiten stehen dort pro Woche auf dem Plan. "Das kriege ich hin", zeigt er sich selbstbewusst. Das Internatszimmer wird er sich mit einem weiteren Rudertalent teilen. In der Schulklasse sitzen dann die jungen Ruderer und die jungen Fußballerinen von Turbine Potsdam gemeinsam. Viele Mädchen. Pepe Pfaffe schmunzelt. Er lächelt diesen schönen Nebeneffekt einfach weg. In diesen Tagen ist er noch auf Abschiedstour in der Montessori-Schule.
Ähnlich läuft es im übertragenden Sinne für den NRC. Denn ab 2021 rudert Pepe Pfaffe für den RC Potsdam. "Er bleibt aber Mitglied beim NRC", betont Vater Dirk. Bruder Malte bleibt dem Neuruppiner Club erhalten. Wie er es findet, dass sein jüngerer Bruder zur Sportschule wechselt? Pepe spekuliert auf charmante Art und Weise: "Vielleicht ist er ein wenig neidisch, aber ich denke, er ist vielmehr stolz auf mich." das unterstreicht Vater Dirk. "Pepe ist ein richtiger Guter, der jetzt diese große Chance bekommt. Da ist die ganze Familie stolz."
Und auch für den Neuruppiner Ruder-Club ist Pfaffes Entwicklung eine große Auszeichnung. Sie spricht für eine herausragende Jugendarbeit.

Kyritzerin schafft’sins Rampenlicht


Mit Stella Bleich hatte vor Jahren eine Ruderin aus Kyritz den Sprung ins Rampenlicht geschafft. 2013 hatte sie Bronze bei der Junioren-WM im Vierer ohne gewonnen. 2015 war sie mit 19 Jahren die Jüngste im deutschen Frauenachter bei der Weltmeisterschaft. Bleich und Daniela Schultze vom Ruderclub Potsdam hatten sich für die WM qualifiziert. Im Jahr darauf zählte die Kyritzerin zum Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft bei den U 23-Weltmeisterschaften in Kopenhagen. red