Scheibenwischer abgebrochen: Mehr als 200 Anzeigen gegen kranke Neuruppinerin

Die Neuruppinerin hat es vor allem auf Heckscheibenwischer abgesehen. Belangt werden kann sie für die Beschädigungen aber nicht.
Markus KlugeMittlerweile mehr als 200–mal ist in Neuruppin eine Frau wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und anderer Delikte aktenkundig geworden – zuletzt wie berichtet in dieser Woche. Bekannt ist die Frau vor allem dafür, dass sie an Autos Scheibenwischer abbricht oder die Fahrzeuge anderweitig beschädigt, wodurch im Laufe der Zeit ein Sachschaden entstanden ist, der in die zehntausende Euro gehen dürfte. Da die 37–Jährige psychisch erkrankt ist, sie bei Sachbeschädigung nicht schuldfähig ist und die einzelnen Delikte nicht schwerwiegend sind, sind den Behörden allerdings die Hände gebunden.
Zum Kommentar:Hilflosigkeit von Behörden
Wie Polizeisprecherin Dörte Röhrs am Freitag sagte, befinde sich die Frau, die freiwillig teilweise auch im Freien leben soll, während der Taten — dazu gehören auch Randalieren, Spucken und Herumwerfen von Müll — häufig in einem psychischen Ausnahmezustand. „Die Kollegen bringen sie dann immer in die psychiatrische Klinik“, so Röhrs. Die verlässt die 37–Jährige immer wieder, weil sie dort nicht gegen ihren Willen festgehalten werden darf. Denn: „Ohne entsprechende staatsanwaltschaftliche oder gerichtliche Veranlassung können keine forensischen oder strafrechtlichen Maßnahmen oder Unterbringungsanordnungen erlassen werden“, teilte der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes des Landkreises mit. Die zwangsweise psychiatrische Behandlung oder sogar Unterbringung sei auch an strenge Voraussetzungen gebunden.
Bei der Staatsanwaltschaft in Neuruppin ist die Frau schon bekannt. Allerdings ist laut Oberstaatsanwalt Stefan Heidenreich bereits gerichtlich festgestellt worden, dass sie wegen ihrer Erkrankung in Fällen von Sachbeschädigung schuldunfähig ist und nicht belangt werden kann. "Wir sind eine Strafverfolgungsbehörde und nicht dafür zuständig festzustellen, ob jemand krank oder gesund ist“, so Heidenreich. Alle anderen Delikte werden aber sowohl bei der Polizei als auch bei der Staatsanwaltschaft im Auge behalten. „Die Masse der Taten sind aber die Sachbeschädigungen“, so Heidenreich. Er kann sich vorstellen, dass sich die Lage nur bessert, wenn die Frau intensiv betreut wird. Laut Kenntnis der Polizei, die wegen der Frau auch mit anderen Behörden in Kontakt steht, war bereits versucht worden, sie in einem betreuten Wohnen unterzubringen. „Sie lehnt aber jede Hilfe ab“, so Dörte Röhrs.