Schulen, Kitas, Rathaus
: Neuruppin investiert vier Millionen Euro in Gebäudereinigung

Neuruppin sucht Firmen, die ab dem nächsten Jahr die städtischen Gebäude – von der Kita bis zum Stadtgarten – reinigen.
Von
Judith Melzer-Voigt
Neuruppin
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Die Reinigungskräfte müssen den Mindestlohn erhalten. Die Arbeitskräfte direkt bei der Stadt zu beschäftigen, wäre Neuruppin aber zu teuer.

IG Bau

Damals habe es einigen Ärger bei der Reinigung gegeben, erklärte Fred Müller vom Bauamt am Donnerstagabend während der Sitzung des Bauausschusses. Damit dieses Mal „kein Flächenbrand“ zu erwarten ist – beispielsweise bei Insolvenz einer Reinigungsfirma oder auch bei nicht zufriedenstellender Arbeit – vergibt die Stadt die Reinigung in insgesamt zehn Losen. Jede Firma kann sich nur um zwei davon bewerben. Damit wird sichergestellt, dass fünf verschiedene Auftragnehmer gefunden werden. Die Arbeit muss europaweit ausgeschrieben werden. Dennoch hofft die Verwaltung, dass vor allem regionale Unternehmen zum Zuge kommen.

Vertrag startet 2021

Die neuen Verträge sollen am 1. August beginnen und bis zum 31. Juli 2025 gelten. Insgesamt müssen Reinigungskräfte für 37 städtische Objekte engagiert werden – von der Kita bis zum Stadtgarten und dem Rathaus. Im Jahr müssen in Neuruppin 7,4 Millionen Quadratmeter gereinigt werden. „Das ist schon wirklich viel“, schätzte Müller ein.

Bei der Aufteilung in Lose hat Neuruppin darauf geachtet, dass die verschiedenen Einsatzorte auch nah beieinander liegen. Wer sich beispielsweise um die Grundschule in Alt Ruppin kümmert, ist auch fürs Stadion im Ort zuständig. „So kann das Personal sich gegenseitig unterstützen, beispielsweise in der Urlaubszeit“, erklärte Bauamts-Mitarbeiter Müller.

In der Ausschreibung ist auch festgehalten, welche Fläche ein Mitarbeiter eines Unternehmens in der Stunde schaffen muss. Die Stadt bleibt dabei laut Müller unter den Empfehlungen des Vereins Gemeinschaft Gebäudereinigung. „Wenn ein Mitarbeiter mehr Zeit hat, um eine Fläche zu reinigen, dann ist einfach die Qualität höher“, ist Fred Müller überzeugt. Diesen Weg verfolgt die Stadt auch derzeit schon. An sich wird auch in Zukunft der Rhythmus, in dem die Reinigungskräfte in den städtischen Gebäuden unterwegs sind, erhalten bleiben. Eine Neuerung gibt es aber: In den Schulen ist mit den neuen Verträgen eine Grundreinigung alle zwei Jahre geplant, auch um die Böden zu erhalten.  Diese Grundreinigung gibt es bereits in den Gebäuden, allerdings nur nur Bedarf.

Der SPD-Abgeordnete Nico Ruhle bezweifelte bei der Sitzung am Donnerstag, dass Neuruppin genug Firmen und Fachkräfte findet, um die große Anzahl an Vergabe-Losen auch wirklich zu besetzen. Er plädierte dafür, dass die Verwaltung prüft, ob es nicht lukrativer wäre, einen eigenen Pool an Reinigungskräften in der Verwaltung aufzubauen, die dann städtische Angestellte wären. Damit können auch verhindert werden, dass Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen angestellt sind, so Ruhle.  Fred Müller versicherte, dass die Stadt bei der Ausschreibung darauf achtet, dass der Mindestlohn gezahlt wird. Zudem solle die regionale Wirtschaft gestärkt werden. „Das sind keine kleinen Lose. So hat der Mittelstand hier eine Chance. Und wir haben einige regionale Reinigungsunternehmen.“ Zudem werde es um einiges teurer, wenn in der Verwaltung ein Pool an Reinigungskräften gebildet wird. Bei der Eigenreinigung liegt der Stundenlohn rund 25 Prozent höher. „Da kommen Verwaltungspersonal, Material, Räume und ein Reservepool für den Krankheits- und Urlaubsfall“, so Müller.