Sicherheit: Lindow sucht Rettungsschwimmer

Sicherheitsrisiko: Ob auch im nächsten Sommer noch vom Steg aus in den Gudelacksee gesprungen werden kann, ist offen. Sollte Lindows Verwaltung keine Badeaufsicht finden, könnte die Anlage gesperrt werden.
Christian SchönbergLaut Lieske wird derzeit eine Beschlussvorlage erarbeitet, die einen gleichlautenden Inhalt wie eine Vorlage der Rheinsberger Verwaltung hat. Das Rathaus der Prinzenstadt schlägt seinen Stadtverordneten vor, alle Stege an unbeaufsichtigten öffentlichen Badestellen abzureißen, um bei etwaigen Unfällen nicht haften zu müssen. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2017. In dem Verfahren ging es um den Unfall eines zwölfjährigen Mädchens in einem kommunalen Freibad. Das Mädchen hatte sich unter Wasser mit einem Arm in einer Boje verfangen und durch den Sauerstoffentzug schwere Hirnschäden davongetragen. Die Karlsruher Richter entschieden gegen die Kommune. Durch das Urteil sah sich der Kommunale Schadensausgleich (KSA), der Versicherer der Städte und Gemeinden, dazu veranlasst, die Kommunen zu warnen: Wer Anlagen wie Stege an einem Badestrand hat, muss den Badebetrieb überwachen, so die Rechtsauslegung des KSA. Im Zweifel könnte im Schadensfall nicht nur der Versicherungsschutz wegfallen. Den Verantwortlichen in der Verwaltung und sogar in den zuständigen politischen Gremien drohen im Schadensfall sogar strafrechtliche Konsequenzen. Das Urteils sorgt für Unsicherheit. Einige Kommunen haben ihre Freibäder gar geschlossen, weil sie sich nicht in der Lage sahen, die Aufsicht abzusichern. Andere haben eine andere Rechtsauffassung als der KSA.
Auch Lindow möchte sich absichern. „Wir prüfen das. Wir verfallen aber nicht in Panik. Das Thema plätschert ja schon seit Jahren dahin“, sagte Danilo Lieske auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung. Zumindest an der offiziellen Badeanstalt am Gudelacksee versucht das Rathaus eine Aufsicht zu gewährleisten. Dazu gebe es Gespräche mit der beruflichen Schule in Lindow. Die Auszubildenden dort haben die Möglichkeit im Zuge ihre Lehrzeit das Rettungsschwimmabzeichen zu erhalten. Nun soll geklärt werden, ob diese als Ferienjob im Freibad anheuern. „Wir als Schule können den Bedarf nicht abdecken“, sagte Schulleiterin Colette Wawer auf Nachfrage. Sie möchte das Ansinnen der Stadt aber an ihre Schüler weitertragen.
Mehr Gefahr durch Boote
Sollte keine Aufsicht gestellt werden, könnte Schlimmstenfalls der Abriss der beiden Stege drohen. Aus Sicht der Stadtverordneten wäre dies aber noch gefährlicher. Schließlich droht dann das Risiko, dass Charterboote vom Benachbarten Yachthafen den Badebereich kreuzen, wie SPD-Mann Hans-Peter Hellmann sagte.
Selbst wenn sich Bademeister finden ist die Frage, was mit den übrigen Stegen in Lindow geschieht. Es steht noch einer an der Badestelle am Vielitzsee. Am Wutzsee gibt es zwei Stege auf öffentlichem Gelände. Der Grünen-Abgeordnete und ehemalige Richter Gert Wegner hatte angeboten, die Rechtslage noch einmal zu prüfen. Denn ihm ist ein Urteil bekannt, bei dem die Kommune Recht erhielt. Jemand habe einen Kopfsprung ins Wasser gemacht, sich dabei verletzt und geklagt. Nach Auffassung des KSA müsse das Wasser unter einem Steg tiefer als 1,80 Meter sein wenn die Plattform mehr als 75 Zentimeter über dem Wasserspiegel liegt. Nach Ansicht der Stadtverordneten ist das aber nur schwer zu kontrollieren.
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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.
Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel