Soccer Tour
: Ex-Profi von Hertha BSC kommt nach Neuruppin

Die „Fairplay Soccer Tour“ kommt erneut nach Neuruppin. Der ehemalige Hertha-Profi René Tretschok weiß, wie wichtig Ehrlichkeit auf dem Platz ist.
Von
Moritz Clauß
Neuruppin
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Lehrstunde: Der ehemalige Hertha-Profi René Tretschok will Kindern vermitteln, wie wichtig Fairplay ist – im Fußball genauso wie im Alltagsleben.

Moritz Clauß

Mancher Fußballspieler wirft sich beim kleinsten Schubser des Gegners theatralisch auf den Boden. In der Bundesliga dreschen Profis den Ball nach Pfiff des Schiedsrichters auch mal in die Zuschauerreihen, um Zeit zu schinden. Beim Derby zwischen Union Berlin und Hertha BSC feuerten sogenannte Fans im November Raketen durchs Stadion.

Fairplay spielt in der Bundesliga noch nicht die Rolle, die es spielen sollte. Das findet auch Ex-Hertha-Profi René Tretschok. Der Mann, der mit Dortmund Champions-League-Sieger wurde, ist seit Jahren Botschafter der „Sparkassen Fairplay Soccer Tour“, dem Sportprojekt für Kinder und Jugendliche, bei dem es vor allem um faires Verhalten geht. In Neuruppin wird im Februar 2020 wieder einer der Spieltage stattfinden.

Für die Neuruppiner Schüler sei es gut, wenn sie jedes Jahr am Turnier teilnehmen können, sagte Sportlehrer Michael Landeck kürzlich bei der Vorstellung der Tour in der Evangelischen Schule. Auch Christopher Arndt von der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin freute sich, dass die Tour wieder Spiele in der Stadt austrägt: „Das macht uns stolz.“

Bei der „Fairplay Soccer Tour“ werden das sportliche Ergebnis und Fairplay getrennt gewertet. Mannschaften können aus dem Turnier ausscheiden, wenn sie nicht fair genug spielen. Und sie können die Fairplay-Wertung gewinnen, obwohl sie die meisten ihrer Spiele verloren haben.

Wie wichtig Fairplay im Fußball ist, weiß der ehemalige Bundesliga-Profi Tretschok aus eigener Erfahrung. In der Saison 1997/98 spielte er für den 1. FC Köln gegen Schalke 04. Nach 80 Minuten schoss Tretschok auf das leere Tor, doch der Schalker Feldspieler Oliver Held lenkte den Ball mit der Hand über die Latte.

Profis haben Vorbild-Funktion

Schiedsrichter Uwe Kemmling hatte das Handspiel nicht gesehen, deshalb fragte er bei Held nach. Der behauptete, er habe die Kugel über die Latte geköpft. Die Kölner Spieler protestierten, aber das Handspiel wurde nicht geahndet. Zu allem Unglück für den FC traf Schalke in der 90. Minute zum 1:0. Am Ende der Saison verpassten die Kölner knapp den Klassenerhalt – viele Fans sind sich bis heute sicher, dass der Verein damals nicht abgestiegen wäre, wenn der Schiedsrichter das Handspiel gesehen oder Held sich fair verhalten hätte.

Knapp 20 Jahre später sagt Tretschok in Neuruppin, er habe großen Respekt für die Arbeit von Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern. „Ich weiß, wie ich selbst mich auf dem Platz teilweise daneben benommen habe.“ Wöchentlich entlädt sich der Frust von Fans und Spielern an den Unparteiischen. Sie werden ausgepfiffen, beschimpft, teilweise körperlich angegriffen. Emotionalität gehöre zwar zum Fußball, sagt Tretschok. Die Bundesliga-Profis hätten aber eine Vorbild-Funktion.

Beim Fairplay-Turnier gibt es keine Schiedsrichter. Wer ein Foul begeht, soll es selbst anzeigen. Auch die Zuschauer sollen sich respektvoll verhalten. Tretschok sagt: Es gehe darum, sich nicht nur im Spiel, sondern auch im Alltag fair zu verhalten. Den Turnier-Veranstaltern ist wichtig, dass niemand ausgegrenzt wird. Die Teilnahme am Wettbewerb ist kostenlos, an jedem Austragungsort gibt es Workshops für die Kinder.

Die „Fairplay Soccer Tour“ findet jetzt bereits zum 20. Mal statt. „Los ging es damals mit einer ganz kleinen Gruppe“, sagt Tretschok. Im vergangenen Jahr waren es rund 22 000 Spielerinnen und Spieler. Allein in Neuruppin beteiligten sich über 100 Mannschaften.

Der Spieltag in Neuruppin

Das Fairplay-Turnier kommt am Dienstag, 18. Februar in die Fontanestadt. Die Spiele finden im Sportcenter in der Trenckmannstraße 14 statt.

In den Altersklassen 6 bis 10 und 11 bis 13 Jahre beginnen die Spiele um 9 Uhr. In den Altersklassen 14-17 und Ü18 um 12 Uhr. Die Anmeldung ist per Post sowie bis 15 Minuten vor Beginn im Sportcenter möglich.

Teilnehmen können Jungs- und Mädchenteams. Jede Mannschaft benötigt drei Feldspieler und maximal einen Auswechselspieler. Gespielt wird drei gegen drei auf dem Soccer Court – einem kleinen Fußball-Spielfeld. ⇥moc