Die Verbindung zur deutschen Westernmusik des Wahlberliners Schuba liegt nah. Steffin war selbst ein Leben lang auf Achse und hat als Fernfahrer viel von Europa durchfahren. Dabei haben ihn Songs von Schuba wie etwa "Transit Cowboy" schon immer begleitet. "Wie er das alles beschreibt, ist wirklich wie aus dem wahren Leben. Und er  ist ein kleiner Therapeut für Herz und Seele", sagt Steffin über die Musik.
Im vergangenen Oktober hatte er Schuba im großen Sendesaal des rbb in Berlin gesehen. "Das war ein Top-Konzert. Da waren auch Zusatzmusiker von den Everly Brothers dabei", erinnert sich der Neuruppiner. Doch ein weiteres Konzert von Schuba zu besuchen, geht aufgrund seiner gesundheitlichen Situation nicht mehr. Im vergangenen Sommer, kurz vor seinem Renteneintritt, bekam er Augen- und Kopfschmerzen, die immer stärker wurden. Nachdem er bei einer Autofahrt seinen Wagen fast gegen einen Baum gesetzt hatte, ging er schließlich zum Arzt. Innerhalb kürzester Zeit hatte er die Diagnose: Hirntumor. In den Ruppiner Kliniken wurde ihm daraufhin wucherndes Gewebe aus dem Kopf herausgeschnitten, so groß wie sein kleiner Finger, zeigt Steffin. Seitdem ist er auf dem linken Auge blind. "Die Ärzte und auch alle anderen haben sich super um mich gekümmert. Der libysche Arzt hat mich sogar einmal kurz nach Hause gefahren, damit ich mir einige Sachen holen konnte", ist Steffin dankbar. Nach der OP kam er nach Hause. Nach zwei Stürzen kurz vor Weihnachten wurde er wieder ins Krankenhaus gebracht. Dort erhielt er auch die Gewissheit, dass der Krebs wieder gewachsen war.
All das erzählt Herbert Steffin, ohne mit seinem Schicksal zu hadern, wie es viele andere in  seiner Situation tun würden. "Das bringt ja nicht. Ich habe ein bisschen was von der Welt gesehen, und sage Danke dafür, dass es solange gehalten hat." So hatte er Zeit, 1974 seine Lehrausbildung bei der GST zu machen. Nach der Armeezeit machte der gebürtige Neuruppiner an der Abendschule seinen Schein als Berufskraftfahrer und zog nach Brandenburg. Fortan war er hauptsächlich mit einem Tankwagen unterwegs – auch nach der Wende. "Wir haben alles gefahren, was flüssige Lebensmittel waren: Milch, reiner Alkohol nach Frankreich oder flüssige Schokolade von der Storckfabrik nach Thüringen."
Die weitesten Touren führten ihn bis nach Norwegen, begleitet von Schubas Musik. "Dort habe ich gegenüber von Lillehammer Pause gemacht, wenn die Zeit blieb", erinnert sich Steffin mit einem Lächeln im Gesicht. Eine seiner ungewöhnlichsten Touren war aber noch vor der Wende, nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl, als er an der Grenze zur Ukraine gekühlten Fruchtbrei abholen musste, damit dieser noch verkauft werden konnte.
In Brandenburg bekamen er und seine Frau ihren Sohn und ihre Tochter. Auch die Enkeltochter lebt dort, die ihn nun schon zum vierten Mal zum Urgroßvater gemacht hat, wie der ehemalige Trucker glücklich erzählt. Doch die viele Zeit unterwegs war nicht gut für die Beziehung. "Fernfahrer und Ehe, das passt nicht zusammen. Ich gebe ihr da aber keine Schuld", berichtet Steffin einsichtig von der Scheidung nach rund 25 Jahren – auch das ohne jede Spur von Groll. Schließlich zog er 1998 wieder zurück in seine Geburtsstadt.
Bevor er Ende Januar dieses Jahres aber ins Hospiz kam, hatte Steffin gezögert. "Meine Geschwister haben auf mich eingewirkt, und ich bin ihnen jetzt dankbar dafür. Ich wollte zuerst nicht hierher. Aber jetzt bereue ich es absolut nicht. Ich würde gar nicht mehr allein wohnen wollen, weil das auch nicht mehr geht. Hier werden einem die Wünsche von den Augen abgelesen", sagt er zufrieden. Besuch bekommt er reichlich, berichtet der ehemalige Trucker. Wann immer es geht, kommen Familienmitglieder, Bekannte und Verwandte vorbei. Nur den vor zwei Wochen geborenen vierten Urenkel hat er noch nicht gesehen.
Weil Steffin sich so sehr wünscht, ein weiteres Mal Schuba live zu erleben, nahmen die Hospiz-Mitarbeiter Kontakt zu dem Sänger auf. Er wird am 28. März um 16.30 Uhr ein Couch-Konzert  im Hospiz geben. Zu der Tageszeit ist einerseits Steffins Zustand erfahrungsgemäß sehr gut, andererseits haben dann auch andere mehr Zeit, hinzuzukommen, sagt Renate Schwarz vom Hospiz. Schließlich sollen so viele Menschen wie möglich auftauchen, sind sich Schwarz und Steffin einig. Die 500 Euro, die notwendig sind, um die Kosten für den Auftritt zu decken, würde Herbert Steffin auch allein zahlen. Immerhin bekommt er so auch die Gelegenheit, einmal persönlich mit Larry Schuba zu sprechen. Doch Schwarz möchte einige Spenden sammeln, um die Summe vielleicht etwas zu verringern. Das ist ab sofort möglich (siehe Infokasten).

Infos zum Spenden

Spenden für Larry Schubas Couch-Konzert im Haus Wegwarte können zum Einen auf das Spendenkonto des Hospizvereins bei der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin überwiesen werden unter der IBAN DE27 16050202 1730026105. Zum Anderen werden aber auch kleinste Beträge in bar im Hospiz selbst entgegengenommen, das sich an der Fehrbelliner Straße 38 in Neuruppin befindet. (zig)