Soziales Jahr
: Junge Ruppiner helfen Kindern in Thailand

Fanny Däbel aus Zechlinerhütte und Filip Rothaut aus Neuruppin helfen Kindern in Thailand, deren Eltern bettelarm sind.
Von
Jürgen Rammelt
Rheinsberg/Neuruppin
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  • Sie verstehen sich prächtig: Fanny Däbel zeigt den Kindern viel Zuneigung – und die sind dafür sehr dankbar.

    Sie verstehen sich prächtig: Fanny Däbel zeigt den Kindern viel Zuneigung – und die sind dafür sehr dankbar.

    privat
  • Hilft Kindern aus armen Familien: Filip Rothaut aus Neuruppin unterrichtet in Thailand mehrere Altersstufen.

    Hilft Kindern aus armen Familien: Filip Rothaut aus Neuruppin unterrichtet in Thailand mehrere Altersstufen.

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Doch der Reihe nach: Beide haben sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden und sind in Thailand im Einsatz. Fanny Däbel hat nach der Grundschule in Rheinsberg die Evangelische Schule in Neuruppin besucht und dort das Abitur abgelegt. Danach stand die Frage: Wie weiter? „Meine Eltern haben gesagt, vor Beginn meines Studiums kann ich ein Jahr lang machen, was ich möchte und sie unterstützen mich dabei“, sagt junge Frau. „Ich habe da überlegt:  Work and Travel, Au Pair, Sprachschule oder einfach nur reisen?“ Sie hatte viele Ideen, wobei klar war, dass sie ins Ausland möchte. Durch Zufall hatte die Familie von einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst erfahren. „Ich war sofort begeistert und habe mich für diesen Weg entschieden.“ Deshalb bewarb sie sich für einen Platz in den Ländern Namibia, Südafrika oder Thailand bei der Entsendeorganisation „Volunta“.

Da die Plätze in Afrika schon belegt waren, folgte Fanny Däbel der Einladung zu einem Informationstag zum Thema Asien in Frankfurt. Es kam eines zum anderen: Sie wurde angenommen. Nach einem Bewerbungsgespräch mit dem Chef der Aufnahmeorganisation Human Help Network war alles klar. Da der Freiwilligendienst durch Spenden finanziert wird, musste sie selbst Geld auch sammeln. Fanny Däbel schaffte das mit einer Art Charity-Veranstaltung. Dann musste sie sich noch einige Impfungen unterziehen, Dokumente organisieren und diese übersetzen lassen sowie ein zehntägiges Vorbereitungsseminar in Wiesbaden absolvieren, bevor es hieß: Koffer packen und los.

Das war im August 2018. Mittlerweile ist auch ein zweiter Ruppiner bei ihr in Asien angekommen. Mit Filip Rothaut hat Fanny Däbel einen früheren Mitschüler nach Thailand locken können. Der 18-Jährige hat sein Abitur ebenfalls am Evi abgelegt. Da er noch nicht zum Studium zugelassen wurde, hatte er sich zwischenzeitlich einen Job gesucht, um etwas Geld zu verdienen.

Nebenbei bewarb sich Filip um ein Visum in Kanada, um dort bis zum Wintersemester etwas Work and Travel zu machen. „Ende Januar, gerade als das Visum sicher schien, habe ich dann auf einen Post von Fanny auf Instagram zuerst als Scherz geschrieben, ich könnte doch ab März nach Thailand kommen“, berichtet Filip Rothaut. Aus Scherz wurde Ernst, indem er merkte, dass ein Freiwilligendienst das Sinnvollste wäre, was er mit der freien Zeit anfangen könnte. So stürzte er sich am 1. März in ein neues Abenteuer.

Derzeitiger Arbeitgeber der beiden Brandenburger ist die Organisation Human Help Network. Ihre Aufgabe besteht aus Englischunterricht und Büroarbeit. „Wir haben Klassen verschiedenen Alters und unterrichten an  unterschiedlichen Orten“, erläutern die beiden. Die Kinder kommen aus Myanmar, Kambodscha und Laos. Sie sind mit ihren Familien nach Thailand geflüchtet und  leben dort in ärmsten Verhältnissen. Als Flüchtlinge haben sie kein Recht auf Bildung und dürfen keine Schule  besuchen.

Zusätzlich hat Filip die Aufgabe, in die Slums zu fahren, um dort  die Kinder zu betreuen und ihnen ein wenig Unterricht zu geben. Fanny unterrichtet zudem in einem Waisenhaus. An den eigentlich freien Samstagen fahren beide in ein Kinderschutzzentrum. „Die Kinder dort kommen entweder aus so armen Familien, dass sie zu uns gebracht werden, oder sie mussten schon Gewalt oder sexuellen Missbrauch in der Familie erleben.“ Filip Rothaut und Fanny Däbel geben Nachhilfe und verbringen einfach etwas Zeit mit den Mädchen und Jungen, die sehr dankbar sind.

Was die Büroarbeit betrifft, sind beide hauptsächlich für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Sie entwerfen Kalender, die an Sponsoren verschenkt werden. Das Gestalten von Flyern, Broschüren und die Pflege der Website gehören ebenso zu ihren Aufgaben.

Für Unterkunft und Verpflegung müssen beide nichts bezahlen. Außerdem bekommen sie monatlich Taschengeld, mit dem sie alles besorgen können, was sie nicht gestellt bekommen. Dadurch, dass auch sie Spenden für die nachfolgenden Freiwilligen sammeln, brauchten beide bis auf das Visum nichts zahlen.

Für Filip Rothaut ist das Beste bisher „die phänomenale thailändischen Küche“ und die stets positive Einstellung der Kollegen. Das hat nach seiner Meinung mit dem Job zu tun hat, der wirklich Spaß mache, aber sicherlich auch der thailändischen Mentalität zuzuschreiben sei. Ganz besonders gefällt aber beiden der Zusammenhalt unter den Kindern. „Hier wird keiner zurückgelassen oder ausgegrenzt, Groß hilft Klein, und sollte es sich anbieten, auch anders herum“, erklärt der Neuruppiner.

Natürlich gibt es Momente, in denen die beiden Ruppiner ihr  Zuhause vermissen. Aber dadurch, dass jeder per Handy permanent erreichbar ist, sei das kein Problem. Fanny Däbel hatte schon Besuch von ihren Eltern und ihrem Bruder. „Wenn ich doch mal einen Anflug von Heimweh bekomme, denke ich daran, was für eine tolle Zeit ich hier habe und dass ich die Chance nutzen kann, ein Jahr lang hier zu leben und zu arbeiten“, findet Fanny Däbel, die im August mit Filip Rothaut den Heimflug in die rund 8 700 Kilometer entfernte Heimat antritt.

Chili oder Gruß?

Warum Thailand als Land des Lächelns bezeichnet wird, ist nicht sicher. Laut  "Planet Wissen" gibt es mehrere Theorien. Eine besagt, dass die Thailänder wegen ihres Chilikonsums lächeln. Denn die scharfen Schoten enthalten Stoffe, die Glückshormone freisetzen. Eine andere ist, dass Thailänder aufgrund ihrer Religion, dem Buddhismus, ein zuversichtliches Leben führen. Wahrscheinlicher ist aber, dass Lächeln eine besondere Form der Kommunikation ist. Denn Handschlag, Umarmung oder Kuss zur Begrüßen gelten dort als unfein.