Sport: In Neuruppin sind Mütter mit dem Baby auf der Yoga-Matte
Eigentlich sehen die Yoga-Stunden in der Praxis von Simone Müller in Gildenhall etwas anders aus. Da geht es ruhig zu. Es wird nicht sehr viel gesprochen. Die Konzentration auf den eigenen Körper steht im Fokus. Baby mit Yoga hat damit wenig zu tun. Es wird geschnattert und gequatscht. Klar, auch trainiert. Aber immer wieder verlieren die Teilnehmerinnen die Aufmerksamkeit – wenn das Baby murrt, weint, in die Windel macht oder Hunger hat.
Spielzeug muss mit
Acht Frauen samt Kind sind an diesem Dienstag zum Yoga gekommen. In der Mitte liegt eine große Matte für die Mädchen und Jungen. Dort haben die Mütter – in weiser Voraussicht – jede Menge Spielzeug deponiert. Drumherum sind Matten für die Mütter drapiert. Die Kinder spielen, die Eltern besinnen sich etwas: So ist das Ganze gedacht. Oft klappt das nicht ganz so, weiß Steffi Plähn. Sie leitet den Dienstagskurs in der Praxis von Simone Müller. Den anderen Termin in der Woche übernimmt die Chefin selbst.
Mittlerweile ist es kurz nach 9.30 Uhr. Und obwohl der Kurs eigentlich schon begonnen hat, kommen noch zwei, drei Nachzügler. Mit einem Baby pünktlich sein, ist eine Herausforderung. Aber das wird hier locker gesehen. „Wichtig ist nur, dass die Mutter und das Kind schon ihren Rhythmus gefunden haben“, erklärt Simone Müller. Das Kind müsse auf der Welt und zu Hause angekommen sein. Dann klappt es auch mit dem Kurs.
Seit rund drei Jahren gibt es das Angebot in Gildenhall. Entstanden ist es aus dem Wunsch der Mütter, nach dem Schwangeren-Yoga-Kurs weiterzumachen. Doch Sport mit Kind: Das ist schwierig. Dennoch wollten die Mütter etwas für sich tun. Nach der Schwangerschaft ist das der richtige Weg, weiß Simone Müller: „Yoga bildet die Organlagen wieder zurück.“ Auch für die Wirbelsäule sei der Sport gut. „Das Untereinander-Kennenlernen spielt natürlich auch eine wichtige Rolle“, sagt Steffi Plähn. Nicht zuletzt helfen die Yoga-Übungen auch dem Beckenboden, der nach einer Schwangerschaft stark in Mitleidenschaft gezogen ist.
Die Freude im Kursraum ist groß, als Matheo und sein Mutter Mareike Hoppe ankommen. Cecilia und Mama Claudia Koch nehmen gleich auf der Matte nebenan Platz. Als dann auch noch Tina-Marie Fischbock die kleine Cleo und Lisa Kalka ihre Ava mitbringen, ist die Runde nahezu komplett. Ein kleiner Junge schläft noch im Maxi-Cosi und lässt sich von dem Trubel gar nicht stören. Es geht los.
Gut für den Beckenboden
Die Mütter stellen sich erst einmal auf die Matte und bilden einen Kreis, die Kinder im Arm. Sie kommen in ein leichtes Schaukeln, in leichte Bewegungen. „Das ist gut für den Beckenboden und auch fürs Zusammenfinden der Gruppe“, erklärt Simone Müller ganz leise. Nun werden die Babys als Gewicht einbezogen. Cecilia ist zart, ihre Mutter hat es leichter. Matheo dagegen ist ein eher kräftiger Bursche, der mit seinem Gebrabbel die ganze Runde unterhält. Mama Mareike Hoppe hat etwas mehr zu tun.
Jetzt legen die Mütter die Kinder ab, während sie selbst noch ein, zwei Übungen im Stand machen. Cleo und Isabella finden das merkwürdige Gezappel ihrer Mamas höchst amüsant. „Einatmen, Arme heben“, weist Steffi Plähn an. Wenn es ganz wuselig in der Yogastunde wird, nehmen die Kursleiter die Kinder auch schon mal hoch. Noch können sich die acht Knirpse aber ganz gut selbst beschäftigen.
Die Mütter setzen sich aufrecht hin, dehnen die Nackenmuskulatur. „Arme und Schultern sind ja immer viel beansprucht“, erklärt Steffi Plähn. Die Arme werden in die Übung einbezogen und gehoben. Die Frauen atmen aus und legen die Arme dabei über dem gestreckten Bein ab. Isabella hat den Schnuller verloren. Matheo hat Cecilia in den Mund gefasst. Cleo will unbedingt von der Matte rollen. Nur Ava ist noch immer ganz ruhig. Sie liegt auf dem Bauch und genießt die Aussicht. Yoga mit Kind ist immer wieder von kleinen Unterbrechungen im Ablauf geprägt.
Mittlerweile haben sich die Mütter in den Vierfüßlerstand gestellt. „Sortiert euch gut. Die Hände kommen unter die Schultern, die Knie unter die Hüfte“, sagt Steffi Plähn. Die Katze und das Pferd, zwei traditionelle Yoga-Übungen, stehen auf dem Programm. Die Babys werden dabei kurzerhand zwischen die Arme der Mamas auf die Matte gelegt. Wenn ihn die langen Haare seiner Mutter treffen, lacht Matheo laut los. Beim „Zusammengerollten Blatt“ stößt Isabella ihrer Mama immer wieder mit den Füßen an den Kopf und hat sichtlich Spaß dabei. Der herabschauende Hund, der Stuhl und der Baum: Die Mütter sind jetzt gefordert. Isabella braucht mal eine Flasche, Cleo und Cecilia werden gestillt. Und Matheo will einfach mal auf den Arm. Denn so sehr die Kleinen ihren Müttern auch Ruhe gönnen mögen, irgendwann wollen sie auch wieder im Fokus stehen. Und dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Es wird lauter und quengeliger im Raum. „Eine Stunde reicht auch vollkommen. Das ist das Maximum“ sagt Steffi Plähn. Der Meinung sind die Knirpse auch.
Der Kontakt zurYoga-Praxis
Die Kurse werden immer dienstags und donnerstags von 9.30 bis 10.30 Uhr angeboten. Eine Stunde kostet zehn Euro.
Kontakt zur Praxis gibt es telefonisch unter 03391 7008641 oder per E-Mail an physio-gildenhall@gmx.net. Informationen zum Kursangebot erhalten Interessierte auch im Internet auf www.yoga-gildenhall.de.⇥red


