St. Georgs-Kapelle
: Vom Problemkind zum Kleinod

Noch vor zehn Jahren war die St. Georg-Kapelle ein absolutes Problemkind. Nun wurde sie saniert und ein echtes Kleinod.
Von
Siegmar Trenkler
Neuruppin
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Geschafft: Vor der Sanierung der Decke hatte die Vorsitzende des Stiftungsvereins, Christine Dabitz, seinerzeit etwas Angst. Ende 2018 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Nur ein unverputztes Wandstück erinnert jetzt daran, wie es vorher aussah. Eine offizielle Einweihungsfeier ist für April vorgesehen

Siegmar Trenkler

„Ich habe immer gedacht, dass das alles klappen wird“, erinnert sich Dabitz. „Anfangs war da aber schon Angst dabei. Denn je mehr wir genau hingeschaut haben, desto mehr haben wir Dinge gefunden, die gemacht werden mussten. Daher habe ich damals gedacht, das würde alles viel länger dauern.“  Doch die Arbeiten sind seit Ende 2018 abgeschlossen, das Haus nutzbar, und sogar eine erste Veranstaltung gab es in diesem Jahr schon Anfang Februar zur alljährlichen Ehrung von Eva Strittmatter. Dank einer Spende über 11 000 Euro der Stiftung der Volksbanken und  Raiffeisenbanken in Norddeutschland konnte der Verein zuletzt sogar den Altar samt der Bekrönung wieder aufarbeiten lassen. Jetzt bleibt nur noch eine größere Sache: die Orgel.  Diese ist in Plau am See gelagert und müsste restauriert werden. Rund 35 000 Euro sind für diese letzte Etappe notwendig. Ein Fördermittelantrag beim Land für die Hälfte dieser Summe wurde schon gestellt. Eine Antwort steht aber bislang aus. Doch angesichts der bisher überwundenen Herausforderungen scheint die Zuversicht von Christine Dabitz, auch das noch irgendwie hinbekommen zu können, nachvollziehbar.

Insgesamt wurden zwischen 400 000 und 450 000 Euro in die Sanierung der Kapelle gesteckt. Etwa ein Drittel davon kam aus Fördermitteln, etwa vom Land Brandenburg und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Der Rest ist vor allem über zahllose Spenden eingenommen worden. Dazu kamen viele, die bei Arbeitseinsätzen oder mit anderen Leistungen zum Gelingen der Sanierung beigetragen haben. „Das begann schon damals, als wir viel Hilfe bekommen haben, um das Umfeld wieder herzurichten.“ So wurden das Mauerwerk befreit und die Umgebung gepflastert. „Sonst hätte man in dem Sand ja nicht mal ein Gerüst aufstellen können“, erinnert sich Dabitz. Das kam aber erst später. Vorher wurde auch ein Wurzelvorhang in den Boden gebracht, der dafür sorgt, dass sich die Bäume und die Kapelle nicht gegenseitig schädigen.

Der größte Teil der Arbeiten wurde aber in den vergangenen drei Jahren erledigt. Das begann mit der statischen Sicherung der Kirche. Das Haus bekam ein Korsett aus Stahl, das noch heute im Inneren zu sehen ist, ohne dabei das Gesamtbild der Kapelle zu stören. Aus dem wackeligen Backsteinbau wurde damit ein Gebäude, dem durch die Sicherung nichts mehr etwas anhaben kann, ist Dabitz überzeugt. „Wenn es einen Tornado geben würde, könnte man sich wirklich hier herein flüchten. Der Turm würde das vielleicht nicht aushalten, aber das Haus steht durch die Stahlträger bombenfest.“

In den nächsten Schritten wurde das Gemäuer gesichert. Stück für Stück kamen das Dach, der Turm, die Glocke, die Fußbodenheizung und die Stuckarbeiten an der Decke. Und mit jedem Schritt wurde aus dem ehemals schon dem Verfall geweihten Haus immer mehr ein kleines Schmuckstück. „Am meisten hatte mir vor der Decke gegraust“, sagt Dabitz rückblickend. „Auch der Turm war eine Herausforderung.“ Inzwischen erinnert nur noch im Inneren eine Wand, auf die Besucher direkt beim Eintreten blicken,  an den ehemaligen Zustand. Die unverputzten Backsteine an dieser Stelle waren eine Vorgabe des Denkmalschutzes und sollen als sogenannte Sichtachse den vorherigen Zustand sichtbar machen. Die beiden ungestrichenen Säulen auf der offenen Empore, die derzeit noch zu sehen sind, werden früher oder später von der restaurierten Orgel verdeckt sein. Zu tun bleibt trotzdem immer etwas, weiß Dabitz. So wird möglicherweise in der Zukunft auch noch ein Schutz für die Bleiglas-Fenster installiert, damit diese nicht von außen beschädigt werden können. Doch aktuell gibt es keine größeren Pläne.

Seit die Nutzungsbestätigung für die Kapelle vorliegt, beginnt nun für den dreizehn Mitglieder starken Stiftungsverein und das von ihm gerettete Gebäude ein neues Kapitel. Denn schließlich soll das ehemalige Gotteshaus auch mit Leben erfüllt werden. Die Strittmatter-Ehrung zeigt dabei bereits, wohin die Reise gehen soll. „Wir können uns gut vorstellen, dass hier Lesungen und kleinere Konzerte stattfinden werden.“ Doch die möchte der Verein nicht komplett allein auf die Beine stellen. „Wir machen das ja alle nur ehrenamtlich, wollen aber, dass das hier genutzt wird. Wer den Raum nutzen möchte, kann sich an uns wenden“, so Dabitz. Schon jetzt gibt es eine erste feste Nutzung, die gut zur Vergangenheit des Hauses passt. „Einmal im Monat findet hier ein Gottesdienst der evangelischen Gesamtkirchengemeinde statt. Den organisiert Thomas Klemm-Wollny für die Bewohner des Spittels. Aber auch alle anderen können natürlich herkommen.“ Damit auch wirklich jeder ins Innere gelangen kann, gibt es auch eine Rampe, mit der sich die Schwelle zur Kapelle überwinden lässt.

Um sich bei all den zahllosen Ehrenamtlern, Spendern und sonstigen Helfern zu bedanken, ist für April kurz vor Ostern eine offizielle Einweihungsfeier geplant. Ein Künstler aus der Region wird dabei  für eine weitere Attraktion sorgen. Was damit gemeint ist, möchte Christine Dabitz aber noch nicht verraten. Schließlich soll den Gästen die Überraschung nicht verdorben werden.