Der freischaffende Künstler Steffen Ostwald aus Netzeband bei Neuruppin hat selbst schon hunderte Videos erstellt und zum Teil auf Youtube veröffentlicht – sofern sie nicht gesperrt oder gelöscht worden sind. Doch so viel Aufmerksamkeit, wie ihm seit gut zwei Monaten anheimfällt, konnte er damit nicht erzielen. Der Name des Netzebanders, der schon vor Jahren mit eigenen Aktionen Aufmerksamkeit erregte, schlägt im Internet derzeit hohe Wellen.
Mehr als 1,8 Millionen Menschen haben sich bereits das Video von Tim Jacken, alias TJ, auf dessen Youtube-Kanal angesehen. Unter dem Titel „Die Zerstörung von Steffen Ostwald ... dem widerwärtigsten Menschen auf YouTube!“ erhebt Jacken schwere Vorwürfe gegen den Netzebander. Unter anderem soll er Frauen, die sich bei ihm in Therapie begeben haben, manipuliert, genötigt und zu sexuellen Handlungen gebracht haben. Ostwald weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Steffen Ostwald bleibt entspannt

Dafür, dass ihm vor einem Millionenpublikum derartige Dinge unterstellt werden, ist Steffen Ostwald sehr entspannt. „Mein Ruf ist eh schon ruiniert. Wenn man sich darüber keine Gedanken mehr macht, ist es sehr befreiend“, sagt er.
Doch wie kam es dazu, dass solche Vorwürfe gegen ihn im Internet gemacht werden? Ostwalds Haus gleicht einer Art Harem. Auf Videos auf Youtube wird es auch als „Haus der Amazonen“, „F***palast“ und „Höhle des Löwen“ bezeichnet. Einige sprechen in Zusammenhang mit den Vorgängen auf dem Grundstück auch von einer „Sexsekte“. Ostwald lebt dort gemeinsam mit Thea Remmel und Natalie Winz. Zudem suchen ihn regelmäßig Frauen auf, um mit ihm besondere sexuelle Erfahrungen zu sammeln, von ihm sexuell auf neue Ebenen gehoben zu werden – sagt er. „Ich war zehn Jahre lang Sexdiener im Heer der Amazonen. Die Frauen haben sich hier die Klinke in die Hand gegeben“, sagt Ostwald. Sein Terminplaner ist voll mit Frauennamen, die ihn aufgesucht haben. Seine Erfahrungen hat er unter anderem in dem Buch „Der Sexualtherapeut“ niedergeschrieben.
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Vorwürfe sind schon älter

Zwei der Frauen, die diese Dienste in Anspruch nahmen, erhoben später jedoch Vorwürfe gegen ihn. Die Anschuldigungen an sich sind nicht neu. Die zwei Frauen, die Ostwald vor gut anderthalb Jahren in seinem Haus empfangen hat, haben später anonym im Internet behauptet, sie seien von Ostwald manipuliert und zu sexuellen Handlungen gedrängt worden.
Thea Remmel und Steffen Ostwald stellen das Ganze anders dar. „Alle Frauen, die hierherkamen, wussten, was hier los ist. Eine von ihnen war meine ehemalige Mitbewohnerin und wusste von mir, was bei Steffen getrieben wird. Sie wollte das selbst mal erleben“, sagt Remmel. Ostwald ergänzt: „Die sind zum F***en hergekommen.“ Er zeigt einen Chatverlauf. Gleich zu Beginn der Kommunikation sind demnach Fotos von Geschlechtsteilen ausgetauscht worden.

Frauen sollen für Sex bezahlt haben

Ostwald betont, dass er niemals als Therapeut aufgetreten sei oder jemand ihn aufgesucht habe, um sich von ihm behandeln zu lassen, wie es im Netz behauptet wurde. „Die kamen zum Sex.“ Auch die Vorwürfe, er habe Frauen dazu gedrängt, Drogen zu nehmen, weist er zurück. „Die haben ihre eigenen Drogen mitgebracht“, sagt er. Zudem hätten die Frauen ihn für seine Dienste noch bezahlt.
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Die Vorwürfe selbst waren schon vor einem Jahr im Netz und für Ostwald und Remmel vom Tisch. Dass TJ auf das Thema aufmerksam wurde, war offenbar mehr oder weniger Zufall. Der Youtuber hatte ein sogenanntes Reaction-Video auf ein Video von Remmel gemacht. Daraufhin ist er von Kommentatoren darauf aufmerksam gemacht worden, welche Vorwürfe gegen Ostwald bereits kursieren. Schließlich lud TJ den Netzebander und Thea Remmel in sein Studio für ein Interview, in dem er Ostwald entlarven wollte.

Videos mit Perücke und Samuraischwert

Darin macht Tim Jacken Ostwald noch weitere Vorwürfe. Er konfrontiert Ostwald unter anderem mit Aussagen, die nahelegen, dass Ostwald die Meinung vertritt, die Juden seien selbst dafür verantwortlich, was ihnen im Holocaust angetan wurde. „Das, was er mir vorwirft, habe ich nie gesagt“, sagt hingegen Ostwald. „Ich habe sogar gesagt, Hitler war ein impotentes Arschloch. Aber das hat TJ rausgeschnitten“. In seinem Beitrag hat Tim Jacken auch Ausschnitte aus Videos veröffentlicht, die Ostwald in Reaktion auf die Vorwürfe erstellt hat.
Die Videos wirken teils extrem befremdlich. Ostwald trägt darin eine Langhaarperücke, Rumpfprotektoren für Motorradfahrer und hält ein Samuraischwert in der Hand. Zudem posiert hinter ihm ein muskulöser Mann mit Sturmhaube auf dem Kopf. Ostwald beschimpft in den Ausschnitten die Frauen, die Vorwürfe gegen ihn erheben, unflätig. TJ wertet diese Videos als Bedrohung. Ostwald bezeichnet sie als Satire. „Man sieht doch, dass das komplette Verarschung ist“, sagt er. Durch die Perücke sei er in die Rolle des „Richi“ geschlüpft. Mit diesem Alter-Ego hat er bereits mehrere Videos gedreht. Die Figur ist für ihn eine Art Vehikel, um Themen zu transportieren.

Staatsanwaltschaft prüft Vorwürfe

Steffen Ostwald und Thea Remmel fühlen sich von TJ getäuscht. „Tim hat ein Thema, das bereits über ein Jahr alt war, aufgegriffen, weil er die Klicks dahinter gewittert hat. Mit 1,8 Millionen Aufrufen sind wir sein erfolgreichstes Video“, sagt Remmel. Die Vorwürfe sind allerdings strafrechtlich relevant. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin hat auf Nachfrage angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen.
Ostwald ist, was die strafrechtliche Dimension des Ganzen angeht, entspannt. Er habe bereits sechs Anzeigen bei der Polizei wegen falscher Vorwürfe erstattet. Zudem hat er sich auch einen Rechtsanwalt genommen, der ihm die Sorgen habe nehmen können. Gegen das Video von TJ rechtlich vorzugehen, möchte er sich ersparen. „Es ist schwer, TJ hat eine ganze Agentur im Nacken“, sagt er. Die Videos des Youtubers erreichen auch ein bedeutend größeres Publikum, als seine eigenen. Er zeigt auf einen Stapel Bücher. „Das sind die Inhalte, mit denen ich mich beschäftige.“ Dann legt er einen kleinen Papierschnipsel daneben. „Und das ist das, was Tim Jacken daraus gemacht hat. Dafür kriegt er von seinem Karma irgendwann so auf die Fresse“, so Ostwald.
Die Frauen, die die Vorwürfe erheben, waren bisher nicht für Stellungnahmen zu erreichen.