Teure Herausforderung
: Erste Ideen für Fehrbelliner Kulturhaus

Die Pläne für das Fehrbelliner Kulturzentrum werden konkreter. Es zeichnet sich aber ab, dass dieses sich nur rechnet, wenn dort viele Veranstaltungen stattfinden.
Von
Markus Kluge
Fehrbellin
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  • Hatte gute Tipps: Gisbert Amm vom Heidekrug 2.0.

    Hatte gute Tipps: Gisbert Amm vom Heidekrug 2.0.

    Markus Kluge
  • Kämpft für das Kulturzentrum: Jürgen Sternbeck.

    Kämpft für das Kulturzentrum: Jürgen Sternbeck.

    Markus Kluge
  • Nur eine Idee: So oder so ähnlich könnte das Kulturzentrum am Rhin in Fehrbellin aussehen. Wichtig sei, dass es oft und vielfältig genutzt wird. Quelle: Complan

    Nur eine Idee: So oder so ähnlich könnte das Kulturzentrum am Rhin in Fehrbellin aussehen. Wichtig sei, dass es oft und vielfältig genutzt wird. Quelle: Complan

    Complan
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Mehr als 50 Fehrbelliner waren am Mittwochabend dabei, als Matthias von Popowski und Josephine Lenk vom Büro Complan Kommunalberatung einen Überblick darüber gaben, wie aus dem Fehrbelliner Wunsch Wirklichkeit werden kann. Am Ende war klar: Ein paar Schritte sind bereits gegangen worden, doch der weite und steinige Weg kommt erst noch.

In der Stadt am Rhin wird schon seit Jahren ein Kulturzentrum gefordert. Denn mit der Schließung des Fehrbelliner Hofs gibt es in der Gemeinde keinen Platz mehr für Feste und Veranstaltungen. Den wünschen sich aber viele, wie eine Umfrage Ende vergangenen Jahres ergab (RA berichtete).

Aus den bisher gesammelten Informationen hat das Büro Complan bereits erste Ideen entwickelt. Vorgeschlagen wird demnach der Neubau eines Kulturzentrums auf dem Garagengelände an der Luchstraße. 500 Quadratmeter Grundfläche für etwa 200 Besucher soll das Objekt nicht übersteigen. Für alle Veranstaltungen, die mehr Platz erfordern, müsse man in die Rhinhalle ausweichen, die laut der Gemeindeverwaltung für 120 000 Euro auch noch passend umgebaut werden könnte. „Ein Neubau für 400 bis 500 Leute lässt sich einfach nicht begründen“, so von Popowski. Daniel Berger-Karin von den Fehrbelliner Bikern hat bei dieser Größe so seine Bauchschmerzen. „Für Konzerte rechnet sich das mit nur 200 Leuten nicht“, sagte er.

Die erste Kalkulation für ein solches Objekt ist allerdings auch nicht von Pappe. Complan geht von Baukosten in Höhe von rund 1,25 Millionen Euro aus. Mit etwas Glück kann die Gemeinde zwei Drittel der Summe mit Fördermitteln bezahlen – allerdings nicht vor 2021/2022, da die aktuelle Förderperiode bereits vorüber sei. Für die Bewirtschaftungskosten werden pro Jahr 34.000 Euro angesetzt, die Einnahmen werden mit 9 000 Euro kalkuliert. Bleibt unterm Strich ein Minus von 25 000 Euro. „Einmal eine große Summe für den Bau des Hauses zu stemmen ist einfach. Aber das Geld für Unterhalt zu haben, ist eine Herausforderung“, räumte von Popowski ein. Umso wichtiger sei es, das Objekt mit Leben zu füllen, um die Kosten zu senken. Durch die Nähe zum Rhin biete sich laut den Planern dort ein Wasserwanderstützpunkt möglicherweise mit Kanuverleih an, den natürlich auch die Nutzer des Radwegs ansteuern können. Dazu gehören von außen erreichbare sanitäre Anlagen. „Dann hätten wir endlich mal eine öffentlich Toilette“, kommentierte der Abgeordnete Axel Gutschmidt (SPD).

Geklärt werden muss allerdings noch, wie das Objekt betrieben wird. Gründet sich ein Dachverein, eine Organisationsgruppe? Gibt es Teilzeit-Stellen dafür bei einem Verein oder der Gemeinde? In diesen Punkten müssen die Fehrbelliner sich noch einig werden. Und vor allem: Was wird dort künftig angeboten? „Man muss so viel wie möglich unterbringen“, betonte von Popowski.

Einen Denkanstoß dafür gab Gisbert Amm aus Joachimsthal bei Eberswalde. Dort ist 2010 ein Verein gegründet worden, um einen alten Saal wieder in Schwung zu bringen. Unter dem Namen „Heidekrug 2.0“ und mit etwa 60 Veranstaltungen pro Jahr zuzüglich Vermietungen hat sich dieses Objekt mittlerweile etabliert. Laut Amm werden Kinoabende, Konzerte, Feste, Abibälle, Geflügelausstellungen und vieles andere mehr dort veranstaltet. Die Eintrittspreise belaufen sich bei den selbst organisierten Events zwischen sechs und 14 Euro. Getränke werden immer ausgeschenkt, Kuchen oder Häppchen bereitet der Verein nur zu besonderen Anlässen zu. Als Vereinsmitglied kann der Saal für 75 Euro gemietet werden, alle anderen bezahlen das Doppelte. Mittlerweile sei es so, dass der Verein pro Jahr bei seinen eigenen Veranstaltungen etwa 3 000 Besucher zählt und am Ende sogar schwarze Zahlen schreibt. Allerdings sind laut Amm dort viele Ehramtler aktiv, und der Verein versuche stets Projekte zu finden, über die er  Zuschüsse akquirieren kann.

Von den Kosten und Aufgaben zeigten sich vor allem die Fehrbelliner nicht entmutigt. „Jetzt erst recht“, sagte Peter Marienfeld (CDU). Er geht davon aus, dass es nicht unmöglich sein wird, einen Betreiberverein zu bilden. „In Fehrbellin ist eigentlich alles toll – aber wir bekommen bisher nichts hin, wo wir mal etwas Kultur bieten können“, sagte Ortsvorsteher Jürgen Sternbeck (CDU) und betonte erneut, dass dieses Gebäude von den Einwohnern aus allen Gemeindeteilen genutzt werden kann. Von Gisbert Amm gab es am Ende noch einen Tipp: „Legen sie jetzt los und warten nicht auf das Haus.“ Ob und wie dieses gebaut wird, muss weiter die Gemeindevertretung beraten.

Hintergrund

Fehrbellin hatte in der Vergangenheit zwei Säle. Einen auf dem Plakotex-Gelände, der Anfang der 1990er-Jahre einstürzte. Außerdem gab es den Fehrbelliner Hof, der vor fünf Jahren schloss. Außer der Rhinhalle, die vorrangig für Sportevents genutzt wird und nur 199 Besucher aufnehmen darf, gibt es im Ort keinen Saal mehr. Der Ortsbeirat hatte überlegt, einen alten Supermarkt oder den Fehrbelliner Hof zu kaufen. Aus beidem wurde nichts. ⇥(kus)