Theater
: Johannes Hallervorden begeistert beim Seefestival Wustrau

Beim Seefestival Wustrau stand am Sonntagabend Johannes Hallervorden in einem humorvollen Ein-Mann-Stück „Der letzte Raucher“ auf der Bühne. Ab Freitag übernimmt er in „Spamalot“ gleich zwölf Rollen.
Von
Janett Höpner
Wustrau
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  • Johannes Hallervorden unterhielt gekonnt das Publikum in Wustrau.

    Johannes Hallervorden unterhielt gekonnt das Publikum in Wustrau.

    Janett Höpner
  • Dieter Hallervorden ist zu Gast in Wustrau.

    Dieter Hallervorden ist zu Gast in Wustrau.

    Janett Höpner
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Die Kulisse am Ruppiner See ist einmalig schön. Eine riesige Agave lässt so manchen Besucher erstaunt nach oben blicken. Dort sind nicht nur die Blüten, sondern auch schwarze Wolken zu sehen, die Regen vermuten lassen. Doch es wird ein trockener Abend, mit viel Humor und einem überzeugenden Johannes Hallervorden in dem Ein-Mann-Stück „Der letzte Raucher“ von Mark Kuntz.

Einladung als Provokation

Gleich zu Beginn des Stückes beschwert sich Johannes Hallervorden, dass es eine einzige Provokation sei, dass Dirk ihn eingeladen habe. Ist Dirk sein bester Freund? Nein, einfach ein Typ, den man eben so kennt. Dirk sei urplötzlich Nichtraucher geworden und habe ihn, den Raucher, doch nur eingeladen, um ihn zu demütigen, mutmaßt Hallervorden. „Aber das wird ihm nicht gelingen.“ Davon ist er überzeugt. Spricht’s und geht auf den Balkon, um sich genüsslich eine Zigarette anzuzünden. Als er wieder nach drinnen gehen will, muss er feststellen, dass er sich ausgesperrt hat. Was für ein  perfider Schachzug von Dirk. „Der will doch nur, dass ich jammere und um Einlass bitte. Nein, diesen Gefallen werde ich ihm nicht tun“, betont Hallervorden. Doch alle anderen sind weg, haben vergessen, ihn mit auf die Kneipentour zu nehmen.

Die erste Frage, die sich der Ausgesperrte stellt: „Oh Gott, wo soll ich hin schiffen?“ Das Wustrauer Publikum lacht. Schnell ist ein großer Blumenkübel gefunden. Hallervordens weitere Bestandsaufnahme auf dem Balkon ergibt: noch 28 Zigaretten und eine Kiste mit feinstem Rotwein. Er überlegt, bis Mitternacht gar nicht zu rauchen. Doch schon schüttelt ihn ein Hustenanfall, und der Griff zur Zigarette ist wie eine Erlösung. Hallervorden zieht den Rauch so genüsslich ein, dass den Zuschauern spontan ein befreiendes „Aaaaahhh“ entfährt.

„Es ist schon eine Herausforderung, nach so langer Zeit, wieder vor Publikum zu spielen“, hat der 21-jährige Schauspieler schon vor der Aufführung verraten. „Dazu kommt, dass das Stück nachts auf dem Balkon spielt, es dunkel ist. Hier ist alles anders, draußen, hell. Ich bin gespannt, ob alles klappt.“

Doch die Zuschauer haben genug Fantasie, sich in die Balkonszene hineinzuversetzen. Nicht zuletzt liegt das an der großartigen schauspielerischen Leistung von Johannes Hallervorden. Voller Hingabe und Energie stürzt er sich in die einzelnen Szenen mit seinen Gedankenspielen. So stellt er sich bildhaft vor, dass er nach Rumänien auswandern würde. Warum Rumänien? Es sei das einzige Land, wo der Raucher noch überall voller Lust und ohne Einschränkungen rauchen darf. Hallervorden malt sich aus, wie er dort als Taxifahrer arbeiten würde. „Ja, und dann kommt Dirk auf Geschäftsreise“, lässt er das Publikum an seiner Fantasie teilhaben. „Er steigt in mein Taxi ein, und dann werde ich eine Zigarette nach der anderen anzünden und Dirk bei geschlossenem Fenster so richtig schön vollqualmen.“ Diese Rachegelüste können die Zuschauer gut nachvollziehen und haben viel Freude bei diesem Kopfkino.

Tipps von Vater Dieter

„Der letzte Raucher“ ist ein Stück mit sehr viel Text, wo sich manch ein Zuschauer fragt, wie man diesen im Kopf behalten kann. „Das Gehirn kann man trainieren, so wie man auch Schwimmen trainiert. Man muss es nur jeden Tag tun."  verrät Dieter Hallervorden, Vater von Johannes und Schauspiellegende. Er ist an diesem Abend als Betreiber des Schlossparktheaters Berlin zu Gast, da der „Der letzte Raucher“ als Koproduktion mit dem Schlossparktheater aufgeführt wird. 2018 hatte es dort Premiere.

„Ich hab’ einen Hänger.“ Laut und deutlich ertönt da dieser Satz von Johannes Hallervorden von der Bühne. Er meint es auch so. Als er sein Stichwort hört, geht es weiter als wäre nichts gewesen. Das Publikum hat Verständnis und nimmt wohlwollend zur Kenntnis, dass auch Schauspieler „nur“ Menschen sind.

Nach dem starken Schlussapplaus der Besucher entschuldigt sich Hallervorden noch einmal für seinen Hänger und verspricht, im nächsten Stück „Spamalot – Die Suche nach dem heiligen Gral“, das an diesem Freitag in Wustrau Premiere hat,  fehlerfrei zu sein. „Dort bin ich in zwölf Rollen zu sehen. Ich verspreche, ich werde nicht einen einzigen Hänger haben! Sie sind alle herzlich eingeladen, dies zu überprüfen!“ Wieder hat der 21-Jährige die Lacher auf seiner Seite.

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