Therapie
: Wenn Spielen zur Sucht wird

Robert Schöneck ist der neue Direktor der Salusklinik Lindow. Der 33-Jährige hatte schon als Schüler ein Praktikum in der Einrichtung absolviert.
Von
Brian Kehnscherper
Lindow
Jetzt in der App anhören

Der neue Chef: Seit Januar leitet Robert Schöneck die Lindower Salusklinik. Bereits 2005 absolviert er ein Schülerpraktikum in der Einrichtung.

Brian Kehnscherper

Geboren in Templin, aufgewachsen in Zehdenick und aufs Gymnasium in Gransee gegangen, hatte der zweifache Vater durch die Familie bereits Bezug zu der Suchtklinik in der Drei-Seen-Stadt. Schließlich arbeitete seine Mutter seit 1997 als Krankenschwester dort. Zudem interessierte sich Schöneck für das Thema Sucht. Das Praktikum bestärkte ihn nur darin, nach dem Abi im Jahr 2005 Psychologie zu studieren. „Ab dem Hauptstudium war klar, dass ich in die klinische Richtung gehen möchte. Ich wusste, ich will in die Praxis“, sagt er rückblickend. Nach der Uni bot die Salusklinik für Schöneck gute Arbeitsbedingungen. Denn während die meisten Psychologen zu jener Zeit nach dem Studium für ihre sogenannte postgraduale Ausbildung zum Psychotherapeuten noch draufzahlen mussten, bestand an der Salusklinik bereits die Möglichkeit, während der Fortbildung als Bezugstherapeut zu arbeiten und Geld zu verdienen. Schon bei einem weiteren Praktikum im Jahr 2008 wurde für Schöneck deutlich, dass die Ausbildungsbedingungen in Lindow gut sind. Nach dem Uni-Abschluss 2010 heuerte er schließlich dort an. Fünf Jahre später hatte er die Approbation. „Es sprach für mich nichts dagegen, hier zu bleiben“, sagt er.

Depressionen und Ängste

Die Arbeit an der Klinik gestaltet sich vielschichtig. Denn dort werden nicht nur Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit therapiert. „Ich hatte den Wunsch, mit Glücksspielern zu arbeiten“, so Schöneck. Daher wechselte er 2012 in die Psychosomatik. Dort werden verschiedenste Patienten behandelt. Neben der Sucht nach Glücksspiel werden auch Menschen mit Essstörungen, Depressionen, Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen  sowie körperlichen Beschwerden ohne medizinische Ursache therapiert. Gut ein Drittel der Patienten in Lindow hat psychosomatische Symptome.

Ein noch recht junges Feld bei den Süchten ist der übermäßige Gebrauch von Online- und Offlinespielen. Offiziell ist das noch gar nicht als Erkrankung anerkannt. Durch die tägliche Arbeit mit Betroffenen konnte Schöneck allerdings bereits ein Behandlungskonzept mitentwickeln. Anders als bei Alkohol- oder Drogenabhängigkeiten, die sich auf Substanzen beziehen, spricht man beim übermäßigen Gaming von einer Verhaltenssucht. Dabei sei nicht jeder, der oft an PC, Konsole, Tablet oder Smartphone zockt, süchtig. „Wenn das wiederholte, dauerhafte Spielen negative Auswirkungen hat und man es nicht mehr kontrollieren kann, spricht man von einer Sucht“, so Schöneck. Sobald Familie, soziales Umfeld oder Beruf unter dem Spielzwang leiden, wird es bedenklich. Oft seien vor allem junge Männer betroffen. Die Gründe dafür sind laut Schöneck noch unklar. „Ich vermute, dass es etwas mit der Impulskontrolle zu tun hat. Männer neigen dazu, sich länger die Hörner abstoßen zu müssen“, so der Psychologe. Tatsächlich sind 90 Prozent der sogenannten Gamer, also der Computerspielsüchtigen,  männlich. Bei den Gamblern, wie die zwanghaften Glücksspieler genannt werden, liegt der Männeranteil bei 80 Prozent.

Ein Knigge fürs Smartphone

Ein ebenfalls junges Feld der Suchtbehandlung bezieht sich auf das krankhafte Seriengucken auf Streamingplattformen. Die meist jungen Patienten würden so viele Folgen hintereinander schauen, dass sie ihre Pflichten vernachlässigen würden, so Schöneck.

Ob Spiele oder Netflix & Co: Robert Schöneck möchte solche modernen Mittel des Zeitvertreibs nicht verteufeln. „Optimisten gehen davon aus, dass 99 Prozent der Bevölkerung einen gesunden Umgang mit modernen Medien haben. „Wichtig sei, die übermäßige Nutzung kritisch zu hinterfragen. „Das fängt im Kleinen an. Muss ich zum Beispiel das Handy in die Hand nehmen, wenn ich am Esstisch sitze. Es bräuchte einen Handyknigge“, so der Fachmann.

Während Schöneck in den ersten Jahren in Lindow viel mit den Patienten arbeitete, kamen später neue Aufgaben hinzu. Seit 2016 ist er als leitender Psychologe tätig. Der Kontakt zu den Patienten wurde weniger, stattdessen dozierte er mehr und bildete Kollegen aus. Im Januar trat Schöneck die Nachfolge von Johannes Lindenmeyer an, wodurch noch einige organisatorische Aufgaben dazugekommen sind. Der Kontakt zu den Menschen, die in der Salusklinik Heilung suchen, ist dennoch nicht ganz abgebrochen. „Als Supervisor spreche ich manchmal noch mit unseren Patienten, um zu sehen, wie die Behandlung verlaufen soll.“ Zudem hält er regelmäßig Vorträge.