Die elektrische Eingangstür ist immer wieder dezent im Hintergrund zu hören. Meist sind es Handwerker, der Postbote oder Hotelangestellte, die sie auslösen. Es herrscht ein Kommen und Gehen in der Lobby des Hotels am Ruppiner See. Besucher sind aber bisher noch nicht dabei. "Die erste kleine Gruppe hat sich für 12 Uhr angemeldet", sagt Kenneth Hinze. Ab Mitte März war das Resort in der Zwangspause. Hotels durften zwar für Dienstreisende auch in der Zwischenzeit geöffnet haben. "Aber es hätte sich einfach nicht gelohnt. Wir haben 130 Zimmer. Wenn davon fünf bis zehn gebucht werden, rentiert sich das nicht." Ab dem 25. Mai wurden die Regeln dann gelockert. "Aber wir hatten etwas Vorlauf nötig. Die Buchungen mussten auch da sein", sagt Hinze. Und so wurde es der 10. Juni.
Lust auf Hotelbetrieb
"Jetzt sind wir gewappnet", versichert Kenneth Hinze. Dass das so ist, ist nicht zu übersehen. Die Dame am Empfang strahlt übers ganze Gesicht, aus der Küche ist ein leises Lachen zu hören, und auch Franziska Adam kommt jetzt regelrecht beschwingt die Treppe aus der oberen Etage hinunter. Es ist zu spüren: Die Mitarbeiter haben Lust auf den Neustart. Und nicht nur sie: "Wir haben in den vergangenen Wochen, vor allem seit dem 25. Mai, verstärkt gemerkt, dass Gäste bei uns angefragt haben", sagt Adam. Einige Stammgäste hätten sich sogar täglich im Resort gemeldet. Andere wiederum waren überrascht, dass dort tatsächlich jemand ans Telefon geht. "Es war aber immer jemand im Haus", so die Assistentin der Geschäftsführung.
Kontrollgänge fanden sowieso immer statt. Die Haustechniker drehten mal das Wasser an, die Grünflächen wurden gepflegt, die Post angenommen. "Wir haben in der Zeit auch viele Fremdfirmen beschäftigt", sagt Franziska Adam. Sonst müssen sich Handwerker im Hotel immer an gewisse Regeln halten. Dieses Mal konnten sie ungestört werkeln. Auf der Tagungsebene des Hauses wird derzeit ein neues Gestaltungskonzept umgesetzt. Dafür wurde der Boden herausgerissen. Die Wartung der Schwimmbecken wurde außerdem vorgezogen. Einiges musste zudem vor dem Neustart geklärt werden: "Eine Frage war, wo wir alle nötigen Materialien herbekommen", erklärt Franziska Adam. Einen Vorteil hatte das Hotel: Desinfektionsmittel war schon mal da. "Wir hatten im Februar welches geordert", sagt die Neuruppinerin. Damals hatte die Corona-Pandemie Italien, Spanien und Teile Süddeutschlands schon im Griff. "Wir wussten, dass sie auf uns zukommt." Als Hotelier sei man auf alles vorbereitet. Für eine Pandemie gelte das aber nicht, trotz der Desinfektionsmittel.
Umso besser ist das Hotel jetzt gewappnet: Die Hinweise auf die Abstandregelungen sind sehr dezent, aber sie sind da. Auf dem Boden kleben graue Balken mit Sprüchen wie "Urlaub bedeutet Abstand". Am Fahrstuhl heißt es "Genießt man zur Zeit am besten allein". Warnfarben gibt es nirgends. Sie würden auch nicht ins umgestaltete Foyer passen, das in Grau und Goldgelb gehalten ist. "Wir gehen davon aus, dass die Leute über die Abstandsregeln Bescheid wissen", sagt Kenneth Hinze. "Wir setzen auf ihr Verantwortungsbewusstsein." Das Gefüge zwischen der Urlaubsatmosphäre und dem sowieso schon hohen Hygienestandards müsse stimmen, setzt Franziska Adam nach. "Wir haben vorher schon oft desinfiziert. Das ändert sich für uns nicht."
Etwas anders geht es aber im Restaurant des Hotels zu. Büfetts sind noch nicht erlaubt. "Wir gehen aber davon aus, dass sich das bald ändert", sagt Franziska Adam. Bis dahin werden Gäste ihr Frühstück auf Etageren bekommen. In Sachen digitaler Fortschritt hat sich im Hotel auch einiges getan: Gäste buchen nun online eine Frühstückszeit und auch gleich das Frühstück. Die Küche ist vorbereitet, stellt alles zusammen. Gespeist wird wie immer im Restaurant, nur eben mit 1,50 Metern Abstand. "Die Kollegen im Haus sind seit zwei Wochen im Training und testen, ob alles umsetzbar ist", sagt Franziska Adam.
Auswirkung für die Therme
Für Besucher der Therme sind die Corona-Regelungen eine größere Einschränkung. Dampfbäder dürfen nicht geöffnet werden. Ab Sonnabend sind Saunagänge aber wieder erlaubt. Seit Mittwoch können Außenbecken genutzt werden, auch das große Schwebebecken. Der Seezugang ist ebenfalls geöffnet. "Pro Becken und auch in der Sauna gibt es eine Maximalzahl an Besuchern, die erlaubt ist", erklärt Franziska Adam. Dezente Aufkleber am Beckenrand und eine gesperrte mittlere Saunabank erinnern Gäste daran.
220 Betten gibt es im Resort Mark Brandenburg. Eine Belegungsbegrenzung wie in anderen Bundesländern hat Brandenburg nicht vorgegeben. Theoretisch könnte das Resort also komplett ausgebucht werden. Doch bis wieder ein wirklich guter Stand erreicht wird, wird es laut Franziska Adam noch etwas dauern. "Für September sieht es aber gut aus", sagt sie. Am Mittwoch wurden Gäste für insgesamt 35 Zimmer erwartet. Mitte März hatte das Hotel mit einer Komplettbelegung schließen müssen. "Und wir hatten tolle Vorbuchungen", erklärt Adam. Vier bis fünf Wochen werde es dauern, bis dieser Stand wieder erreicht ist. Doch es melden sich immer mehr Leute, die Urlaub im Resort machen wollen. Seit rund acht Wochen läuft die PR-Maschine auf Hochtouren. Bisher wurden oft drei Übernachtungen am Stück gebucht. Nun würden viele sich für fünf oder gar sieben entscheiden, sagt Kenneth Hinze.
"Letzte Woche war uns mit Blick auf das kommende Wochenende aber schon etwas mulmig zumute", sagt Franziska Adam. Nur eine Auslastung von 20 Prozent hat der Computer angezeigt. Mittlerweile hat sich die Zahl verdoppelt. Bei der Therme sehe die Situation entspannter aus: "Dort herrschte heute Morgen schon ordentlich Andrang", sagt Kenneth Hinze.
Ein älteres Ehepaar schiebt derweil seine Koffer durch die Lobby in Richtung Rezeption. "Darf ich Ihnen ein Glas Sekt anbieten", werden diese ersten Gäste nach der Zwangsschließung gefragt. Für sie kann der Urlaub beginnen – und das ohne Abstriche.

Infokasten


Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel. kürzel