„Mit ihm verschwindet ein Stückchen der Seele der Stadt“, sagt Ulrich Gaebler bedrückt über den Tod des Neuruppiner Verlegers Peter Pusch. Der 69-Jährige, mit dem Gaebler vor allem in den vergangenen 15 Jahren viel bei Geschichtsprojekten zu tun hatte, starb am Donnerstagvormittag in Neuruppin – der Stadt, die Pusch immer geliebt hatte.
Der Mann, der allein in den 25 Jahren, in denen er den Kreiskalender für Ostprignitz-Ruppin herausgegeben hat, mehr als 10.000 Seiten zur Geschichte der Fontanestadt redigiert, zusammengetragen und verfasst hat, wurde am 22. Juli 1951 in ebendieser Stadt geboren. Er war ein Einzelkind, das seine Großeltern verehrte, erinnert sich der Langener Jürgen Euen, der Pusch schon 20 Jahre lang als Kollegen in den Elektrophysikalischen Werken kannte, als die Wende kam.

Erzählungen der Großeltern weckten früh das Geschichtsinteresse

Bei der Großmutter, die in der Kränzliner Siedlung gewohnt hatte, verbrachte der junge Peter Pusch damals viel Zeit, wenn die Eltern arbeiten waren. „Sein Vater hatte bei der Märkischen Volksstimme gearbeitet, seine Mutter war beim Rat des Kreises“, erinnert sich Euen an die Geschichten, die Peter Pusch phasenweise aus seiner Jugend erzählt hat. Im heutigen Alten Gymnasium besuchte der spätere begeisterte Heimatforscher die Schule. Nachdem er sein Abitur abgelegt hatte, ging Peter Pusch nach Berlin, um zu studieren, kehrte aber später wieder in seine Heimatstadt zurück.

Aufruf zur Regionalgeschichte fiel bei ihm auf fruchtbaren Boden

Das Interesse für Heimatgeschichte war bei Peter Pusch schon früh geweckt worden. Da war etwa in den 1960er-Jahren seine Heimatkundelehrerin Ilse Schöpfel, die ihre Schüler für das Thema zu begeistern versuchte. Aber auch die Erzählungen seiner Großeltern trugen laut Euen ihren Teil dazu bei, dass Peter Pusch die Geschichten von damals festhalten wollte. Der ausschlaggebende Punkt kam aber in den 1980er-Jahren. Pusch war mittlerweile im EPW Abteilungsleiter im Kleinstfertigungs-Zentrum mit rund 200 Beschäftigten, als die SED-Kreisleitung beschlossen hatte, die Regionalgeschichte müsse gefördert werden, um Mitglieder für die Gesellschaft für Heimatgeschichte beim Kulturbund der DDR zu gewinnen, wie Pusch einmal berichtet hatte. Er packte die Gelegenheit beim Schopfe und traf bei den späteren Treffen der Freiwilligen nicht nur auf seine alte Lehrerin Ilse Schöpfel, sondern auch auf die damalige Museumsleiterin Lisa Riedel. Auch wenn aus der geplanten Zusammenarbeit nichts resultierte, war da schon der Weg geebnet, der Puschs spätere Karriere prägen sollte.
Als die Wende kam, nahm er sein Schicksal selbst in die Hand. Bereits im Februar 1990 meldete er sein eigenes Gewerbe an. Nach dem Vorbild der alten Kreiskalender, die er noch von seinen Großeltern kannte, wurde er aktiv, auch wenn er den Namen „Kreiskalender“ erst ab 1996 verwendete. Was anfangs ein Branchenverzeichnis mit Anzeigen und wenigen redaktionellen Beiträgen war, wurde schnell mehr. Immer umfangreicher wurden die Ausgaben, die Pusch erst nach 25 Jahren einstellte. Schon davor, aber auch danach brachte er die Ergebnisse seiner Recherchen zur Geschichte der Fontanestadt auch in Bücherform heraus.

Historischer Stammtisch geht auf die Initiative von Peter Pusch zurück

Diese Arbeit war es auch, bei der Peter Pusch auf viele seiner späteren Wegbegleiter stieß. „Er hat viel in den Archiven und im Museum gestöbert“, erinnert sich Peter Puschs Sohn Alexander. „Er hat Fotos gemacht, alles dokumentiert und in akribischer Feinarbeit aus Luftbildern selbst Karten erstellt.“ Und so trafen auch Ulrich Gaebler, Uli Bredow und viele weitere geschichtsinteressierte Neuruppiner auf Peter Pusch. Pusch brachte sie alle mit dem historischen Stammtisch, der inzwischen auf bis zu 20 Mitglieder angewachsen ist, zusammen.

Bei Heimatgeschichte brachte Pusch viele Menschen zusammen

Für Gaebler war es die Zusammenarbeit für das Neuruppiner Stadtjubiläum im Jahr 2006, bei der er Pusch kennenlernte. „Der Kreiskalender von ihm war ein riesiges Kompendium der Stadtgeschichte mit sehr vielen Facetten“, blickt Gaebler zurück. „Er verstand es, viele andere Menschen einzubeziehen. Er war ein begeisterter Neuruppiner, der die Stadt und ihre Menschen immer geliebt hat.“ Mit Puschs Tod verliere die Stadt daher einen wichtigen Kommunikator, ist Gaebler überzeugt. „Es ist furchtbar traurig, dass er so früh von uns gegangen ist. Er war ein großartiger Gesprächspartner, ein Berater und Kenner der Stadt.“
Uli Bredow pflegte vor allem in den letzten Jahren eine enge Freundschaft zu Peter Pusch. Erstmals aufeinandergetroffen waren sie bei einem Volkshochschulkurs zur Erstellung von Webseiten vor sieben Jahren. „Er war sehr eifrig, gutmütig, tolerant und bescheiden“, sagt Bredow. „Er wird mir sehr fehlen, und es ist auch ein großer Verlust für die Stadt. Er war der letzte Matador der Ruppiner Heimatgeschichte“, ist Bredow überzeugt.

Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde ist erschüttert

Auch Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde zeigte sich am Freitag erschüttert vom Tod Peter Puschs. Er habe erst kürzlich eng mit dem Verleger zusammengearbeitet, als dieser sein Buch zu 30 Jahren Deutsche Einheit erstellt hat. „Er war eine wichtige Person für Neuruppin“, sagte Golde. „Sein Tod ist ein großer Verlust für die Stadt.“ Der Bürgermeister betont das Engagement von Peter Pusch bezüglich der Heimatgeschichte, beim Aufbau des Museums und im Historischen Verein der Grafschaft Ruppin. „Peter Pusch hat die Kulturstadt Neuruppin in ihrer heutigen Form mitgeprägt.“

Auch allein hat Peter Pusch die Welt bereist

Doch Peter Pusch hatte seine Zeit nicht ausschließlich in die Heimatgeschichte gesteckt. „Er war auch gereist, hat die Staaten, Australien, China und Japan besucht“, erinnert sich sein Sohn. Zudem liebte er Katzen. „Wir hatten bis zu drei Stück auf dem Hof, weil ich als Kind früher mal welche haben wollte. Eine kam immer in sein Büro im Keller. Als sie vor ein paar Jahren gestorben ist, wollte er aber keine neue, weil der Verlust für ihn zu emotional gewesen ist.“ Neben Fernreisen war Peter Pusch auch einfach gern mit dem Fahrrad unterwegs.
Zusammen mit Jürgen Euen, der über all die Jahrzehnte immer Kontakt zu ihm hielt, machte er Mitte der 2000er-Jahre drei größere Fahrrad-Reisen: eine von Cuxhaven über Hamburg an der Elbe entlang, eine weitere von Baden-Baden bis nach Köln und schließlich eine Tour von Passau bis nach Wien. „Wir hatten uns zu viert auf einem Dampfer eingeschifft, der die Donau entlanggefahren ist. Nachts haben wir auf diesem geschlafen, tagsüber sind wir mit den Rädern nebenher gefahren“, berichtet Euen.

Seiner Enkelin wollte er sein aktuelles Buch widmen

Und genau ein Jahr vor seinem Todestag wurde Peter Pusch auch Opa. „Er hat sich sehr darüber gefreut“, sagt Euen. „Er wollte das Buch, an dem er noch gearbeitet hat, seiner Enkelin widmen. Sie hat ihn dazu animiert, noch einmal die Stadtgeschichte zu bearbeiten.“ Wenn solche Veröffentlichungen anstanden, habe sich sein Vater immer besonders reingekniet, erinnert sich Alexander Pusch. „Er wird uns sehr fehlen.“