Trockenheit: Rhin wird in zehn Tagen für Paddler gesperrt

Von Rheinsberg bis kurz vor Zippelsförde mit dem Paddelboot auf dem Rheinsberger Rhin unterwegs sein: Die Wasserstände in der Region lassen das nicht mehr lange zu. Die Trockenheit könnte bald sogar den Schiffsverkehr hinter Altfriesack behindern.
Robby KupferDass der Rheinsberger Rhin überhaupt so lange so viel Wasser führte, lag daran, dass es dort mehr geregnet hatte als etwa im Neuruppiner Raum. Doch inzwischen sind auch dort die Wasserspeicher im Einzugsgebiet weitgehend erschöpft. Das hat Auswirkungen am anderen Ende der Seenkette, die im Norden aus dem Rheinsberger Rhin mit Wasser versorgt wird. Schon vor rund zwei Wochen hatte Lettow die beiden südlichen Abflüsse des Ruppiner Sees drosseln lassen. Der in Wustrau versorgt die Region um Fehrbellin und das Luch mit Wasser. Ein zweiter Abfluss in Altfriesack hält die Pegel in der Wasserstraße in Richtung Oranienburg auf einem nutzbaren Niveau.
Stark gedrosselter Abfluss
Viel wird nicht mehr aus dem Ruppiner See abgelassen. „Wir haben nur sehr stark gedrosselt. Wenn wir komplett dichtmachen würden, würde das Wasser nicht mehr fließen und wir würden ein großes Fischsterben riskieren“, so Lettow. Um allein das zu bedienen, was die Landwirtschaft an Wasser abnehmen würde, müssten in Wustrau 2,5 Kubikmeter und in Altfriesack zwischen 3 und 3,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgelassen werden. Aktuell sind es aber nur noch 0,2 beziehungsweise 0,6 Kubikmeter pro Sekunde. Sobald der Nachfluss aus dem Rheinsberger Raum weniger wird, muss womöglich auch der Abfluss nachreguliert werden. Für die Wasserstraße nach Oranienburg sieht Lettow mittelfristig auch Konsequenzen. Denn wenn weniger Wasser aus dem Ruppiner See fließt, sinkt auch dort der Pegel. Fahrverbote werden dann zwar nicht ausgesprochen, aber Hinweise darauf, dass nur noch Schiffe mit einem bestimmten Tiefgang auf der Landeswasserstraße problemlos entlangfahren können.
Niederschläge brachten wenig
Die Situation ist angespannt, wie auch der Kreis mitteilt. Und das, obwohl es am vergangenen Wochenende teilweise beachtliche Niederschläge gegeben hatte. In manchen Bereichen von Ostprignitz-Ruppin kam fast ein Drittel der durchschnittlichen monatlichen Menge für Juli herunter. Durch das Regenwasser ist auch der Pegel im Ruppiner See kurzzeitig wieder um etwa drei bis vier Zentimeter angestiegen, sagt Lettow. „Wenn wir jetzt aber einfach wieder die Schleusen aufmachen, wäre das in zwei Tagen alles wieder weg.“ Die Niederschläge reichten aber nicht aus, um auch die Reserven in den Zuflüssen des Sees aufzufüllen. So verwundert es nicht, dass der Kreis am Dienstag an die Ostprignitz-Ruppiner Bevölkerung appellierte, sparsam mit Wasser umzugehen. Zugleich wies Sprecher Alexander von Uleniecki darauf hin, dass für das Entnehmen von Wasser aus schiffbaren Gewässern nach dem Erreichen des Mindestabflusses erhebliche Bußgelder verhängt werden können. Das Gesetz sieht dafür Höchststrafen bis zu 50 000 Euro vor.
Die Ruppiner Seenkette
Die Ruppiner Seenkette beginnt im Kalk- und dem Tornowsee und erstreckt sich über etwa 40 Kilometer nach Süden bis an den oberen Teil des Rhinluchs. Im Norden speist sie sich aus dem Rheinsberger Rhin.
Der Ruppiner See, der sich am südlichen Ende der Kette befindet, hat eine Länge von 14 Kilometer und gilt damit als längster See im Land Brandenburg. Das Wasser fließt aus dem See nach Südwesten in den Wustrauer Rhin und nach Südosten in den Bützsee ab.⇥red