Umweltschutz
: Hoffnung für den Vielitzsee

Die Rettung des Vielitzsees ist vom brandenburgischen Umweltministerium zu einem Pilotprojekt erkoren worden. Ein dichteres Netz an Messstellen soll eingerichtet werden.
Von
Brian Kehnscherper
Lindow
Jetzt in der App anhören

Belastet: Durch die hohe Nährstoffbelastung ist die Wasserqualität des Vielitzsees sehr schlecht. Das Land Brandenburg räumt der Sanierung des Gewässers große Bedeutung ein.

Robby Kupfer

Es geht nur langsam voran bei der Sanierung des phosphatbelasteten Vielitzsees. Vertreter der Lindower Stadtverordnetenversammlung haben sich jüngst mit Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI) zur Rettung des Gewässers getroffen, um sich über deren Bemühungen zu informieren. Immerhin: Das Anliegen scheint beim Land eine gewisse Priorität zu genießen. Wie Vielitz’ Bürgermeister Dieter Fischer am Montag im Lindower Amtsausschuss sagte, wurde die Sanierung des Sees vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK) zum Pilotprojekt ernannt. Wie genau sich das auf die Bestrebungen zur Sanierung des Sees auswirkt, ist unklar. Eine Anfrage dieser Zeitung ans MLUK blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Noch bis 2027 hat das Land Zeit, die Auflagen der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen. Demnach sollen Seen in den Mitgliedsstaaten bis 2027 in einen solchen Zustand gebracht werden, dass sie mindestens in die zweitbeste Kategorie „gut“ fallen. Der Vielitzsee wird jedoch in die fünfte und somit schlechteste Kategorie eingeordnet. Schon seit Jahrzehnten wird das Gewässer aufgrund der schlechten Sichttiefe überwacht. Da der See mit maximal vier Metern Tiefe sehr Flach ist, wirkt sich der Nährstoffeintrag schnell aus. Hinzu kommt, dass im Einzugsgebiet des Sees viele landwirtschaftliche Flächen liegen. Durch Düngung gelangen so große Mengen an Nährstoffen in das Gewässer. Die Landwirtschaft gilt als Hauptfaktor. Doch auch undichte Sickergruben umliegender Bungalowsiedlungen werden als Verursache mit angeführt. Fest steht, dass jährlich 125 Kilogramm mehr Phosphate in den See gelangen, als aus ihm abfließen können. Oberstes Ziel ist es daher, den Neueintrag zu verringern.

Boote als Teil des Problems

Dazu hat es bisher mehrere Treffen mit Vertretern des Landes und aus der Landwirtschaft gegeben. Konkrete Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die Mitglieder des Lindower Amtsausschusses versuchten daher am Montag zu ergründen, inwieweit Lindow die BI unterstützen kann. Große Hoffnungen ruhen auf den Trink- und Abwasserverband (TAV) Lindow-Gransee, der die Ferienhäuser im Umfeld des Sees ans Abwassernetz anschließen soll. Der Abgeordnete Hansjörg Schubach (CDU) möchte aber auch Freizeit-Bootskapitäne mehr in die Pflicht nehmen. Schubach ist sich sicher, dass viele Bootsführer die Abwassertanks ihrer Boote auf den Lindower Seen entleeren. Deshalb regte er Hinweisschilder auf den Gewässern an. Zudem sei zu überlegen, ob der Lindower Yachthafen dabei unterstützt werden könnte, eine gratis Fäkalienentsorgung für Boote anzubieten und nur Boote mit abgeschlossenen Abwassertanks zu vermieten, die nur im Hafen entleert werden können.

Eine Aufgabe für Jahrzehnte

SPD-Mann Rainer Hollin glaubt indes nicht, dass solche Schritte genügen, um den Vielitzsee zu sanieren. „Dazu ist das Einzugsgebiet einfach zu groß.“ Er hält es für zielführender, alte Pläne wieder aufzugreifen, den am Seegrund abgelagerten Schlamm auszubaggern. Derartige Ideen hatte es in der Vergangenheit bereits gegeben. Wie Dieter Fischer sagte, unterstützt das MLUK das Ausbaggern aber erst, wenn der Neueintrag mit Nährstoffen ausreichend reduziert ist. Dass das ein langwieriges Ansinnen ist, war am Montag allen Mitgliedern des Amtsausschusses klar. „Es ist wahrscheinlich ein Prozess, der über Jahrzehnte geht, aber irgendwann muss man anfangen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Gert Wegner.

Info-Kasten

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel