Verkehrssicherheit: Die Busschule war zu Gast in Fehrbellin

Mit Abstand und Mundschutz: Die zukünftigen Erstklässler aus Fehrbellin lernten in der Busschule, wie sie sicher mit dem Bus unterwegs sind. Busfahrer Thomas Soyck simulierte zur Freude der Knirpse sogar das Geräusch des Fahrkartenscanners.
Ulrike GawandeEin Film zur Einführung
Fasziniert lauschend sahen sich zu Beginn die Kinder, die in diesem Jahren wegen der Corona-Pandemie erstmals nur ein Elternteil oder einen anderen Begleiter mitbringen durften, in einem Klassenraum einen Film an. Sämtliche Fehler, die beim Busfahren gemacht werden können, wurden dabei auf spielerische Weise thematisiert. Gezeigt wurde aber auch, wie man es richtig macht. Das durften die zukünftigen Schulkinder dann auch direkt selbst bei einer ersten Busfahrt durch Fehrbellin ausprobieren. Die Eltern blieben derweil im Klassenraum sitzen und bekamen Tipps von Polizeihauptkommissar Volker Langmann.
„Viele wollen ihre Kinder beschützen, ihnen die Hand reichen. Doch die Kinder empfinden das anders. Sie denken, dass sie nichts allein können und nichts ohne die Eltern geht“, berichtete Volker Langmann. Er gab deshalb den Eltern den Tipp, ihren Kindern etwas zuzutrauen, sie machen zu lassen und ihnen vor allem zu vertrauen. Der Polizist hält auch nichts davon, die Kinder ständig mit dem Auto zur Schule zu bringen, sondern empfahl, sie zu Fuß, mit Bus oder Fahrrad gehen zu lassen. Das komme dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder entgegen und fördere zugleich den sozialen Austausch mit den Klassenkameraden, wenn der Schulweg gemeinsam zurückgelegt wird, so Langmann.
Bereits am Schultor begann indes die erste Lerneinheit für die Kleinen. Lehrerin Birgit Heise, die seit zehn Jahren die Busschule in Fehrbellin begleitet, erklärte den angehenden Schülern, dass sie sich je nach Wohnort aufstellen sollen. Dann kam der große Moment. „Jetzt gehen wir eine Runde Bus fahren“, lud Marcel Sahr von der ORP ein. Alle Kinder trugen wie vorgeschrieben einen Mund-Nasen-Schutz, stiegen einzeln in den Bus ein und taten so, als würden sie Busfahrer Thomas Soyck ihre Fahrkarte vorzeigen, was dieser lächelnd mit freundlichen Worten belohnte.
Insgesamt 28 der Fehrbelliner Erstklässler haben bisher eine Fahrkarte beim Landkreis beantragt, die im Schuljahr 2020/21 im Rahmen eines Modellprojektes unabhängig von der Entfernung vom Wohnort zur Schule kostenlos beantragt werden kann (wir berichteten). Das kostenlose Ticket sei ein super Angebot, sagte Kai Kirchhoff, Vater eines Einschülers aus Karwesee. Für seinen Sohn war die Busfahrt eine Premiere. „Zug ist er schon gefahren. Ich finde es richtig klasse, dass den Kindern gezeigt wird, wie sie korrekt Bus fahren. Denn Sicherheit geht vor.“ Die Busschule ist ein Kooperationsprojekt, welches der Landkreis seit Jahren gemeinsam mit der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft (ORP), der Unfallkasse Brandenburg, der Polizei und den Schulen für Einschüler anbietet.
Im Laufe der Jahre hätten sich die Kinder verändert, berichtet Birgit Heise. „Sie sind selbstbewusster, und sie denken, sie wissen alles.“ Deshalb ließen sie sich auch nur schwer belehren, so die erfahrene Pädagogin, die zum Ende des Schuljahres nach 45 Dienstjahren in den Ruhestand gehen wird. Erstaunt sei sie immer wieder, wie wenige der Einschüler bisher Bus gefahren seien. Auch Birgit Heise sieht, dass Eltern ihre Schützlinge zu sehr behüten. „Die Kinder fahren gern Bus.“ So erzählt sie von einem Schüler, dessen Mutter jeden Mittag mit dem Auto kam, wobei das Kind aber lediglich den Schulranzen ins Auto packte und selber in den Bus stieg.
Den angehenden Erstklässlern hat die Busschule Spaß gemacht. Nur bei einzelnen liefen noch die Tränchen, weil die Mama oder der Papa nicht mit einsteigen durfte. Aber spätestens als Marcel Sahr, der ebenfalls Busfahrer ist, Freiwillige suchte, die einmal testen wollen, dass man sich in den sich schließenden Bustüren nicht einklemmen kann, weil diese sich automatisch wieder öffnen, waren die Eltern vergessen.
Eindrucksvoller Bremstest
Besonderen Eindruck hinterließen bei den Kindern auch der Bremstest, bei dem ein Rucksack durch den gesamten Bus rutschte, und das Mitschleifen des Ranzens, der zu nahe an der Bordsteinkante stand. „Die Busschule war gut. Mir hat alles gefallen, und ich freue mich aufs Busfahren“, so das Fazit von Erstklässler Terence.