Visionen: Stelzenhäuser, Theaterpension – viele Ideen für Netzeband

Einen Blick riskiert: Die Mitglieder des Temnitzer Amtsausschusses trafen sich jüngst bei einem Vor-Ort-Termin in der Temnitzkirche in Netzeband. Bisher war der Förderverein Hauptmieter des Gebäudes, dessen Bewirtschaftung er nun übernehmen soll.
Ulrike GawandeDas berichtete Amtsdirektor Thomas Kresse bei einem Vor-Ort-Termin des Amtsausschusses. Bis dato war seine Verwaltung für die Vermarktung des restaurierten Gebäudes verantwortlich. Doch sieht Kresse das nicht als wesentliche Aufgabe seiner Mitarbeiter an. „Wir sehen hier mehr Potenzial, als wir abrufen können.“ Im Amt gebe es aber keine Marketingabteilung, so dass nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden können.
Mit Hilfe von Ehrenamtliche
Der Förderverein will diese Aufgaben zunächst mit Hilfe von Ehrenamtlichen stemmen. 100 Mitglieder hat die Gruppierung, deren stellvertretende Vorsitzende und Pressesprecherin Ute Schindler das Interesse des Fördervereins auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigt. "Wir wollen Kultur in der Region fördern, und da gehört auch die Kirche dazu.“ Aktuell werde ein Konzept erarbeitet, das dem Amt vorgelegt werden soll. Eigentümer des Gebäudes soll jedoch weiter die Gemeinde bleiben, die auf ihrer nächsten Gemeindevertretersitzung am 20. Januar über die Umstrukturierungspläne abstimmen wird. Bürgermeister Bernd Müller steht dem Betreiberwechsel aber überaus positiv gegenüber: „Wir wollen den Theatersommer.“
Mehr als Vermietung
Ute Schindler betont jedoch, dass es nicht nur um das reine Vermieten der Temnitzkirche gehe. „Wir wollen vor Ort sein und mit den Gästen ihre Wünsche besprechen. Außerdem muss die Kirche geheizt und sauber gemacht werden.“ Für die 2019 errichtete Toilettenanlage mit Duschen direkt neben der Kirche ist weiter das Amt zuständig. Zwei Vereinsmitglieder, die in Netzeband leben – Robert Vogel und Maren Marschmeier – sollen dabei die Rolle des Ansprechpartners vor Ort übernehmen. Werfe die Vermarktung Geld ab, könne über eine bezahlte Stelle nachgedacht werden, so Schindler, die darauf hinweist, dass der Verein bereits früher für die Temnitzkirche zuständig war, bevor diese Aufgabe das Amt übernehmen wollte. „Wir haben also Erfahrung.“
Lesungen und Termine für Kinder
So sollen neue Veranstaltungsformate wie Lesungen oder Angebote für Kinder zu den bereits vom Verein organisierten Konzerten, dem Feuerwehrball, dem Yoga-Festival und den zahlreichen Hochzeiten hinzukommen. „Ich baue gerade die Webseite um, damit Hochzeitspaare oder Vereine die Räumlichkeiten buchen können.“ Welcher Service angeboten werden soll, werde noch beraten, so Schindler. Auch eine Preisliste sei in Arbeit. Doch Amtsdirektor Kresse möchte weg von dem Anspruch, dass Kultur Geld bringen muss. Er will Verständnis für das Thema wecken. „Kultur wird vermutlich immer ein Zuschussgeschäft bleiben.“
Doch Kresses Ideen für Netzeband hören nicht bei der Temnitzkirche, die er schon als kleine Schwester der Neuruppiner Kulturkirche sieht, auf. Er möchte zudem das Gutshaus mit der vermutlich ältesten Treppe Brandenburgs, und in dem bereits in der ersten Etage ein Arbeitseinsatz stattfand, zu neuem Leben erwecken. Nicht nur der Förderverein oder der Theatersommer könnten es beispielsweise für Workshops nutzen, sondern auch eine Theaterpension sei vorstellbar. „Das ist ein großes Ziel“, weiß der Amtsdirektor, dem eine längere Nutzung als nur während des Theatersommers vorschwebt. Der Landkreis müsste einer Umnutzung zustimmen.
Einen Bebauungsplan benötigt, um die Ideen für den Gutspark umsetzen zu können, da sich dieser im sogenannten Außenbereich befindet. Dort kann sich Kresse kleine Stelzenhäuser, sogenannte Tiny Houses vorstellen, die ebenfalls der Förderverein über die Theatersaison hinaus vermieten könnte. Diese Möglichkeiten der touristischen Nutzung könnten die gesamte Region stärken.
Förderverein Temnitzkirche
Der Förderverein Temnitzkirche wurde 1993 gegründet und hat heute 100 Mitglieder.
Das erste Projekt war die Restaurierung der Dorfkirche in Netzeband und die Wiederbelebung des verwilderten Gutsparks.
1995 reifte die Idee zu einem Open-Air-Theaterfestival, das 1996 Premiere hatte.
Jährlich lockt der Theatersommer Netzeband die Besucher. 2019 waren es 4 500.
Die neue Saison startet am 15. Februar mit einem Stummfilmabend mit Akkordeonmusik von Felix Kroll.⇥ug