Volleyball: Feuerwerk der Emotionen
Die Brüder Genzmer durchliefen beide die Jugendmannschaften des SV Lindow-Gransee, schlugen in ihrer jungen Karriere auch schon für Potsdam oder Schöneiche auf. Seit dieser Saison aber ziehen sie das Trikot vom PSV Neustrelitz über. Kurios: Die Genzmers waren am Sonntag die einzigen Granseer auf dem Parkett, allerdings von ihrem Trainer kontra Gransee eingestellt – sozusagen ein Auswärtsspiel im eigenen Wohnzimmer.
Knapp vor der Sensation
Jesco Genzmer (18 Jahre) kommt im Durchschnitt auf eine Einsatzzeit von eineinhalb Sätzen, oft von Trainer Dirk Hess zum Aufschlag eingewechselt. Sein fünf Jahre älterer Bruder gilt als Defensivspezialist und ist als Libero Chef in der Neustrelitzer Feldabwehr. „Das war absolut geil“, was von beiden Mannschaften geboten wurde, fasste er die fast zwei Stunden Spielzeit zusammen. „Wir standen denkbar knapp vor der Sensation. Ich sah ein Spiel auf Augenhöhe, in dem Lindow das Momentum auf seiner Seite hatte.“
Für den PSV wäre ein Sieg in der Granseer Bastion das i-Tüpfelchen der jungen Saison gewesen. Ungeschlagen angereist, am Abend zuvor ein 3:0-Erfolg im Punktspiel gegen TSV Spandau. Die Voraussetzungen schienen optimal wegen der breiten Brust. Dazu ein Fanclub, dem die komplette Süd-Ost-Wand in der Halle gehörte und der einen Höllenlärm veranstaltete. Lindow-Gransee gilt ohnehin als die Spielstätte der 2. Liga, in der der höchste Schallpegel erreicht wird. Am Sonntag wurde das getoppt. Das lag zum einen am professionellen Moderator Markus Assemacher, zum anderen aber auch an den nimmermüden Frauen und Männern an den Pauken. Und natürlich am fachkundigen Publikum, das Zeuge einer einmaligen Achterbahnfahrt auf dem Parkett wurde.
War der ersten Satz heftig umkämpft, aber mit dem besseren Ende für den Gastgeber, so vernaschte dieser im zweiten Satz den Kontrahenten förmlich (acht Punkte Vorsprung). Dann jedoch drehte Neustrelitz auf und erwischte das Heimteam nicht nur auf dem falschen Fuß. Der PSV setzte einen Leberhaken nach dem anderen. Dass Lindow-Gransee nur 13 Punkte holte, grenzt an ein Wunder. Genzmer: „Da fanden wir den Mut und sahen, dass unser Potenzial absolut da ist, um solche Spiele zu ziehen.“ Dass Neustrelitz nah am Satzausgleich kratzte und nur um Haaresbreite den Tie-Break verpasste, lag für den Libero an einer einfachen Tatsache: „Lindow-Gransee war die erste gegnerische Mannschaft, die auf alle schwierigen Situationen eine gute Lösung fand.“ Zudem fällte das Schiri-Team im vierten Satz zwei umstrittene Entscheidungen pro Gastgeber. Das brachte Trainer Hess auf die Palme. Er erzürnte sich so sehr, dass er die Rote Karte sah. Kurz darauf wehrte sein Team den ersten Matchball des Gegners ab, den zweiten jedoch nicht mehr. Auch nach dem Abpfiff strafte Kapitän Sebastian Krause die Referees´mit deftigen Worten und Blicken. Jacob Genzmer beruhigte: „Aber letztlich war Lindow eben Nuancen besser als wir. Da steckt noch mehr Qualität drin.“
Hochbrisantes Derby
Der Granseer im PSV-Gewand weiter: „Ich ahnte im Juni schon, dass uns die Wege in dieser Saison noch zusammenführen.“ Neustrelitz hatte sich den Regionalpokal im Bereich Nord erspielt und dabei unter anderem Zweitligist SV Warnemünde hinter sich gelassen – Lindow-Gransee hatte den Cup im Nord-Ost-Bereich erobert, also die Landespokalsieger aus Berlin und Sachsen-Anhalt sowie den Cup-Verteidiger ausgeschaltet. Doch so ein hochbrisantes Duell um den Einzug ins Achtelfinale des DVV-Pokals gab es dann eher selten: Nur 50 Kilometer liegen Neustrelitz und Gransee auseinander. Das Siegerteam setzt nun zum zweiten Mal nach 2013 alles daran, einen Erstligisten auszuschalten und ins Viertelfinale einzuziehen. Bison Bühl ist derzeit Tabellenachter der 1. Bundesliga. Aufschlag ist am 2. November um 18 Uhr.
Das Qualifikationsspiel in der Statistik
Lindow-Gransee –PSV Neustrelitz⇥3:125:23, 25:17, 13:25, 27:25Länge der Sätze in Minuten: 30 / 25 / 21 / 30Zuschauer: 512davon etwa 160 aus NeustrelitzSchiedsrichter: Michael Stöer, Mihai DumitrescuVorm ersten Aufschlag: Die Drittliga-Spieler musste manuell ins Software-System eingepfegt werden. Toni Fleck musste sich sogar mit dem Personalausweis anmelden lassen. Co-Trainer Ricardo Galandi, auch Spieler, konnte keine Lizenz vorweisen.Rote Karte: Trainer Dirk Hess bekam im vierten Satz beim Stand von 20:21 wegen Monierens die Rote Karte gezeigt. Der Gegner bekam damit einen Punkt geschenkt.Lindow-Gransee: Marcin Kapusniak, Erci Stadie, Romulo Galiao, Felix Göbert, Piotr Adamowicz, Matti Binder, Martin Pomerenke (Robin Hafemann, Timo Schlag, Ole Schwarmann)PSV Neustrelitz: Ricardo Galandi, Cordian Daniluk, Sebastian Krause, Daniel Zastrau, Paul Sprung, Tom Orzelski, Jacob Genzmer (Jesco Genzmer, Ole Schröter, Toni Fleck)



