Bürgermeisterwahl: Ronny Hein will Bürgermeister von Neuruppin werden - Er hat große Pläne

Seit acht Jahren lebt der gebürtige Berliner Ronny Hein in Neuruppin – gemeinsam mit seiner zweiten Frau Yvonne Krause, der Inhaberin des Weinhauses. Der Diplomingenieur hat sich in die Stadt verliebt, sagt er. Doch sie könne noch besser werden.
Siegmar TrenklerFlucht über Ungarn
Dabei wurde er 1977 in einer deutlich größeren Stadt geboren: in Berlin. In Treptow-Köpenick ging er zur Schule. Die erste große einschneidende Erfahrung seines Lebens war der Sommer 1989. Seine Eltern, beide Elektro-Ingenieure, flüchteten mit ihren drei Kindern über Ungarn in den Westen. „Zum Glück wussten wir nichts davon. Wir hätten uns an der Grenze bestimmt verplappert“, meint Hein heute. Die Erfahrung schweißte die Familie sehr eng zusammen. Schließlich landete sie nach einem halbjährigen Aufenthalt in einem Auffanglager in West-Berlin, genauer in Spandau. Dort ging das Leben bald wieder in normalen Bahnen weiter, auch weil Ronnys Vater schnell eine Anstellung bei Siemens fand.
Für den Jungen folgte das Abitur, das er nach 13 Jahren Schulzeit 1996 ablegte. Es schlossen sich zehn Monate Wehrdienst an. „Die Themen Bau und Projektentwicklung haben mich schon früh interessiert“, sagt Ronny Hein. An der TU begann er Bau-Ingenieurswesen zu studieren und wechselte später auf die Beuth-Hochschule, wo er 2004 sein Diplom erwarb. Schon während der Studienzeit hatte er sich selbstständig gemacht. „Wir haben damals im Prenzlauer Berg viel saniert und auch Neubauten entwickelt“, berichtet der Bürgermeisterkandidat. „Die Studienzeit habe ich genossen. Berlin war auch damals wirklich meine Stadt“, sagt er.
Zeit des Nomadentums
Doch die Zeit um 2004 sei für den Bausektor insgesamt schwierig gewesen. „Daher bin ich in den Anlagenbau gewechselt. Und damit begann auch mein Nomadentum.“ Nach Dresden, Braunschweig oder Hannover und von London bis nach Katar reiste er den Aufträgen hinterher. "Ich hatte da noch keine großen familiären Bindungen“, erklärt er heute.
Vor allem aber die Umstände in Katar waren es, die ihn zum Nachdenken brachten. „Die Menschenrechtslage für die Arbeiter war bedrückend. Das hat mich menschlich geerdet. Viele, die dort schon jahrelang gearbeitet haben, waren total abgestumpft. Ich konnte damit aber schwer umgehen." Also ging es wieder nach Deutschland, wo er am letzten großen Steinkohle-Kraftwerk mitbaute.
Ankunft in Neuruppin
Der nächste Einschnitt kam, als Ronnys Vater ein Unternehmen für Generatorsysteme und Gleichrichter, das Herzstück von Windkraftanlagen, wie Ronny Hein sagt, in Neuruppin gründete und seiner Familie eröffnete, dass er daraus einen Familienbetrieb machen möchte. Auch Ronny kam nach Neuruppin, sah sich bei tristem Winterwetter am Bollwerk um, lief durch die Innenstadt und schloss sie trotz des widrigen Wetters ins Herz.
Die kleine Firma hatte es aber schwer, sich gegen Branchenriesen zu wehren, während 2013 auf dem Markt eine große Konsolidierungswelle einsetzte, berichtet Ronny Hein. Das Unternehmen wurde 2018 weitgehend abgewickelt und läuft jetzt in Minimalbesetzung, so der 43-Jährige. Er stieg im selben Jahr beim Ingenieurbüro Arlt mit ein, das gerade von der BPM-Gruppe übernommen worden war. Inzwischen ist Hein sowohl in dem Neuruppiner Unternehmen als auch in der ebenfalls zu BPM zählenden Berliner KPI-Planungsgesellschaft Geschäftsführer. Und nun sieht er seiner nächsten Herausforderung entgegen: Bürgermeister zu werden.
Zuzug als Zukunftssicherung
Ändern möchte er einiges, wobei es ihm wichtig ist klarzustellen, dass Neuruppin neben Potsdam die wohl schönste Stadt Brandenburgs sei – mit allem, was man braucht. Doch weil er in einer Patchwork-Familie lebt, von seiner ersten Frau inzwischen geschieden, dafür seit vier Jahren glücklich neu verheiratet, bekomme er vieles mit, das verbessert werden könne. Auch von den Gästen des Weinhauses seiner Frau Yvonne Krause gebe es kontinuierlich Feedback zu dem, was verbessert werden könnte. Und das möchte Ronny Hein jetzt anpacken.
Vor allem möchte er dafür sorgen, dass mehr Familien in die Stadt ziehen. Denn ohne Nachwuchs brechen in einer Kettenreaktion etwa in Fußballvereinen ganze Altersklassen weg, was das Freizeitangebot aller langfristig einschränkt. Auch müsse es Anlaufpunkte für Jugendliche gegeben. „Wir müssen den Kindern außerdem nach dem Schulabschluss die Möglichkeit geben, sich hier orientieren zu können.“ Das würde Hein gern lösen, indem das Oberstufenzentrum des Kreises ausgebaut oder eine Fachhochschule hier angesiedelt wird.
Freies W-Lan wäre ein weiterer Punkt, um als Region attraktiv zu bleiben, ebenso wie der Ausbau von Campingplätzen. Bei Veranstaltungen auf dem Schulplatz würde Hein dafür sorgen, dass kein Eintritt mehr erhoben wird. Darüber hinaus möchte er den Schulplatz beleben, den Stadtpark verschönern, Radstrecken in der Innenstadt ausbauen und den Nahverkehr stärken.
Im Museumshof hat Ronny Hein für die Zeit bis zur Wahl ein Büro eingerichtet, wo er freitags von 15 bis 16 Uhr für alle Interessierten zu sprechen ist.