Waldbrand bei Lindow
: Feuer bedroht Siedlung – Warnung für Anwohner

UPDATE 11.15 Uhr: Mit einem Großaufgebot ist die Feuerwehr bei Lindow im Einsatz. Zwischen Wulkow und Schönberg brannte stundenlang ein großes Waldstück. Der Schaden ist enorm. Anwohner werden gewarnt.
Von
Jürgen Liebezeit,
Christian Guttmann
Lindow
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Meterhohe Flammen im Forst. Mehr als Hundert Einsatzkräfte bekämpfen einen Waldbrand bei Lindow. Aus Sicherheitsgründen mussten sich Feuerwehrleute wegen der enormen Hitze zeitweise zurückziehen.

Meterhohe Flammen im Forst. Mehr als Hundert Einsatzkräfte bekämpfen einen Waldbrand bei Lindow. Aus Sicherheitsgründen mussten sich Feuerwehrleute wegen der enormen Hitze zeitweise zurückziehen.

Christian Guttmann
  • Waldbrand bei Lindow: 1,7 Hektar brannten, mehr als 100 Feuerwehrleute im Einsatz.
  • Flammen bis 12 Meter hoch, große Hitze schmolz Ausrüstung, Drohne überwachte Brand.
  • 500 Kubikmeter Holz verbrannt, Verdacht auf Brandstiftung, Polizei ermittelt.
  • Pendelverkehr für Löschwasser, Glutnester am Sonntag erneut gelöscht.
  • Waldbrandgefahrenstufe 4, Autofahrer ignorierten Sperrungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Über eine Warn-App werden Bewohner im Amt Lindow, Neuruppin, Wulkow und Alt Ruppin am Sonntagvormittag (22. Juni) vor Geruchsbelästigung durch Rauch- und Brandgase gewarnt. Eine Gesundheitsgefahr bestehe aber nicht.

Grund für die Warnung ist ein großer Waldbrand, der am Samstagnachmittag (21. Juni) zwischen Schönberg und Wulkow ausbrach. Auch am Sonntag beschäftigt das Feuer noch 54 Einsatzkräfte vor Ort.

Ein ausgedehnter Waldbrand auf einer Fläche von rund 1,7 Hektar hat am Sonnabend, 21. Juni, zahlreiche Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis Ostprignitz-Ruppin (OPR) in Atem gehalten. Gegen 16.20 Uhr wurde das Feuer in einem Waldstück zwischen Lindow und Wulkow gemeldet. In der Nähe befindet sich eine große Waldsiedlung. Insgesamt waren fast 150 Feuerwehrleute bei brütender Hitze von über 30 Grad im Einsatz, um die Flammen unter Kontrolle zu bringen.

Flammen im Wald bei Lindow schlagen bis zu 12 Meter hoch

Besonders kritisch war die Lage in einem Gebiet nahe einer Waldsiedlung, direkt zwischen Landstraße und Wald. Dort schlugen die Flammen laut Augenzeugen bis zu 12 Meter hoch – teils bis in die Baumkronen. Die enorme Hitze zwang Einsatzkräfte dazu, Teile der Ausrüstung wie Schlauchrollen, Schläuche und Strahlrohre zurückzulassen. Auch ein Einsatzfahrzeug (TLF) der Feuerwehr Herzberg wurde am Kühler leicht beschädigt.

Kilometerweit war der Rauch über der Landstelle zwischen Wulkow und Schönberg bei Lindow zu sehen.

Kilometerweit war der Rauch über der Landstelle zwischen Wulkow und Schönberg bei Lindow zu sehen.

Christian Guttmann

Die Temperaturen an der Einsatzstelle waren so extrem, dass Teile der Feuerwehrausrüstung regelrecht geschmolzen sind, berichteten Einsatzkräfte. In dieser Phase mussten sich mehrere Trupps zurückziehen, um sich selbst nicht zu gefährden.

„Die Siedlung selber war aber nicht in Gefahr“, sagte Christian Raschke, Erster Polizeihauptkommissar vom Lagedienst der Polizeiinspektion in Neuruppin, am Sonntag. „Der Wind kam günstig und wehte in die gegenüberliegende Richtung“, so der Lagedienstführer. Angst hatten die Bewohner der Siedlung trotzdem.

Die Feuerwehr beklagt zwar Materialschäden in noch unbekannter Höhe. „Personen wurden zum Glück nicht verletzt“, berichtet Einsatzleiter Enrico Herwy, Wehrführer im Amt Lindow.

Förster spricht von großem Sachschaden

Nach Angaben des zuständigen Försters Pierre Gultz sind bei dem Brand rund 500 Kubikmeter gelagerter Holzpolter verbrannt. „Das stellt einen erheblichen Sachschaden dar“, so der Förster. Das Feuer hatte sich schnell über das trockene Material ausgebreitet und große Mengen Nutzholz vernichtet.

Der Großbrand wurde mit einer Drohne auch aus der Luft überwacht.

Der Großbrand wurde mit einer Drohne auch aus der Luft überwacht.

Christian Guttmann

Die Polizeiinspektion Neuruppin schickte Kriminalpolizei und Kriminaldauerdienst an den Brandort. Auch der Dienstgruppenleiter der Polizeidirektion Nord war vor Ort. Laut Polizeisprecher Matthias Ludloff besteht der Verdacht auf Brandstiftung. Neben der Polizei waren Kreisbrandmeister Olaf Lehmann sowie Vertreter der Forstbehörde an der Einsatzstelle.

Großer Aufwand für Löschwasserversorgung im Wald

Die Feuerwehren richteten einen Pendelverkehr mit Tanklöschfahrzeugen ein, die ununterbrochen Wasser an die Einsatzstelle transportierten. Unterstützt wurden die Kräfte von Freiwilligen und Anwohnern, die Getränke und Verpflegung brachten. Am Abend galt der Brand gegen 21 Uhr als weitgehend unter Kontrolle. Entwarnung gab es aber noch nicht.

Um einem Wiederaufflammen vorzubeugen, installierte die Feuerwehr am Abend einen großen Kreisregner, der den Boden im betroffenen Waldstück dauerhaft befeuchtet. Die Maßnahme soll die Glutnester tief im Waldboden eindämmen. Das hat nur teilweise funktioniert. Am Sonntag mussten mehrere Feuerwehren wieder anrücken, um weitere Glutnester zu löschen.

Einsatzleiter Enrico Herwy geht davon aus, dass die Feuerwehr frühestens am Sonntagnachmittag die Einsatzstelle an die Forstbehörde übergeben kann. Die letzten Glutnester sollen mit einer Anlage zur Dauerberegnung gelöscht werden. „Das ist nicht so personalintensiv, denn wir sind alle erschöpft“, berichtet Herwy.

Für Unmut sorgten mehrere Autofahrer, die trotz Waldbrandgefahrenstufe 4 in das Waldgebiet einfuhren. Einsatzkräfte mussten sie wiederholt auffordern, den Gefahrenbereich zu verlassen.

Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an.

Appell an die Bevölkerung: Vorsicht im Wald lebenswichtig

Angesichts der hohen Temperaturen und der bestehenden Waldbrandgefahr appellieren die Behörden an die Bevölkerung: „Kein offenes Feuer, kein Rauchen im Wald“, betont Revierfürster Pierre Gultz. Bei Rauchbildung oder verdächtigen Beobachtungen sollte sofort die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 informiert werden. „Bei einem Waldbrand entscheiden die ersten Minuten. Je früher die Feuerwehr da ist, umso höher ist die Chance, dass das Feuer kein Ausmaß annimmt.“