Wasserqualität
: Getrübtes Badevergnügen

Die Wasserqualität des Gudelacksees hat sich seit 2005 kontinuierlich verschlechtert. Auch andere Gewässer der Ruppiner Seenplatte sind betroffen.
Von
Brian Kehnscherper
Lindow
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Trügerisches Idyll: Die Qualität des Teetzensee hat sich nach Einschätzung des Landesumweltamts leicht verbessert. Die meisten Gewässer des Ruppiner Seenlands weisen aber eine mäßige bis unbefriedigende Qualität auf.

Brian Kehnscherper

Das LfU hat von 2005 bis 2019 viermal die Nährstoffgehalte im Gudelacksee, Zermützelsee, Teetzensee und Ruppiner See gemessen, die Auswirkungen auf die Sichttiefe und Algenblüten überprüft. Oberflächlich betrachtet sind all diese Gewässer, die miteinander verbunden sind, ähnlich trüb. Den Daten des LfU zufolge unterscheidet sich die Qualität jedoch. Demnach hatte der Gudelacksee 2005 noch eine Sichttiefe von maximal 5,5 Metern und 3,2 Metern im Durchschnitt. 2008 konnten nur 1,85 Meter gemessen werden und  2016 erreichte er sogar nur 1,6 Meter. „Für den guten ökologischen Zustand sollten im Gudelacksee mindestens 2,5 Meter Sichttiefe gemessen werden“, teilte der Sprecher des Umweltamts, Thomas Frey mit.

Nur mäßiger Zustand

Die Algenbesiedlung im Gudelacksee sei relativ vielfältig, was grundsätzlich positiv zu bewerten sei. „Im Spätsommer nimmt die Blaualgenmenge jedoch deutlich zu und die Sichttiefen nehmen ab“, so Frey. Im Zeitraum der Untersuchungen sanken die Phosphorgehalte, die Stickstoffverfügbarkeit stieg im Gudelack jedoch etwas an, was die Algenentwicklung im Sommer fördert.

Nach dem Bewertungsmaßstab der EU-Wasserrahmenrichtlinie befindet sich der See laut Frey in einem „mäßigen ökologischen Zustand“. Die Qualität des Zermützelsees sei noch schlechter. Besagte Richtlinie sieht vor, dass alle Seen in den Mitgliedsstaaten bis 2027 mindestens in den Zustand gebracht werden müssen, dass sie in die zweitbeste Kategorie „gut“ fallen.

Unterschiedliche Qualität

Die anderen Gewässer der Seenplatte weisen laut Frey Schwankungen auf – bis auf den Ruppiner See, der recht stabile Werte hat, und dem Molchowsee, der in besagtem Zeitraum nicht untersucht worden ist. „Bei keinem See ist ein auffälliger Trend zu erkennen“, so Frey. Beim Teetzensee sei eventuell sogar eine leichte Verbesserung bei Sichttiefen und Phosphorgehalt zu erkennen. Dieser zeigt eine Tendenz zum guten ökologischen Zustand, während sich Ruppiner- und Zermützelsee wahrscheinlich in unbefriedigendem  Zustand  befinden werden.

Obwohl die Gewässer der Ruppiner Seenplatte alle zusammenhängen, unterscheidet sich ihre Qualität. Inwieweit der schlechte Zustand des Gudelacksees sich etwa auf den Zermützelsee auswirkt, kommt laut Frey auf die Menge des zufließenden Wassers und dessen Qualität an. „Die Wasserqualität des Zermützelsees wird neben dem Wasser des Lindower Rhins auch vom Rheinsberger Rhin, in den sich der Lindower Rhin einmischt, vom Zufluss aus dem qualitativ schlechteren Tornowsee und von seinem eigenen Umfeld beeinflusst“, so Frey. Der Gudelacksee sollte nach seiner Einschätzung einen geringen und dann auch eher positiven Einfluss haben, da dessen Wasserqualität besser als die des Zermützelsees ist.

Frey weist darauf hin, dass die vorliegende Einschätzung nur vorläufig sei, da die biologischen Komponenten bei den vier Messungen nicht betrachtet worden sind: „Das LfU führt momentan die aktuelle Zustandsbewertung für die brandenburgischen Seen durch, sodass zu den sogenannten biologischen Qualitätskomponenten, mit denen die Seen bewertet werden, derzeit noch keine Endergebnisse vorliegen.“

Viele Faktoren

Die Ursachen der hohen Algenbiomassen in den Seen und der damit verbundenen geringen Sichttiefen liegen laut LfU in der Nährstoffbelastung des Wassers. Mögliche Quellen sind beispielsweise angrenzende Siedlungen mit eventuell undichten Abwassergruben oder ohne geregelte Abwasserentsorgung, abfließendes Regenwasser von Straßen oder die Auswaschung von Nährstoffen von landwirtschaftliche Flächen über das Grundwasser. „Auch das Gewässersediment gibt Nährstoffe, die sich in den letzten Jahrzehnten abgelagert haben, unter bestimmten Bedingungen wieder frei“, so der Sprecher.

Die genaue Herkunft der Nährstoffe lasse sich ermitteln, wenn man für jeden See und sein Einzugsgebiet eine Nährstoffbilanz erstellt – ein aufwändiges Verfahren, das derzeit an einigen wenigen Seen in Brandenburg im Rahmen von Pilotprojekten erprobt wird. Einer davon ist der Vielitzsee, der mit dem Gudelacksee verbunden ist. Aufgrund der sehr schlechten Wasserqualität hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die das Gewässer retten möchte und vom Umweltamt unterstützt wird (wir berichteten). Der hohe Nährstoffgehalt im Vielitzsee könne ein Faktor sein, der auch die Sichttiefen im Gudelacksee beeinträchtigt.

Land erstellt Programm

Doch wie lässt sich die Qualität in den Ruppiner Gewässern verbessern? Laut Frey gibt es aufgrund der verschiedenen möglichen Faktoren grundsätzlich eine Vielzahl von Maßnahmen, mit denen negative Einflüsse reduzieren oder vermieden werden können. Dazu gehören Gewässer-Randstreifen, die Verringerung der Düngung bestimmter Flächen, die Überprüfung von Kanälen und Abwassersammelgruben oder die Behandlung von Niederschlagswasser vor der Einleitung in ein Gewässer. Das Land Brandenburg erstelle derzeit ein von der Wasserrahmenrichtlinie gefordertes Maßnahmenprogramm für das Jahr 2021. Darin werden Schritte für alle Gewässer zusammengestellt, die den guten Zustand nicht erreichen.

Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt

Der Nährstoffgehalt in Seen wirkt sich stark auf die dortige Flora und Fauna aus. Die Pflanzenwelt in den Ruppiner Gewässern hat sich laut dem brandenburgischen Landesumweltamt (LfU) bereits durch erhöhte Nährstoff­einträge verändert.

Zur Fauna liegen keine repräsentativen Untersuchungen vor. Das LfU hält es jedoch für sehr wahrscheinlich, dass sich auch die Besiedlung mit Fischen und anderen Tieren des Gewässerbodens dem erhöhten Nährstofflevel angepasst hat. Das heißt weniger sensible Arten und  ein entsprechend verändertes Artengefüge sind zu erwarten.

Mit zunehmendem Nährstoffgehalt in einem See steigen die Algenbiomassen weiter an, die Sichttiefen nehmen ab, es kommt zu überwiegenden Dominanzen von Blaualgen. Höhere Wasserpflanzen, wie etwa Laichkräuter, verschwinden. Der betroffene See verändert seinen Sauerstoffhaushalt bis zur Sauerstofffreiheit in den unteren Wasserschichten, was besonders negativ für die Fischfauna ist.⇥bk