Wasserwacht
: Personalmangel bei den Rettern auf dem Wasser

Die Ehrenamtlichen der Wasserwacht in Ostprignitz-Ruppin wünschen sich mehr Unterstützer.
Von
Ulrike Gawande
Ostprignitz-Ruppin
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Sebastian Steinecke (2.v.r.) besucht in Neuruppin die Wasserwacht.

Ulrike Gawande

Vor allem wollte man aber miteinander ins Gespräch kommen. Die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen vom Kreisverband Ostprignitz-Ruppin des Deutschen Roten Kreuzes, der Träger der Wasserwacht im Landkreis ist, nutzten die Gelegenheit, ihre Sorgen und Nöte an den Mann zu bringen. In erster Linie kämpft die Wasserwacht mit Personalmangel. Gerade auf einmal 20 bis 25 ausgebildete Wasserretter, die auch die Einsätze mit den fünf Booten fahren dürfen, kann Wasserwacht-Kreisleiter Michael Zander bauen. Das sei für ein wasserreiches Gebiet wie das hiesige nicht viel, bestätigt Sebastian Steineke. Das Hauptproblem seien die Jugendlichen ab 16 Jahren, die sobald sie einsatzfähig und rettungstechnisch fertig ausgebildet sind, die Region verlassen, weil sie dort keinen Ausbildungs- oder Studienplatz bekommen. „Dann sind sie für uns nicht mehr greifbar“, bedauert Michael Zander.

Ehrenamtliche gesucht

Doppelt soviel Ehrenamtliche wären nötig, ist man sich in der Runde einig. Denn zusätzlich zur Wasserrettung, sichert die Wasserwacht an einigen Wochenenden die Bäder in Rheinsberg, Alt Ruppin, Kyritz sowie das öffentliche Schwimmen donnerstags in Lindow ab. In Wusterhausen musste dieses Engagement wegen Personalmangel bereits beendet werden. Die Wasserwacht hat aber auch finanzielle Sorgen, denn alleine die Schutzausrüstung kostet pro Person rund 700 Euro und auch Lehrgänge für die Ausbildung zum Wasserretter sowie das Ablegen des Rettungsbootführerscheins schlagen mit mehreren  hundert Euro zu Buche. „Viele verbinden mit Ehrenamt, das es kostenlos ist“, erklärt Thomas Bruns, Präsident des DRK-OPR. „Wir wollen mit der Wasserrettung kein Geld verdienen, aber den Ehrenamtlichen eine gute Ausrüstung geben.“ Dazu gehören seiner Meinung nach eine vernünftige Technik, Boote, Kleidung und Verpflegung während des Ehrenamtes, da auch Veranstaltungen wie das Langstreckenschwimmen oder das Drachenbootrennen von der Wasserwacht veranstaltet oder begleitet werden.

Auch an der Technik hapert es: So kam der Motor des Bootes „Wasserwacht 04“, sonst in Alt Ruppin stationiert, nicht aus der Wartung zu Jahresbeginn zurück. "Ein wirtschaftlicher Totalschaden“, bedauert Zander. 8 000 Euro werden für einen neuen Motor fällig. Geld, das die Wasserwacht nicht hat. Steineke regt an, Geld von der Stiftung Soziales Ruppin dafür zu beantragen.

Zwei Boote jedoch kämen gar nicht zum Einsatz, berichtet Kevin Seddin, Leiter der Schnelleinsatzgruppe Wassergefahren. 2018 und 2019 schaffte der Landkreis für jeweils über 80 000 Euro zwei Mehrzweckboote für den Katastrophenschutz an. 70 Prozent der Kosten wurden mit Fördermitteln finanziert. Doch Wasser bekamen die Boote, die wegen fehlender Unterstellmöglichkeiten in Neuruppin im Feuerwehrtechnischen Zentrum in Kyritz stehen, bisher nur zur Abnahme zu sehen. Das ärgert die Männer der Wasserwacht, die die Boote mit je zwei 90-PS-Motoren und einer Bugklappe zur besseren Bergung von Verunglückten zwar fahren sollen, aber nicht auf ihnen trainieren können. Sie wünschen sich einen dauerhaften Liegeplatz im Wasser für eines der Boote in Neuruppin, um eine adäquate Ausbildung anbieten zu können.

Zum Einsatz kommen sollen die Boote, so Landkreissprecher Alexander von Uleniecki, zur Rettung von Personen bei Hochwasser, zur Evakuierung von havarierten Booten oder Sachwerten sowie zum Transport von Einsatzkräften. Auch überörtlich. „Für den alltäglichen Einsatz der Wasserrettung sind kleinere Boote in Neuruppin bei der Feuerwehr vorhanden.“ Zum Einsatzort sollen die Boote auf Trailern per Lastwagen transportiert werden.