Wasserwirtschaft: Der Herr über 1800 Binnengräben und 600 Vorfluter
Für Tobias Frese ist die Region keine unbekannte. Der 39–Jährige, der in Neubrandenburg Landschaftsplanung studiert und danach in Berlin gearbeitet hat, kommt aus Neuruppin. Seit Dezember arbeitet Frese nun beim Gewässerunterhaltungsverband. Es sei für ihn eine Lebensaufgabe, die Landschaft in der Region mitgestalten zu können. Besonders gefällt ihm, dass er in seinem Arbeitsalltag die Tätigkeiten im Büro sowie die an und auf dem Wasser kombinieren kann. „Ich fahre gerne raus.“ Denn nur so würde er die Gegend besser kennenlernen. „Mein Vorgänger kennt jeden Graben“, berichtet Frese anerkennend von dem Grabenkataster, das Holger Lettow angelegt hat. Zum Zuständigkeitsbereich des Verbandes, der von Wittstock bis Großmutz und von Lögow über die Temnitz bis zur Schleuse Altfriesack reicht, gehören 600 Vorfluter und 1800 Binnengräben. Der 39–jährige Landschaftsplaner, der seine Diplomarbeit über die historische Nutzung von Gewässern geschrieben hat, hat sich vorgenommen, nach einem Jahr wenigstens schon alle Vorfluter zu kennen.
Arbeiten in Walsleben
Das größte Projekt des Gewässerunterhaltungsverbandes ist aktuell der Umbau der Temnitz im Bereich der Mühle in Walsleben. Konkret soll ein Umfluter inklusive einer Fischtreppe am Wehr gebaut werden, damit die Temnitz künftig durchgängig nutzbar ist. Doch es gab unerwartete Probleme, berichtet Tobias Frese. Bei Bodenproben habe sich herausgestellt, dass der Untergrund torfig und somit schwammig ist. Um die Arbeiten wie vorgesehen erledigen zu können, sind jetzt allerdings noch umfangreiche Bodenarbeiten nötig. „Wir hinken im Zeitplan hinterher. Eigentlich sollten die Arbeiten 2020 umgesetzt werden. Das wird sich verzögern“, so der Geschäftsführer. Zurzeit stehe man im Kontakt mit der Investitionsbank des Landes (ILB), die Arbeiten sind kurz vor der Ausschreibung und die entsprechenden Förderanträge wurden gestellt. Aktuell liegt die Kostenschätzung für das Projekt bei 500 000 Euro.
Mit der technischen Aufrüstung der Schleusen in Alt Ruppin und Altfriesack stehen weitere große Projekte an. „Die Stellantriebe der Schleusentore müssen ausgetauscht werden“, erklärt Tobias Frese die Vorhaben, die jeweils rund 300 000 Euro kosten werden. Ursprünglich sollte bereits in diesem Jahr begonnen werden. Das Land hat die Arbeiten in Alt Ruppin aber auf das Jahr 2021 und in Altfriesack gleich um ein paar Jahre aufgeschoben, berichtet der Fachmann. In Alt Ruppin sollen zudem noch ein Anlegesteg gebaut werden, Dalben erneuert und die Außenanlage gepflastert werden.
Ein anderes Problem, um das sich Tobias Frese mit seinen knapp 20 Mitarbeitern kümmern muss, sind die zunehmenden Zerstörungen der Deichbauten und Ufer durch Bisamratten und Nutrias. „Wir beobachten immer häufiger Nutrias“, so Frese. Aufgrund einer neuen Verordnung benötige ein Bisamfänger jetzt einen Jagdschein. Diesen habe einer seiner Mitarbeiter nun abgelegt, berichtet der Verbands–Geschäftsführer. „Doch bis dahin konnten wir ein dreiviertel Jahr nichts machen, außer die vermehrten Schäden zu dokumentieren“, ärgert sich Tobias Frese.
Als Beispiel nennt er einen nicht schiffbaren Graben am Großen Landwehr bei Paalzow. Dort gebe es eine Stelle am Übergang zur Temnitz, an der die Böschung wegen der Schäden nicht mehr zu sehen und mehrere Bäume umgestürzt seien. „Die Tiere fressen auf den landwirtschaftlichen Flächen und unterhöhlen die Uferböschung“, so Frese. Seine Mitarbeiter müssen jetzt die Gräben wiederherstellen.
Alle Interessen vertreten
Beim Rhinwasser–Management muss Tobias Frese darauf achten, dass er alle Interessen von Landwirten, Naturschützern, Forstwirten, Touristikern und der Fischzucht möglichst unter einen Hut bringt. „Das geht nicht immer“, gibt er zu. Zwar versuche er das Wasser aus dem Rheinsberger See möglichst lange zu halten, aber es auch bei Bedarf sinnvoll abzugeben. "Ich muss eine Ausgewogenheit hinbekommen“, erklärt er. An erster Stelle stehe die Gewährleistung der Schiffbarkeit auf den Wasserstraßen und erst dann folge die Luchbewässerung. Positiv sei, dass zuletzt Regen gefallen und es derzeit nicht so heiß ist, das viel Wasser wieder verdunstet. „Da spielt uns das Wetter in die Karten und zum Glück haben sich die Wasserstände stabilisiert.“ Wenn auch auf sehr niedrigem Niveau.

