Die Zukunft des Tourismus in Lindow liegt in den Bereichen,Entschleunigung, Natur, Sport- und Erlebnisurlaub sowie Gesundheit. Diese Felder boomen. Und Lindow hat die Voraussetzungen, genau diese Themen zu besetzen. Zu diesem Ergebnis kommt das neue Tourismuskonzept, das am späten Donnerstagnachmittag präsentiert wurde.

315 Arbeitsplätze

Mit Hilfe von Anette Seidel vom Beratungsbüro „Leo-Impact Consulting“ hat Lindows Tourismusmanagerin Stephanie Schaefer das Strategiepapier entworfen, dass das Vorgehen bis 2030 vorgibt. Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Drei-Seen-Stadt. Allein die Beherbergungsbetriebe ab zehn Betten – Herbergen mit weniger Betten werden statistisch nicht erfasst – verzeichnen durchschnittlich rund 100.000 Übernachtungen im Jahr. Seidel räumt aber ein, dass ein Großteil der Gästezahlen auf die beiden Suchtkliniken sowie die Sportschule zurückzuführen seien. Dennoch macht der Tourismus mit einem Gesamt-Bruttoeinkommen von 26,5 Millionen Euro elf Prozent des Volkseinkommens in Lindow aus. 315 Arbeitsplätze hängen direkt oder mittelbar am Gastgewerbe. Und rund 592.000 Euro pro Jahr fließen durch Kurtaxe und Gewerbesteuereinnahmen aus den Bereichen Tourismus und Gastronomie in den kommunalen Haushalt.

Kulinarisch eindimensional

Seidel ist sicher, dass deutlich mehr möglich ist. In ihrer Analyse hat sie zahlreiche Schwachpunkte ausfindig gemacht. So ist der Beherbergungsmarkt von vielen kleinen Betrieben geprägt. Im mittleren Segment gebe es keine Angebote. Zudem sei die kulinarische Auswahl in Lindow sehr begrenzt. Es fehle an Auswahl. Trotz der drei Seen sei es nicht möglich, einen frischen Fisch vom örtlichen Fischer zu essen. „Die Leute wollen regionale Produkte und nicht immer nur Schnitzel mit Pommes“, so Seidel.
Die Stärken der Stadt liegen indes in der Naturnähe, dem vielen Wasser und ausreichenden Freizeitangeboten. Wer gerne wandert, Rad fährt, aufs Wasser möchte oder etwas für seine Gesundheit tun möchte, sei in Lindow an der richtigen Adresse. Dementsprechend soll aus das Marketing ausgerichtet werden.

Idee für Kletterpark

Um das Angebot im Bereich Naturtourismus noch zu erweitern, soll die von der Grünen-Fraktion vorgeschlagene Idee eines Planetenwanderwegs weiterverfolgt werden. Wie Stephanie Schaefer sagte, gibt es dabei eine Kooperation mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Zwei Studenten sollen ab Anfang nächsten Jahres ein Konzept dazu erstellen. Im Raum steht auch die Idee für einen Kletterpark. Konkretes gebe es dazu aber noch nicht, so Schaefer. Auch das Angebot auf der Insel Werder soll erweitert werden. Die Salusklinik habe sich zudem dazu bereit erklärt, des öfteren Fachvorträge zum Thema Suchterkrankungen abzuhalten.
Nicht zuletzt sind auch viele kleinteilige Schritte vorgesehen. Das Ortsbild und der Zustand einiger Wege soll verbessert werden. Bereits in der kommenden Woche werden neue Willkommensschilder an den Ortseingängen aufgestellt, so Schaefer. Auch die touristische Beschilderung sowie die Bepflanzung in der Innenstadt sollen verbessert werden. Zudem soll ein neues Parkraumkonzept für mehr Ordnung sorgen.

Gratis ÖPNV mit Kurkarte

Ein Punkt, der schwerer zu realisieren ist, ist der Zugang zum Gudelacksee. Bis auf das Freibad und die Dampferanlegestelle ist das Ufer im Stadtgebiet eingezäunt. Wenn man mehr Zugang möchte, müssten der Yachthafen, das Seglergelände oder der Zeltplatz Land abgeben. Lindows ehrenamtlicher Bürgermeister Udo Rönnefahrt gab zu bedenken, dass auch der öffentliche Personennahverkehr wichtig ist, um ein attraktives Reiseziel zu sein. Es gibt bereits Gespräche mit der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft (ORP), um zu ermöglichen, dass Kurkarteninhaber kostenlos mit den Bussen fahren dürfen. Rönnefahrt rief zudem dazu auf, dass die Buslinie von Rheinsberg über Lindow nach Gransee stärker genutzt werden sollte. Diese wird vorerst in einer dreijährigen Testphase bestellt. Sollte die Auslastung unter 50 Prozent liegen, würde sie jedoch eingestellt. Die Anbindung an den Bahnhof in Granssee ist aber wichtig, weil viele Berliner Touristen mit dem Zug in die Ackerbürgerstadt und von dort aus in die Region kommen.
Es gibt also viel zu tun. Lindows Amtsdirektor Danilo Lieske ist zuversichtlich, dass Brandenburgs Wirtschaftsministerium das neue Tourismuskonzept absegnet. Das Ministerium hatte das Papier zu einer Voraussetzung gemacht, dass Lindow auch in Zukunft den Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“ führen darf.