Wissenschaft
: Zuständig für die Zahlen der MHB

Martina Gebauer ist die neue Kanzlerin und kaufmännische Geschäftsführerin der Medizinischen Hochschule Brandenburg in Neuruppin.
Von
Ulrike Gawande
Neuruppin
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Chefin der Finanzen: Martina Gebauer ist es wichtig, nicht nur in Neuruppin zu arbeiten, sondern dort auch zu wohnen und zu leben.

privat

Rundtour zu den Standorten

„Die Neugier war groß.“ 400 Teilnehmer hätten das Informationsangebot genutzt, das größtenteils von den MHB–Studenten vorbereitet worden war. „Das war cool“, lobt die neue Kanzlerin, sichtlich beeindruckt vom Engagement und Zusammenhalt der Studenten. So haben sich auch die Studenten, die im April gestartet sind, lediglich online kennengelernt. „Das ist schade, aber alle sind bei der Stange geblieben." Für das kommende Semester hofft Martina Gebauer, dass mit den entsprechenden Hygienemaßnahmen auch wieder Präsenzveranstaltungen möglich sein werden. Sie selbst ist schon dabei alle Standorte der Hochschule zu besuchen und Kennenlerngespräche führen. „Mir ist es wichtig, vor Ort zu sein und zu leben.“

Deshalb hat die 52–Jährige auch eine Wohnung im Zentrum von Neuruppin bezogen. „Ich arbeite nicht wenig“, gibt sie ehrlich zu, aber sie genieße es, am Ruppiner See spazieren zu gehen und über den Wochenmarkt der Fontanestadt zu schlendern. „Es hat mich aufs Land gezogen.“ Die Gründung der MHB mit dem innovativen Konzept in der Medizinerausbildung hat sie bereits während ihrer Tätigkeit für die IB Hochschule für Gesundheit und Soziales in Berlin im Blick gehabt. Die Gründungsphilosophie der MHB, mit der Medizinerausbildung die Gesundheitsversorgung in Brandenburg sicherzustellen, sei spannend, so Gebauer. „Es ist ein innovatives Konzept, bei dem die Studenten ab dem ersten Semester praxisnah studieren und mit Patienten in Kontakt kommen“, betont die Neu–Neuruppinerin, „Ich habe die Entwicklung der MHB fast ein wenig neidisch verfolgt“, verrät Martina Gebauer. „Umso glücklicher war ich, als man mich angesprochen hat, mich für die Stelle der Kanzlerin zu bewerben.“

Ursprünglich hat Martina Gebauer an der Freien Universität Berlin Volkswirtschaftslehre studiert und später an einem Weiterbildungsinstitut als Studiengangsleiterin im Bereich Kommunikation gearbeitet. Über den Bereich der Erwachsenenbildung kam sie an die private IB–Hochschule des Internationalen Bundes. Die Möglichkeit, die beiden gesellschaftlich relevantesten Themen Gesundheit und Bildung miteinander beruflich kombinieren zu können, sei eine spannende Aufgabe, die sie an der MHB gereizt hat. An der Hochschule, die vor fünf Jahren als mehrheitlich kommunale Einrichtung gegründet wurde, ist sie auch kaufmännische Geschäftsführerin. Betrieben wird die MHB von der gemeinnützigen MHB Campus–Gesellschaft, deren Gesellschafter die Ruppiner Kliniken, das städtische Krankenhaus in Brandenburg und die Immanuel–Albertinen–Diakonie sind. „Ich bin für die Zahlen zuständig, und dafür, dass das Geld optimal und effizient eingesetzt wird.“

Sicherung der Finanzierung

Die größte Herausforderung als Kanzlerin der MHB sei es, die Finanzierung der Hochschule zu sichern. So soll der Forschungsbereich ausgebaut werden. Dafür sei eine dauerhafte und nicht nur einmalige Unterstützung des Landes notwendig, hatte Martina Gebauer vor einigen Tagen festgestellt (wir berichteten). Rund fünf Millionen soll die MHB in diesem Jahr bekommen. „Für die Einstellung der Forscher benötigen wir Planungssicherheit“, so Gebauer. Geforscht wird über die Gesundheit und die Medizin des Alterns. Wenn die Hochschule mit Studenten ausgelastet ist, beziffert Gebauer den jährlichen Bedarf der MHB mit rund 13 Millionen Euro. Aktuell studieren rund 500 junge Menschen Medizin und Psychologie an der MHB. Im kommenden Jahr sind die ersten Ärzte fertig. Ab dem Sommer gibt es einen weiteren Studiengang: Psychotherapie. Und in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam und der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) in Cottbus können Interessierte am sogenannten Gesundheitscampus ab 2021 zudem Versorgungsforschung studieren. Immatrikuliert werden sie an der MHB.

Die in der Lausitz geplante Medizinischen Fakultät, deren Aufbau mit Bundesmitteln in Höhe von mehr als 650 Millionen Euro finanziert werden soll, sieht Martina Gebauer nicht als direkte Konkurrenz zur MHB, da der Bedarf an Ärzten weiter steigen wird. „Es ist gut, dass das Land Brandenburg die Notwendigkeit der Medizinerausbildung im eigenen Land erkannt hat, die wir mit der MHB angestoßen haben.“