100 Jahre, die sind schon ein Anlass, um den Festtag gemeinsam mit der Familie und Freunden zu begehen. Eben diesen runden Geburtstag kann Waltraud Weiß aus Friedrichsthal am 17. November feiern. Doch ein großes Fest, das ist wegen der Corona-Pandemie nicht erlaubt. Etwas traurig ist Jubilarin deshalb schon. Doch sie nimmt es mit Humor: „Dann müssen wir das eben nächstes Jahr nachholen“, sagt sie und lacht. Es ist ein freundliches, ehrliches und zuversichtliches Lachen. Denn, so verrät die Jubilarin, „lachen hält gesund.“

Geburtsempfang im Garten

Dass Gäste zum Gratulieren kommen, darauf hofft sie schon. Ihre Enkel wollen im Garten Stehtische aufstellen, an denen Kaffee und andere Getränke sowie Kuchen und Häppchen gereicht werden können. „Dann werde ich mich mit den Gästen draußen nacheinander unterhalten, dann kann sich niemand anstecken und wir halten die Abstandsregelungen ein“, sagt die Seniorin und hofft wenigsten auf gutes Wetter. Dabei reicht es ihr schon, wenn es nicht regnet. Gegen die Kälte würden passende Kleidung und wärmende Getränke schützen beziehungsweise helfen, ist sie sich sicher.

Viele Schicksalsschläge

100 Jahre zu werden, damit hatte Waltraud Weiß gar nicht gerechnet. Ihre Kindheit sei durchaus hart gewesen, verrät sie. In Großenhain sei die geboren worden, sei dort zur Schule gegangen, habe dort ihre Jugend verlebt und schließlich auch ihren ersten Mann Friedrich kennen und lieben gelernt. Doch sei es jene Zeit gewesen, die schon auf den Krieg zugesteuert habe. Ein Sohn, Peter, er lebt heute in Wuppertal, habe das Glück perfekt gemacht. Doch der Krieg und die 1943 erhaltene Nachricht, dass ihr Mann in Russland vermisst werde, hätten das Glück zunichte gemacht, erzählt sie. Dass sie eine zweite Chance auf ein Familienglück bekommen würde, damit habe sie nicht gerechnet, gibt sie zu.

Ein zweites Glück mit dem zweiten Ehemann

Doch es sollte anders kommen. Das bestätigen auch die sanften Gesichtszüge, die sich einstellen, als sie von Willi, ihrem zweiten Mann spricht. Auch ihn lernte sie in Großenhain kennen, heirate ihn jedoch erst neun Jahre nach Ende des Krieges. Da mein erster Mann vermisst wurde, mussten zehn Jahre vergehen, ehe er für tot erklärt wurde. Eine andere Möglichkeit, früher zu heiraten, wäre gewesen, die Zustimmung der Schwiegereltern zu erbitten, erzählt die Jubilarin, doch das wollte sie denen nicht antun.

Ein Häuschen in Friedrichsthal

Da Willi aus Oranienburg war, lag der Umzug nach Oranienburg nahe. In Friedrichsthal fand das Paar ein Zuhause, da die erste Wohnung zu klein wurde. Es war ein Häuschen mit Garten. Die Kinder Gerd, Hartmut, Siegfried, Hans-Jürgen und Nesthäkchen Marion machten das Glück perfekt, und da der Zuwachs Platz brauchte, wurde immer wieder angebaut.
Die Arbeit bestimmte immer das Leben von Waltraud Weiß. Böse ist sie deshalb nicht. Ihr Mann und ihre Kinder gaben ihr Kraft. Sie arbeitete unter anderem in der Gastwirtschaft und im Ferienlager, das auch nach den Sommerferien, wenn das Kinderlachen verklungen war, noch von anderen Organisationen oder Vereinen genutzt wurde. Nach der Arbeite stand dann die Familie im Mittelpunkt, der Garten war der Ort, in dem sie ausspannen konnte, auch wenn es wieder nur Arbeit war. „Die Arbeit hat mich immer auf Trab gehalten“,, sagt die Jubilarin und ergänzt. „Vielleicht bin ich deshalb so alt geworden.“

Sohn Gerd ist ihr Pfleger

Vier Enkel und drei Urenkel komplettieren inzwischen die Familie. Ihr Sohn Gerd wohnt im Obergeschoss des Hauses und kümmert sich seit dem Tode von Vater Willi 2005 um seine Mutter. „Aus meinem Sohn ist sozusagen mein Pfleger geworden“, sagt sie und blickt dankbar in seine Richtung. Mit einer Notklingel hat er ihr Zimmer ausgestattet, damit er bei Bedarf gerufen werden kann. „Das ist schon schön, man fühlt sich dann viel sicherer“, stellt die Seniorin dazu fest.

Schmerzhafte Corona-Einschränkungen

Die Familie und auch das Miteinander im Ort waren und sind für Waltraud Weiß noch immer sehr wichtig. Ein Großteil der Familie lebt in der Nachbarschaft. Schon seit Jahren trifft sie sich gern mit Freunden aus dem Ort zum Kartenspielen, zum Pochen, um genau zu sein. Umso mehr schmerzt es sie, dass durch die Corona-Pandemie sowohl die regelmäßigen Treffen in kleiner Runde auch bei ihr und den anderen zu Hause und natürlich auch die größeren geselligen Runden im Friedrichsthaler Klub nicht mehr stattfinden können. „Diese Treffen und das Spielen fehlen mir wirklich sehr“, gibt sie unumwunden zu. „Dort haben wir miteinander in Erinnerungen geschwelgt oder uns die neuesten Neuigkeiten aus dem Ort berichtet, wir haben miteinander gespielt, gesungen und gelacht, da fühlt man sich nicht allein, das macht Spaß und gibt Kraft.“ Deshalb ist neben der Gesundheit, der größte Wunsch von Waltraud Weiß zu ihrem 100. Ehrentag, dass es bald wieder möglich sein wird, sich mit den Freunden zu treffen, „denn auch das hält jung.“