Zirka 650.000 Euro haben der Entwässerungsbetrieb Oranienburg (EBO) und die Stadtwerke investiert, um einen Teil der Siedlung Neu-Friedrichsthal an die zentrale Abwasserentsorgung anzuschließen. Was vor zehn Jahren noch völlig undenkbar gewesen wäre, hat der Eigenbetrieb jetzt realisiert, weil die Wohndichte in der Siedlung einfach zugenommen hat. „Angesichts der hohen Kosten, muss sich eine solche Investition mittelfristig schon rechnen“, sagt Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos). Rechnen muss sich auch die mobile Abwasserentsorgung. Doch deren Gebühren werden in Oranienburg explodieren, wenn die Stadtverordneten dem Vorschlag der Verwaltung folgen.

Kanalnetz auf 190 Kilometer ausgebaut

Inzwischen habe die Stadt ihr Abwasser-Kanalnetz von rund 60 Kilometern zur Wendezeit auf zirka 190 Kilometer erweitert, lobte er zum Abschluss der Bauarbeiten für das Abwasserpumpwerk an der Birkenstraße, Ecke Mittlere Straße in Friedrichsthal. Das Pumpwerk sei so ausgelegt, dass es auch noch die Abwässer eines zweiten Siedlungsteils von Neu-Friedrichsthal bequem zum rund zehn Kilometer entfernten Pumpwerk Annahof transportieren könne, ergänzte der Technische Leiter des EBO, Thomas Schlegel. Ob auch dieses Siedlungsgebiet in einem weiteren Bauabschnitt an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen werde, hänge davon ab, wie viele Haushalte dort künftig Abwasser einleiten könnten. Derzeit seien es noch zu wenige, sodass das für den EBO nicht wirtschaftlich sei. „Wir bekommen keine Fördermittel, sondern müssen unsere Investitionen über die Gebühren wieder einspielen“, sagt Schlegel.

Mehr Komfort für 50 Haushalte

Holding-Geschäftsführer Alireza Assadi sagte, dass sich für die 50 Haushalte, die jetzt neu ans Netz kommen, der Komfort deutlich erhöhen werde. Niemand müsse sich mehr um die mobile Abfuhr der Fäkalien kümmern und preiswerter werde das Ganze außerdem. 4,31 Euro kostet die Entsorgung eines Kubikmeters Abwasser derzeit in Oranienburg. Das gilt für alle Grundstückseigentümer, die für die Herstellung der Abwasserleitungen keine Beiträge gezahlt haben. Ab wann genau die 50 Neu-Friedrichsthaler Haushalte ihre Abwässer einleiten dürfen, werde ihnen in Kürze durch die Stadtwerke, die die Betriebsführung beim EBO innehaben, mitgeteilt, so Assadi.

Steigerung sozial ungerecht

Was diesen Personenkreis freut, ärgert aber all jene, die den Nachteil einer mobilen Abwasserentsorgung hinnehmen müssen. Sie zahlen schon jetzt mit 8,60 Euro etwa das Doppelte an Abwassergebühren. Es soll aber noch schlimmer kommen. Denn mit der neuen Gebührenkalkulation soll der Tarif ab Januar auf sage und schreibe 12,71 Euro pro abzufahrenden Kubikmeter steigen. „Das ist doch der Hammer“, schimpft der Friedrichsthaler Ortsbeirat Detlev Jansa, der selbst auch Betroffener ist.

Ortsbeirat fordert Mischkalkulation

Weil die Gebühren für die rund 3.000 Grubenbesitzer im Einzugsgebiet des EBO dann etwa dreimal so teuer wären, wie für die leitungsgebundene Entsorgung, sei eine solche Regelung zutiefst sozial ungerecht, sagt Jansa. In einem Brief an den Bürgermeister fordert Jansa, „eine für alle sozial verträgliche Mischkalkulation“ bei den Abwassergebühren einzuführen. Der Ortsbeirat Friedrichsthal unterstützt diesen Vorschlag einstimmig. Auch der Lehnitzer Ortsvorsteher und SPD-Fraktionschef in der Stadtverordnetenversammlung, Matthias Hennig, hält eine derart hohe Gebühr für unsozial. „Außerdem haben sich die Betroffenen das nicht ausgesucht. Die meisten wären auch gern ans zentrale Netz angeschlossen“, sagte Hennig im Ortsbeirat.

Werksausschuss berät am 21. September

Nach den Berechnungen von Detlev Jansa müssten bei einer Mischkalkulation alle EBO-Kunden eine Abwassergebühr von 4,48 Euro pro Kubikmeter zahlen. Eine Mischkalkulation ist in der Vergangenheit schon öfters gefordert, aber bisher von der Politik immer abgelehnt worden. Das Gebührenthema ist am 21. September Gegenstand im Werksausschuss. Wenn das Gremium sich um 18 Uhr in der Orangerie trifft, wird auch über das Kapitel Mischkalkulation diskutiert werden.

Neue Gebühren


Nach den aktuellen Kalkulationen des Entwässerungsbetriebs Oranienburg (EBO) soll sich nicht nur die Gebühr für die mobile Abwasserentsorgung von derzeit 8,60 Euro auf 12,71 Euro ab Januar erhöhen. Etwas teurer wird demnach auch die Gebühr für die leitungsgebundene Abwasserentsorgung, wenn die Grundstückseigentümer Herstellungsbeiträge geleistet haben, was in den Ortsteilen Lehnitz und Germendorf meist der Fall war. Sie zahlen jetzt 2,68 Euro, künftig sollen es 2,83 Euro pro Kubikmeter sein. Für die meisten Oranienburger Haushalte, die in der Regel nicht zu Beiträgen herangezogen wurden, bleibt es bei 4,31 Euro pro Kubikmeter. Leicht angehoben werden sollen auch die Gebühren für Niederschlagswasser von aktuell 0,75 Euro auf 0,99 Euro pro Quadratmeter.