Analyse
: Sprechstunde für den Baum

Der Baumgutachter Christoph Beckschulte untersucht derzeit den Zustand von 70 Straßenbäumen im Oranienburger Stadtgebiet. Dabei geht es vor alle um die Sicherheit.
Von
Klaus Grote
Oranienburg
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Hoch oben: In fast 15 Metern Höhe zeigt Christoph Beckschulte auf Spanngurte, die im Laub und vom Boden aus kaum zu erkennen sind. Die Gurte sorgen für Stabilität, müssen aber ausgetauscht werden, empfiehlt der Gutachter.

Klaus D. Grote

Das funktioniert oft schon auf den ersten Blick, wenn äußere Schäden den Baum kennzeichnen. Der Sachverständige schaut mithilfe von Bohrungen aber auch in die Bäume hinein. Zum Beispiel wenn der Stamm beim Klopfen hohl klingt. Fäule und Schadstellen können eine Gefahr für die Standsicherheit bedeuten. Äste, die beim nächsten Sturm abzubrechen drohen, sollen abgesägt werden. Ist ein Baum umsturzgefährdet, muss er möglicherweise gefällt werden, bevor er unkontrolliert von Stürmen umgeworfen wird. Wenn Beckschulte spricht, klingt er fast wie ein Zahnarzt: „Geschädigte Bäume können wieder aufgebaut werden oder müssen raus, wenn sie in einem zu schlechten Zustand sind.“

Dürre gut überstanden

Am Louise-Henriette-Steg sind die meisten Linden in einem guten Zustand. „Der Eigentümer hat hohen Aufwand betrieben, die Bäume zu erhalten“, stellt Beckschulte fest. In gut zwölf Metern Höhe zeigt er auf Spanngurte, mit denen die zu dicken Ästen ausgewachsenen Triebe sich gegenseitig halten und stabilisieren. Die Linden wurden vor etwa zehn bis 15 Jahren gekappt, die neuen Triebe sind hochgewachsen, aber damit auch windanfällig.

Inzwischen sind die Gurte für das Holz zu eng geworden. „Sie müssen ausgetauscht werden. Das ist aufwendig“, sagt Beckschulte. Baumkletterer müssen sich in großer Höhe an schwer zugängliche Stellen begeben.

Für eine andere Linde stellt Beckschulte fest, dass sie tatsächlich umfallgefährdet ist, weil die Krone stärker als der Unterbau ist. Windböen könnten sie umreißen. Immerhin hielten  alle Bäume am Louise-Henriette-Steg Sturmtief Mortimer Anfang vergangener Woche stand. Beckschulte setzte seine Arbeit im stürmischen Wind sogar fort. Noch mehr als seine Hubwagenkanzel schaukelte das Nest einer Taube in fast 15 Metern Höhe im Wind, auf dem gerade der Nachwuchs gefüttert wurde.

Die Linden stehen jetzt noch gut im Laub. Die Dürre zweier trockener Sommer haben die Bäume am Louise-Henriette-Steg gut überstanden. Beckschulte stellt keine Schäden durch Trockenheit fest. Anders sieht es lediglich bei den jungen Nachpflanzungen aus, an denen der Wassermangel des Sommers deutlich zu erkennen ist. Die Linden sind laubfrei.

Insgesamt 21 686 Bäume gibt es im öffentlichen Raum Oranienburgs, davon 15 097 Straßenbäume, die anderen stehen in Grünanlagen, im Schlosspark, auf Schulhöfen, Spielplätzen und an Kitas.  Für alle Straßenbäume gibt es regelmäßige Kontrollen nach festgelegten Kriterin (siehe Kasten). Die umfangreichen Gutachten auf Verkehrssicherheit werden im Auftrag durchgeführt.

Richtlinien zur Kontrolle

Für Baumkontrollen gibt es genau festgelegte, seit dem Jahr 2010 geltende Richtlinien. Dabei werden folgende Faktoren berücksichtigt: Baumart, Entwicklungsphase, Alter und Zustand des Baumes, Standort und die sogenannte Sicherheitserwartung.

Die Sicherheit ist an Straßen mit Verkehr wichtiger als an unbefestigten Wegen.

Das Grünflächenamt bestellt den Gutachter. Bei seiner Prüfung stellt er fest, ob zum Beispiel Totholz entfernt werden muss, wo Kronensicherungssysteme oder Kroneneinkürzungen durchzuführen sind. Manchmal bleibt als einzige Maßnahme das Fällen des Baumes, weil Stürme zu Umstürzen führen könnten.

15 097 Straßenbäume gibt es in Oranienburg und den Ortsteilen insgesamt. Hinzu kommen ungefähr 7 000 Bäume neben Fahrradwegen. Im städtischen Baumkataster sind auch alle Bäume auf öffentlichen Plätzen, Friedhöfen, Schulhöfen, Spielplätzen, Sportanlagen sowie im Schlossplatz registriert.⇥kd