Apotheken-Streik am 14. Juni: Hier gibt es zwischen Zehdenick und Velten Ihre Medikamente

Das müssen Patienten am Mittwoch häufig lesen. Viele Apotheken in Oberhavel beteiligen sich am bundesweiten Protesttag. Die genaue Zahl ist nicht bekannt.
Oliver Berg/dpaLandesweit bleiben am Mittwoch, 14. Juni, aus Protest gegen gesundheitspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung die meisten Apotheken geschlossen. Auch Oberhavel, wo es nach Angaben der Landesapothekerkammer 51 Apotheken gibt, ist flächendeckend betroffen. In einigen Kommunen, zum Beispiel in Kremmen, Oranienburg, Leegebruch, Oberkrämer, Hennigsdorf, Gransee, Löwenberger Land, Liebenwalde, Birkenwerder, Mühlenbecker Land und Fürstenberg gibt es am Mittwoch keine Möglichkeit, an Medikamente zu kommen. Allerdings ist ein Notdienst eingerichtet.

Fünf Apotheken in Oberhavel haben am Mittwoch Notdienst - für Hohen Neuendorf ist es die Sorella-Apotheke in der Berliner Straße 27.
Foto: Jürgen LiebezeitDiese fünf Apotheken – vier im Altkreis Oranienburg und nur eine im Altkreis Gransee – haben diesen Mittwoch ab 8 Uhr bis zum Donnerstagmorgen, 8 Uhr, im Notfall geöffnet:
- Kloster-Apotheke,
Berliner Straße 39,
Zehdenick - Luisen-Apotheke,
Berliner Straße 94,
Wensickendorf - Sorella Apotheke,
Berliner Straße 27,
Hohen Neuendorf - Neue Roland Apotheke,
Oranienburger Chaussee 17,
Glienicke - Vitalis-Apotheke,
Rosa-Luxemburg-Straße 51,
Velten.
Kurz hinter den Kreisgrenzen gibt es weitere Notdienst-Apotheken: - Kurfürsten-Apotheke
Berliner Straße 28,
Fehrbellin - Adler Apotheke
Stargarder Straße 2a
Lychen - Äskulap-Apotheke
Senftenberger Ring 7
Berlin (Märkische Viertel)
Täglicher Kampf ums Überleben
Hintergrund des Aufrufs der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ist die Kritik an gesundheitspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung. „Lieferengpässe, Personalnot und eine seit Jahren bestehende Unterfinanzierung sind die Gründe für unseren Protest“, erklärt der Hohen Neuendorfer Reinhard Eger, der zwei Apotheken in der Stadt betreibt, die Aktion. Die Apotheken hätten in den vergangenen zehn Jahren keine Honoraranpassung erhalten. „So kann es nicht weitergehen. Es ist ein täglicher Kampf ums Überleben“, beschreibt Eger seinen Arbeitsalltag. So koste es beispielsweise viel Zeit, ein alternatives Medikament zu organisieren, wenn das vom Arzt verschriebene Medikament nicht zur Verfügung stehe. Hinzu kämen alle 13 Tage ein Notdienst, der rund um die Uhr gewährleistet werden muss und Wochenendarbeit. „Und die Bürokratie wird auch immer komplizierter und umfangreicher“, verweist Eger auf die Arbeit am Schreibtisch, die kein Kunde sieht. 60 bis 80 Stunden arbeite er durchschnittlich pro Woche. Energie, Material und Personal – die Kosten würden auch bei Apothekern in Inflationszeiten steigen.

Der Hohen Neuendorfer Apotheker Reinhard Eger, hier mit dem Namenspatron seiner St. Hubertus-Apotheke in der Schönfließer Straße, beteiligt sich am Protesttag.
Foto: Jürgen LiebezeitEger kritisiert wie viele Kolleginnen und Kollegen seiner Branche die deutsche Gesundheitspolitik grundsätzlich. „Es werden gerade wichtige Strukturen im Gesundheitswesen zerstört. Anstatt die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln über die Apotheken vor Ort zu stabilisieren und zu unterstützen, wird sie geschwächt“, sagt Eger und erinnert an das Apothekensterben in Deutschland, das auch an Brandenburg nicht vorbeigeht. Laut Landesapothekerverband Brandenburg mussten vergangenes Jahr zehn Apotheken in der Mark schließen. „Für das Jahr 2023 sind wir jetzt schon bei sieben geschlossenen Apotheken. Das ist schon sehr bezeichnend. Die Situation der Brandenburger Apotheken ist aktuell recht schwierig“, so Sprecherin Ramona Reimann.
Team steht vor der Apotheke
Reinhard Eger und sein Team werden diesen Mittwoch vor ihren Apotheken präsent sein. „Wir stehen für erklärende Gespräche zur Verfügung.“ Bis auf die Sorella-Apotheke, die zufällig am Mittwoch Notdienst hat, beteiligen sich nach Angaben von Reinhard Eger alle Apotheken im Stadtteil Hohen Neuendorf an dem Protesttag.
