Apotheken
: Viele Arzneimittel bleiben Mangelware

Noch immer gibt es Engpässe bei wichtigen Medikamenten, weil bestimmte Wirkstoffe fehlen. Viele betroffene Patienten sind deshalb in Sorge.
Von
Burkhard Keeve,
Klaus Grote
Oranienburg
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Die Oranienburger Apothekerin Angela Krupskin zeigt auf dem Bildschirm eine Auswahl von Medikamenten, die zur Zeit nicht verfügbar sind.

Klaus D. Grote

„Das Medikament ist nicht lieferbar.“ Diesen Satz hört der Lehnitzer Andreas Wolf gebetsmühlenartig seit Wochen aus seiner Stammapotheke. "Langsam gehen meine Vorräte zur Neige. Sie reichen noch zehn Tage. Das ist doch alles unter aller Kanone“, sagt der 62-Jährige. Der Lehnitzer Friedrich-Wolf-Apotheke macht Andreas Wolf keinen Vorwurf. „Die bemühen sich wirklich, rufen überall an und kümmern sich.“

Die Therapie könne leiden, wenn zum Beispiel ein Medikament in einer bestimmten Dosierung nicht mehr vorrätig sei, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Christian Wehry. „Statt einer müssen Patienten vielleicht nun zwei Tabletten nehmen. Gerade bei älteren Patienten, die viele Medikamente verabreicht bekommen, kann das ein Problem sein.“ Das sieht auch Apothekerin Katharina Douglas von der Löwenapotheke Hennigsdorf und Leegebruch so: „Tabletten haben oft andere Farben und Formen oder sind plötzlich nicht mehr teilbar, was oft zu massiven Problemen gerade bei älteren Patienten führt.“

Seit Jahren lebt Wolf gut mit dem Antidepressivum Venlafaxin. „Jetzt muss ich mich auf ein neues, mir unbekanntes Medikament einstellen“, ärgert sich Wolf. Über den Lieferengpass kann der Lehnitzer nur den Kopf schütteln. „Wir Patienten sind verärgert. Spahn sollte sich mal darum kümmern“, fordert der 62-Jährige.

Keine Pflicht für Hersteller

Doch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) teilt mit, dass es Unternehmen nicht zur Produktion oder zum Verkauf von Arzneimitteln verpflichten könne. Das BfArM habe auch keine Informationen darüber, „welche Mengen der betroffenen Arzneimittel sich noch auf dem Markt befinden“.

Befriedigend ist das weder für Patienten, noch für Apotheker oder Ärzte. Und Besserung ist nicht in Sicht. Denn zu den Engpässen ist es auch deshalb gekommen, weil manche Wirkstoffe, zum Teil für versorgungs- oder gar überlebensnotwendige Arzneimittel wie Antibiotika, nur von zwei bis drei Herstellern weltweit produziert werden. Eine solche Monopolisierung birgt Gefahren. „Bricht eine Produktionsstätte aus unvorhersehbaren Gründen weg, können Ausfälle nicht schnell genug durch die anderen Betriebe ausgeglichen werden“, informiert die Landesapothekenkammer. Zahlreiche Wirkstoffe werden in China hergestellt.

Doch nicht nur Spezial-Medikamente fehlen häufig. Zu Engpässen kommt es auch bei dem Schmerzmittel Ibuprofen, der Anti-Baby-Pille Zoely oder dem Blutdruckmittel Valsartan.

Apothekerin Angela Krupskin von der Oranienburger Henrietten-Apotheke hat sich wegen der seit Monaten bestehenden Engpässe mittlerweile mit einigen Medikameten bevorratet. Oft genug musste sie Patienten erklären, dass sie ihr Medikament nicht da habe. Doch es fehlten zu viele Medikamente, nicht für alle könne sich die Apotheke einen Vorrat zulegen.

Und trotz des Vorrats bleibe es oft schwierig, wenn Patienten ihr benötigtes Medikament von einem anderen Hersteller bekommen. Dann müsse der Arzt das Rezept ändern. „Darum kümmern wir uns, aber es macht viel zusätzlichen Aufwand“, sagt Angela Krupskin.

Infokasten

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel