Es ist Samstagvormittag. Die Sonne strahlt, die Temperaturen sind angenehm warm. Eigentlich könnten die Kinder und Jugendlichen jetzt an den See fahren, auf dem Sportplatz sein oder ganz einfach alle Fünfe gerade sein lassen, wie der Volksmund so schön sagt. Doch neun Jugendliche haben sich am Depot der Freiwilligen Feuerwehr Zehlendorf zum Dienst eingefunden. Sie tragen alle Uniform, und sie sind stolz darauf, das ist ihnen anzumerken. Doch zum Einsatz müssen sie nicht ausrücken.

Erste-Hilfe-Ausbildung für die Jugendlichen

Ihr Dienst ist die Ausbildung. Auf dem Plan steht die Unterweisung in der Ersten Hilfe. In mehrere Teile gliedert sich die Ausbildung. Einer ist, was gemacht werden muss, wenn sie eine hilflose Person irgendwo entdecken. „Was macht ihr, wenn ihr zur Bushaltestelle geht und auf dem Weg dorthin plötzlich einen Klassenkameraden liegen seht?“, lautet die Frage. Die Kinder zieren sich und lachen verschämt. Für sie ist es zuerst nur Spaß. Wer simuliert den Verletzten und legt sich auf die Decke? Doch schnell findet sich jemand, der das Unfallopfer spielt.

Mit Spaß und vielen Informationen werden die Jugendlichen auf den Dienst vorbereitet

Oberfeuerwehrmann Philipp Schulz und Löschmeister Heiko Rosenow nutzen eben diesen Spaß, um den Kindern und Jugendlichen lebensrettende Tipps für den Alltag und, wenn sie dabei bleiben, später für den Dienst in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr von Zehlendorf zu geben. Was also ist zu tun? „Na gucken?“, kommt etwas zögerlich die Antwort. Doch das reicht Schulz als Antwort nicht aus. „Wie? Gucken, ob er schläft“, fragt er zurück und erhält zusätzlich zum allgemeinen Lachen die richtige Antwort. „Nein, nicht gucken, ob er schläft, sondern gucken, ob er ansprechbar ist." Denn das ist wichtig, um weiter handeln zu können. Es ist kaum noch Gelächter zu hören. Die beiden Ausbilder haben es geschafft, die Kinder und Jugendlichen zu begeistern und für die Ausbildung zu interessieren.

Erst die Theorie, dann kommt die Praxis

Sie stellen Fragen, geben Antworten und ergänzen diese, sofern es notwendig ist. Es ist wichtig, zu prüfen, ob jemand noch ansprechbar ist. Der wird dann in die stabile Seitenlage gelegt. Anders sieht es aus, wenn jemand nicht mehr ansprechbar ist. Dann muss geprüft werden, ob er noch atmet oder einen Plus hat. Doch wie? Hören, ob jemand noch atmet, ob sich der Brustkorb hebt und senkt, kommt eine Antwort. Dann folgt die Frage, wie und wo der Puls gemessen wird. Die Kinder melden sich wie in der Schule. Sie sind voll bei der Sache, sie haben ihren Spaß und lernen etwas. Vor allem die praktischen Übungen machen den Kindern Spaß.
Acht Aktive gehören der Jugendfeuerwehr, die es seit 1. Januar 2018 in Zehlendorf wieder gibt, derzeit an. Die Altersspanne reicht von acht bis 13 Jahren. Gekommen sind neun Teilnehmer, wobei ein Mitglied sich entschuldigt hat. Dafür aber sind zwei Kinder zusätzlich gekommen, die einfach nur zusehen wollen. Die Freunde haben sie eingeladen. Phi­lipp Schulz und Heiko Rosenow haben damit kein Problem, sie freuen sich über das Interesse. „Neue Mitstreiter können wir immer gebrauchen“, stellen beide unisono fest.

Klinkenputzen für den Aufbau der Jugendtruppe

Wie schwer es war, die Jugendtruppe aufzubauen, davon können sie ein Lied singen. „Wir waren im Kindergarten und haben uns auch nicht davor gescheut, von Grundstück zu Grundstück zu gehen und Klinken zu putzen, um die Kinder einzuladen“, erzählt Schulz und freut sich über das Erreichte. Betrübt mache ihn, wie es weiter geht, weiter gehen kann? Denn die Feuerwache im Ort ist marode und soll geschlossen werden. Das könnte dann auch das Aus für die Jugendtruppe sein, befürchtet er.

Die Kinder wollen ihre Feuerwehr im Ort behalten

Wenn die Kinder auch gerade Pause haben, bekommen sie solche Gesprächsfetzen doch mit und antworten prompt. „Aber das könnt ihr nicht machen, wir wollen unsere Feuerwehr behalten. Das macht richtig Spaß. Wo sollen wir sonst hin? “ Schulz beruhigt: „Ist ja noch nicht so weit, wir machen weiter“, antwortet er. „Wehe nicht“, kommt die Erwiderung, als sich die Truppe für die nächste Weiterbildungseinheit fertigmacht. Jetzt geht es um den Erste-Hilfe-Kasten und das Anlegen von Verbänden.