Die Mitglieder des Konziliaren Gesprächskreises in Glienicke sind am Donnerstag auf einem Empfang der kleinen Gemeinde geehrt worden. Zu dieser Oppositionsgruppe gehörten vor 31 Jahren mutige Frauen und Männer aus dem Ort, die sich mit den politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen in der DDR nicht mehr abfinden wollten und auf friedliche Weise für Veränderungen sowohl in Glienicke als auch im Land eintraten.

Recherche im Untergrund

Des Weiteren wurde Torsten Dressler für seine Arbeit als Archäologe und Forscher der Berliner Mauer in Glienicke ausgezeichnet. Er hat sich um die Aufarbeitung und Dokumentation der deutsch-deutschen Geschichte im Ort verdient gemacht. Unter anderem legte er mit seinem Team in der Ottostraße zunächst die Reste eines Wachturms und eines Wohnhauses frei, das im Zuge des Mauerbaus abgerissen worden war. Später gelang es ihnen zudem, einen Teil des Aagaard-Tunnels, der auf einem unbebauten Privatgrundstück liegt, freizulegen. 13 Menschen konnten im März 1963 durch den Tunnel in die Freiheit fliehen. Insgesamt gab es in Glienicke drei Fluchttunnel, durch die 53 Menschen fliehen konnten. Zudem fand Dressler zahlreiche Relikte der Schutzanlagen. Ein so genannter Stalin-Rasen ist auf dem ehemaligen Grenzstreifen am Ende der Jungbornstraße ausgestellt. Die Stahlgitter, die mit spitzen Nägeln noch oben an der Grenze ausgelegt wurden, sollte Flüchtlinge beim Sprung über die Mauer aufhalten.

Wunsch nach Ausstellung

„Der Archäologe aus Leidenschaft hat einen Teil der jüngeren Glienicker Geschichte lebendig gemacht“, würdigte Gemeindevorsteher Uwe Klein (SPD) das Wirken des Glienickers. Dressler bedankte sich für die kontinuierliche Unterstützung der Gemeinde bei seiner Arbeit und sprach einen Wunsch aus. Er würde sich über eine Dauerausstellung mit seinen Funden aus Glienicke freuen.

Beginn der Revolution vor Ort

Am 17. September 1989 traf sich unter dem Motto „Es muss etwas geschehen!“ ein kleiner Kreis nach dem Gottesdienst im Gemeinderaum der Kirche. Daraus entwickelte sich der Konziliare Gesprächskreis, mit dem auch in Glienicke die friedliche Revolution begann. Seit 2009 erinnert eine Gedenktafel am Eingang der Kirche an diese Ereignisse.
Unter den Gründungsmitgliedern befanden sich die spätere, erste demokratisch gewählte Bürgermeisterin, Karin Röpke, Pfarrer Volkmar Gartenschläger, das Ehepaar Professor Wilfried und Isolde Werz sowie Ulrich Kuschnereit, Detlef Groth und andere. Später kamen auch Anselm Fitzkow und Hermann Andrae dazu. Einige der Geehrten konnten aus gesundheitlichen oder privaten Gründen der Einladung nicht folgen.

Volle Kirche

Bereits zwei Tage nach dem Treffen 1989 fand ein erster Gesprächsabend mit 25 Teilnehmern statt. Die weiteren Treffen fanden immer dienstags im Gemeinderaum statt. Als der Andrang zu groß wurde, ging es in die Kirche. Am 2. Oktober gibt sich die Oppositionsgruppe den Namen „Konziliarer Gesprächskreis“ in Anlehnung an die ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Nur einen Tag später fanden sich in der Kirche fast hundert Menschen zusammen. „So voll war die Kirche noch nie“, erinnerte sich Heinz Ney.

Massive Drohungen

Die Gruppe wurde immer mächtiger, obwohl der Staatsapparat, in diesem Fall die SED-Kreisleitung in Oranienburg,  drohte, den „staatsfeindlichen Kreis“ aufzulösen. Bei den Treffen standen bereits Lkw der NVA in den Nebenstraßen. „Wir hatten alle Angst“, so Karin Röpke. „Aber auch Mut“, ergänzte sie. Die massiven Drohgebärden wirkten nicht. Vielmehr gab es eine Woche vor dem Fall der Mauer, also 2. November, ein Gespräch mit 13 Vertretern des Staats und 15 Mitgliedern des „Konziliaren Kreises“. Es wurde ein Forderungskatalog aufgestellt, der allerdings wenige Tage später zur Makulatur wurde.

Dank des Bürgermeisters

Bürgermeister Dr. Hans-Günther Oberlack (FDP) bedankte sich in seiner Laudatio für das „mutige Engagement der Gruppe“. „Sie haben ermöglicht, dass wir heute hier stehen können“, sagte er auf historischem Gelände. Der Empfang fand im Kirchenzelt der evangelischen Kirchengemeinde statt.
Aus dem „Konziliaren Gesprächskreis“ ging später die Glienicker Bürgerliste hervor, die heute noch in der Kommunalpolitik aktiv ist. Derzeit ist die Bürgerliste mit zwei Mandaten in der Gemeindevertretung vertreten.
Ursprünglich sollten der Konziliare Gesprächskreis und Dressler zum Jahresempfang der Gemeinde am 25. März für ihr Wirken geehrt werden. Jedoch musste die Verwaltung die Veranstaltung wegen der Coronavirus-Pandemie absagt werden.