Autobahn in Berlin: Streit um Abschaltung von A100-Beleuchtung

Die Beleuchtung auf Autobahnen in Berlin wurde teilweise schon abgeschaltet. Nun ist die Diskussion um die Sicherheit der Autofahrer entbrannt.
Julius Schreiner/dpa- In Berlin werden auf der A100 und anderen Autobahnen die Lichtmasten abgeschaltet, um 1,2 Millionen Euro jährlich zu sparen.
- Dies löste eine Debatte über die Verkehrssicherheit aus, da sich Land und Betreiber uneinig sind.
- Die Beleuchtung an 597 Masten der A100 wurde bereits abgeschaltet; weitere Schritte pausieren.
- Studien zeigen, dass unbeleuchtete Autobahnen sicher sind, aber widersprüchliche Gutachten liegen vor.
- Der ADAC fordert eine genaue Überwachung der Verkehrssicherheit auf unbeleuchteten Abschnitten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Für die Autofahrer kam es ganz plötzlich: Anfang Januar gingen auf mehreren Abschnitten der A100 plötzlich die Lichter aus. Um rund 1,2 Millionen Euro jährlich einzusparen, sollten bis Ende April sogar alle 4650 Lichtmasten auf Berliner Autobahnen abgeschaltet werden.
Doch nachdem die ersten Leuchten zwischen der Anschlussstelle Seestraße und der Abfahrt Knobelsdorffstraße ausgeknipst waren, hagelte es nicht nur Kritik von Autofahrern, sondern auch von Politik und Verwaltung. Denn die Autobahn GmbH des Bundes, die für die Berliner Autobahnen zuständig ist, hatte das Vorhaben nicht mit dem Land Berlin abgesprochen und es auch nicht rechtzeitig an die Öffentlichkeit kommuniziert.
Bisher 597 Lichtmasten der A100 ausgestellt
„Wir wurden von der Entscheidung überrascht“, sagt Michael Herden, Sprecher der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Allerdings liege die Zuständigkeit für die Beleuchtung auf der Berliner Stadtautobahn seit 2021 ausschließlich bei der Autobahn GmbH des Bundes, die für die Verkehrssicherheit auf allen Autobahnen verantwortlich ist. Die Entscheidung zum Abschalten der Beleuchtung auf BAB-Abschnitten liege also nicht beim Land Berlin, so Herden.
Trotzdem wurde das Einsparungs-Vorhaben nach der Kritik erst einmal gestoppt. „Das weitere Verfahren wird nun mit dem Land Berlin und dem Bundesverkehrsministerium besprochen“, so ein Sprecher der Autobahn GmbH. Bisher sei die Beleuchtung an 597 Masten der A100 abgeschaltet worden.
In Deutschland sei es eher Standard, dass Autobahnen unbeleuchtet sind, heißt es weiter. Weil man in den vergangenen Jahren die Autobahnen bundesweit mit Licht reflektierenden Markierungen und Wegweisungen ausgestattet hätte, sei die Beleuchtung mit Masten überflüssig geworden. Vor allem auch durch moderne Scheinwerfer sei die Beleuchtung, die auch für Lichtverschmutzung, Insektensterben und einen erhöhten CO2-Verbrauch sorge, von Zeit und Technik überholt worden.
Trotzdem soll bei den Gesprächen mit dem Bundesverkehrsministerium und dem Berliner Senat die Sicherheit noch einmal von allen Seiten beleuchtet werden. Von Seiten der Autobahn GmbH sei das schon ausreichend geschehen, heißt es. „Natürlich haben wir uns auch intensiv mit den sicherheitsrelevanten Aspekten der Umstellung auf den lichttechnischen Autobahnstandard beschäftigt“, sagt Kerstin Finis-Keck, stellvertretende Direktorin der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH des Bundes.
Tunnel-Beleuchtung in Berlin bleibt an
Dabei könne man auf weitreichende Studien des Berliner Senats zurückgreifen, bei denen nachgewiesen worden sei, dass eine unbeleuchtete Berliner Autobahn genauso sicher sei wie eine mit Beleuchtung. „Auch von dieser Seite her gibt es für uns keine Grundlage mehr, die Berliner Autobahnen nicht auf den lichttechnischen Standard deutscher Autobahnen zu bringen“, so Kerstin Finis-Keck.
Drei Jahre lang hatte der Berliner Senat die Unfallhäufigkeit auf den Autobahnen von 2006 bis 2008 beobachtet und verglichen, ob sich die Unfallzahlen über diesen langen Untersuchungszeitraum verändern. „Das Ergebnis war eindeutig und sehr klar. Die Beleuchtung hat keinen Einfluss auf das Unfallgeschehen“, betont die Niederlassungs-Chefin.
So sah der unabgestimmte Plan der Autobahn GmbH vor, nach den Abschnitten auf der A100 sukzessive auch die Beleuchtung auf der A114 und danach auf der A103 sowie A111 abzuschalten. Ausgenommen sind sämtliche Tunnel-Beleuchtungen sowie Tunnel-Ein- und Ausfahrten.
Doch die Berliner Linken im Abgeordnetenhaus fordern nun in einem Antrag die behördenübergreifende Überprüfung aller Autobahnabschnitte. „Im Ergebnis sollen Abschnitte der Berliner Autobahnen identifiziert werden, die – nach Abwägung aller relevanten Faktoren sowie vorhandener Studien und Gutachten –auch künftig weiter beleuchtet werden müssen, um die Verkehrssicherheit gewährleisten zu können“, heißt es.
Widersprüchliche Studien
Denn die Fraktion verweist auf ein weiteres Gutachten, das 2015 vom Senat in Auftrag gegeben wurde und zu dem Ergebnis komme, dass von 30,6 Kilometern Autobahn in Berlin, die betrachtet wurden, 27,3 Kilometer in jedem Falle weiterhin beleuchtet werden müssten.
„Auch der Bund muss die Berliner Studie kennen, die davon ausgeht, dass aufgrund von hoher Verkehrsstärke und Unfallkostendichte, dichter Abfolge von Anschlussstellen, Störlichtquellen neben der Autobahn, Blendrisiko durch entgegenkommende Fahrzeuge und das überwiegende Fehlen von Standstreifen weiterhin eine Beleuchtung auf einem großen Teil der Berliner Autobahnen notwendig sei“, heißt es in dem Antrag. Der Schritt der Autobahn GmbH müsse daher noch einmal unter Berücksichtigung aller Faktoren sowie vorhandener Studien und Gutachten überprüft werden.
Auch der ADAC fordert, genau hinzuschauen. „Die Entwicklung der Verkehrssicherheitslage auf den Autobahnabschnitten muss sehr genau verfolgt werden, um bei einer Verschlechterung gegebenenfalls reagieren zu können“, betont Leon Strohmaier, stellvertretender Sprecher des ADAC Berlin-Brandenburg. „Aber aufgrund der kurzen Zeit kann es hier noch keine verlässlichen Zahlen geben.“
Generell kann der Automobilklub aber den Entschluss der Autobahn GmbH hinsichtlich Sicherheit, Kosten und Umwelt nachvollziehen. „Das bloße Berufen auf das Gewohnheitsrecht reicht unserer Ansicht nach nicht aus, um die Maßnahmen zu stoppen“, so Strohmaier. Auch vor dem Hintergrund, dass die Beleuchtung von Autobahnen in Deutschland keine Vorschrift sei, sondern im Gegenteil eher selten vorkomme.


