Autodiebstahl in Hohen Neuendorf: Autodieb vor Polen gefasst – so können Sie sich schützen

Der Keyless-Go-Schlüssel (Symbolbild) macht Autodieben das Leben leicht. Die komfortable Funktechnik lässt sich leicht überlisten. In Hohen Neuendorf ist das diese Woche mehrmals passiert.
Uli Deck/dpaFahndungserfolg für die Polizei in Brandenburg. Kurz vor der polnischen Grenze ist in der Nacht zu Mittwoch (17. Januar) ein Autodieb aus Hohen Neuendorf gefasst worden. Der 22-Jährige war mit einem Mercedes-Benz AMG C 43 im Wert von rund 50.000 Euro unterwegs, den er kurz zuvor zusammen mit einem Komplizen gegen 1.35 Uhr im Mädchenviertel in Hohen Neuendorf (Oberhavel) entwendet hatte.
Auf Videoaufnahmen einer Überwachungskamera ist nach Angaben der Polizei zu sehen, wie einer der beiden mit einem Rucksack an der Hauseingangstür steht, während der andere das Fahrzeug öffnet. Offenbar wurde das elektronische Start- und Schließsystem „Keyless Go“ mit einem Computer, der sich im Rucksack befand, geknackt.
Autodieb Richtung Polen unterwegs
Im Rahmen der Fahndung entdeckten Beamte der Bundespolizei das gestohlene Fahrzeug auf der Bundesstraße 2 bei Angermünde, wo es offenbar in Richtung Bundesgrenze unterwegs war. „Als der Fahrer mitbekam, dass die Polizei auf das Auto aufmerksam geworden war, gab er Gas, verlor aber im Bereich der Puschkinallee die Kontrolle über den Mercedes„, teilte Dörte Röhrs, Sprecherin der Polizeidirektion Nord in Neuruppin, am Mittwoch mit. Der Wagen rutschte in einen Straßengraben. Die Beamten nahmen den 22-jährigen Mann, der offensichtlich unter Drogeneinfluss stand, vorläufig fest. Zum Zustand des Fahrzeugs gab es keine Angaben.

Moderne Zeiten: In vielen Fällen haben Schraubenzieher beim Autodiebstahl ausgedient, denn die Langfinger bauen längst auf digitale Hilfsmittel.
Kai Remmers/dpaIn den vergangenen Tagen sind in Hohen Neuendorf vermehrt mit „Keyless Go“ ausgestattete Fahrzeuge entwendet worden. In der Nacht von Montag zu Dienstag (16. Januar) wurden durch bislang Unbekannte in der Frohnauer Straße ein Daimler und in der Irmgardstraße ein Audi gestohlen. Beide Fahrzeuge waren mit „Keyless Go“ ausgestattet. In der Theodor-Storm-Straße sollte offenbar ein weiterer Daimler entwendet werden. Zwei Männer hatten versucht, die Türen zu öffnen, als sie von einer Anwohnerin aufgeschreckt wurden und dann zu Fuß flüchteten.
Ohne Schlüssel starten
„Keyless Go“ beschreibt laut Internetlexikon Wikipedia ein System, um ein Fahrzeug ohne aktive Benutzung eines Autoschlüssels (also „schlüssellos“) zu entriegeln und durch das bloße Betätigen des Startknopfes oder einen Tritt auf die Bremse (bei Elektroautos) zu starten.
Ermöglicht wird das durch Schlüssel mit Chip, den der Fahrzeuglenker mit sich führt.
Das System wurde von der Daimler AG entwickelt.
Vergleichbare Lösungen gibt es unter verschiedenen Marken auch von allen Fahrzeugherstellern.

So kann der elektronische Schüssel im Haus gegen Autodiebe gesichert werden.
Bodo Baumert/dpaTipps der Polizei für „Keyless Go“
Die Polizei rät, Schlüssel nie in der Nähe der Haus- oder Wohnungstür abzulegen. Zudem sollte das Funksignal durch geeignete Maßnahmen abgeschirmt werden, zum Beispiel durch eine Aluminiumfolie, die den Schlüssel umhüllt. „So können die Diebe das Signal des Funkschlüssels nicht über längere Strecken übertragen“, erläutert Dörte Röhrs. Sie rät, einen Selbsttest durchzuführen, indem versucht wird, das Auto selber zu öffnen. „Nur wenn das Fahrzeug sich nicht einmal dann öffnet, wenn Sie den abgeschirmten Schlüssel direkt neben die Fahrzeugtür halten, haben auch die Diebe mit der Überlistung dieser Technik keine Chance“, erklärt die Polizeisprecherin.
Weiter rät sie Autobesitzern mit diesem System, beim Hersteller des Fahrzeuges nachzufragen, ob für das eigene Auto der Komfortzugang temporär deaktiviert werden kann. Manche Hersteller würden am Schlüssel die Funktion bieten, durch zweimaliges Drücken auf die Verriegelungs-Taste am Schlüssel, die Keyless-Funktion auszuschalten.

