Motorendröhnen zeigt an, wo es zum Platz geht, bevor der eigentliche Ort des Stoppelrennens sichtbar wird. Der für diesen Tag zum Parkplatz umgewandelte Acker ist übersät mit Autos. Mit denen, die noch gut sind. So würde es Harald Viek nicht sehen. „Es sind die, die nicht kaputtgehen sollen.“ Denn „gut“ sind die Fahrzeuge, die ihre scharfen Kurven über den Platz drehen, in den Augen ihrer Fahrer natürlich auch, nur eben anders. Dem Golf, der gerade aufheulend vorbeidüst, fehlt zwar das komplette Hinterteil. Aber das ist gewollt und gehört ebenso zum Fahrspaß wie die offenen Hecks. Wer braucht schon eine Autotür, wenn zwei Eisenstangen oder ein Gitter verhindern, dass der Fahrer rausfällt?

1993 startete das Stoppelrennen zum ersten Mal

Der KfZ-Mechanikermeister und Vereinschef Harald Viek, der das Stoppelrennen seit 1993 jedes Jahr mit seinen Mitstreitern vom eigens dafür gegründeten MSV Teschendorf organisiert, schaut zufrieden über den Platz.
Sieht angeschlagen aus, fährt aber zuverlässig: Das Stoppelrennen wirbelt jede Menge Erde auf.
Sieht angeschlagen aus, fährt aber zuverlässig: Das Stoppelrennen wirbelt jede Menge Erde auf.
© Foto: Heike Weißapfel
Überall fröhliche bis gebannte Gesichter. Schätzungsweise weit mehr als tausend Zuschauer sind am Sonnabend zum Stoppelrennen im Ortsteil Teschendorf im Löwenberger Land gekommen. Volksfestatmosphäre, Rummel zum Anschauen. Bier und Brause mit Freunden, ein Soft-Eis mit Kollegen, Sonne von oben, zuschauen, mehr braucht es nicht. Die einen stehen am Rand, andere sitzen an Bierbänken oder haben sich Stühle mitgebracht. Sommerwetter, Zugucken, wie die Erde umherfliegt, Entspannung pur trotz oder gerade wegen des Lärms.

Jedes Auto darf an den Start gehen

Denn hier geht es um nichts, auch wenn drei Fahrzeuge gleichzeitig starten, sobald es die Startflagge anzeigt. Alle fahren als Sieger vom Platz, und wenn doch mal ein Getriebe versagt, wird der Wagen eben runtergezogen.
Harald Viek hat einen Trabi geringfügig zu einem Show Truck ummodelliert.
Harald Viek hat einen Trabi geringfügig zu einem Show Truck ummodelliert.
© Foto: Heike Weißapfel
Wer es ruhiger möchte, setzt sich ein bisschen talwärts an die Kurve, da ist der Lärm etwas entfernter. Der Spaß an der Sache ist für die Fahrenden wie für die Zusehenden das einzige, worum es geht. Es gibt Startnummern, aber es werden keine Zeiten gemessen, und selbstverständlich ist das Rennen typenoffen – auch wenn Marken manchmal nicht mehr so leicht zu erkennen sind. 35 Fahrzeuge starten auf dem Acker, mehr lässt Harald Viek auch nicht gerne zu, weil es dann unübersichtlich wird. Die Fahrer wechseln sich aber teilweise ab.

Aufgemotzt oder abgeranzt - alles ist dabei

Aufgemotzte Autos wechseln mit völlig abgeranzten. Ein motorisierter Mini-Vierrad Marke „Bierkiste“ zieht fast gemütlich seine Bahn.
Der alte Opel Senator macht was her.
Der alte Opel Senator macht was her.
© Foto: Heike Weißapfel
Ein alter Opel Senator mit sechs Auspuffrohren lenkt mit amerikanischer Polizei-Optik alle Blicke auf sich – und wehe nicht! Dann lässt er die Sirene aufheulen. In der Mitte des Platzes thront der Show-Truck, ein Monster-Trabi mit V8-Motor, aber riesigen Reifen. Den hat Viek umgebaut, ebenso wie den Käfer, den sich sein Sohn Markus Weyer gerade schnappt. Sein Motor ist nicht mehr ganz so original wie der des Trabis. Von 38 auf 100 PS umgebaut, lenkt Markus Weyer um die Kurven.

Der Acker wird umgepflügt und wieder geglättet

Vor einigen Wochen stand dort noch das Getreide. Landwirt Toralf Mieth steht das Feld jedes Jahr nach der Ernte zur Verfügung. Sorgfältig geglättet findet er es nach dem Stoppelrennen wieder vor.
Von 38 auf 100 PS: Markus Weyer im Käfer.
Von 38 auf 100 PS: Markus Weyer im Käfer.
© Foto: Heike Weißapfel
Aber auch zwischendurch steigen einige Fahrer aus ihren röhrenden Maschinen auf den Radlader um.
Und so sieht er von hinten aus.
Und so sieht er von hinten aus.
© Foto: Heike Weißapfel
Denn der Acker wird von Subaru, Passat und Smart ordentlich umgepflügt. Dass es in den Vortagen geregnet hat, ist ein Glück für das Stoppelrennen, das bisher fast jedes Jahr wieder eintraf und das Harald Viek deshalb geneigt ist, für höhere Fügung zu halten: „Gott ist ein Stoppelrennfahrer.“ Denn zuviel Staub wäre unangenehm und bei zu trockener Erde hätten die Räder noch mehr durchgedreht.
Ein Maskottchen ohne Scheu: Es ist kein Affe auf dem Schleifstein, sondern ein Häschen auf dem Reifen.
Ein Maskottchen ohne Scheu: Es ist kein Affe auf dem Schleifstein, sondern ein Häschen auf dem Reifen.
© Foto: Heike Weißapfel
Familiensache ist das Hobby sowieso. Neben Vieks Söhnen Markus und Florian ist auch Enkel Fritz schon begeistert bei der Sache.

Kinder dürfen mitfahren

Endlich einmal wieder findet das Stoppelrennen statt, heißt es überall. Nicht zuletzt schätzen die Familien dieser Tage besonders, dass der Eintritt für alle frei ist. So was könnte es ruhig in anderen Orten auch geben, findet Christian Liedemann, der mit seinen Kindern aus Sachsenhausen gekommen ist. „Die Stimmung ist toll“, spricht Robert Jeschke aus Friedrichsthal ganz sicher für viele. „Auch gut“, sagt sein Sohn Anton knapp auf die Frage, wie ihm das Stoppelrennen bisher gefällt, und lässt dabei den Blick nicht von den vorbeiflitzenden Autos. Er würde gerne mitfahren, weiß der Vater. Das geht auch, in einigen Durchgängen dürfen auch die Kinder in die urigen Fahrzeuge klettern und mit den Fahrern ihre Runden drehen.
Was Dirk Wolf macht, traut sich vielleicht aber doch nicht jeder. Reifensurfen. Sollte er vor Angst zittern, sieht das niemand, denn als Maskottchen des MSV hoppelt er auf dem dicken Reifen rasant im Häschenkostüm vorbei.