Bauarbeiten: Müllberg wächst seit zwei Wochen
Wie ein Rohrspatz schimpft Waltraud Sporn von ihrem Balkon im ersten Stock des Mehrfamilienhauses in der Glienicker Hauptstraße. Seit etwa zwei Wochen werden die Tonnen für die gelben Säcke und das Papier nicht mehr abgeholt. „Ich wohne seit 1981 hier. Aber das ist uns noch nie passiert“, sagt die 83-Jährige.
Tatsächlich stapeln sich die Tüten mit den Wertstoffen vor den überfüllten Tonnen auf dem eingeschlossenen Müllplatz des 40-Parteien-Hauses. Auch die Papiertonnen quellen über. Zudem hat sich einiges an Sperrmüll angesammelt. „Die sind einfach nicht zu uns durchgefahren, obwohl sie das dürfen“, gibt Waltraud Sporn den Müllleuten die Schuld. In der Tat gibt es eine Absprache zwischen Baufirma, Gemeindeverwaltung und der Abfallwirtschaftsunion Oberhavel (AWU). Die Müllfahrzeuge dürfen die Baustelle passieren und den Müll entsorgen.
„Das hat anfangs auch funktioniert“, sagt AWU-Geschäftsführer Manfred Speder. „Aber kürzlich war die Durchfahrt mit Baumaterialien versperrt.“ Deshalb konnten die Kollegen den Müllplatz nicht erreichen. Sie mussten unverrichteter Dinge wieder abfahren, da es den Fahrern aus Sicherheitsgründen verboten ist, die tonnenschweren Fahrzeuge rückwärts zu manövrieren. Eigentlich war für Dienstag ein klärendes Gespräch angesetzt. Das wurde nach Angaben von AWU-Chef Speder aber aus Krankheitsgründen von der Baufirma abgesagt. Es soll nun diese Woche noch nachgeholt werden, damit schnell eine Lösung für das Müllproblem gefunden werden kann. „Wir brauchen einfach vernünftige Absprachen, an die sich alle halten. Dann klappt das auch“, sagt Speder.
Bauarbeiten im Zeitplan
Die Bauarbeiten in der Glienicker Hauptstraße sind von den Müllproblemen nur am Rande betroffen. „Sie liegen absolut im Zeitplan“, bestätigt Bauleiter Thomas Buchholz von der Neuenhagener Firma „Kanaro“.
Auf gut 300 Metern Länge wird seit Mitte Juni ein neuer Abwasserkanal im unterirdischen Vortriebverfahren verlegt. Deshalb muss nicht die komplette Hauptstraße aufgerissen werden. Stattdessen werden etwa alle 50 Meter Löcher gebaggert, in die die hydraulische Bohrmaschine herabgelassen wird. Insgesamt sind sieben Gruben notwendig. „Wir kommen sehr gut durch den gelben Sand“, sagt Enrico Raabe von der Spezialfirma Nusch aus Pritzwalk. Bislang ist er in zwei bis drei Metern Tiefe noch nicht auf Findlinge oder andere Hindernisse gestoßen.
Zurzeit wird am Rathaus das Rohr eingebaut. Deshalb ist die Zufahrt zur Verwaltung von heute an gesperrt. Für Anlieger gibt es eine provisorische Überfahrt.
Halteverbot am Schleichweg
Noch bis Ende August ist die Hauptstraße gesperrt. Die Umleitung über B 96, Schönfließer Straße, Breitscheidstraße und Märkische Allee ist ausgeschildert. Ortskundige Autofahrer nutzen aber einen Schleichweg, der hinterm Rathaus an der Baustelle vorbeiführt. Die Verwaltung hat für diese Route größtenteils ein Halteverbot erlassen, damit es nicht zu Staus kommt. Zudem wurden die Luisen- und die Oskarstraße zu temporären Einbahnstraßen erklärt.
Trotz der Sackgassenschilder haben immer wieder Motorradfahrer und sogar Autofahrer versucht, die Baustelle zu durchqueren. „Wir mussten deshalb sogar einen Poller auf den Bürgersteig bauen, um das zu verhindern“, sagt Gabriele Rönsch vom Regiebetrieb Schmutzwasser. Der Poller wird nach den Bauarbeiten wieder entfernt.
Im nächsten Jahr wird die Maßnahme voraussichtlich mit dem dritten Bauabschnitt abgeschlossen. Dann sind die Verkehrsbeeinträchtigungen allerdings weitaus geringer. Gabriele Rönsch hofft, ohne Vollsperrung auszukommen, um den Anschluss an die Druckleitung realisieren zu können. Sie rechnet mit etwa zwei Wochen Arbeitszeit.
Insgesamt investiert die Gemeinde Glienicke 800 000 Euro in den neuen Kanal. Lutz Miethe vom Bauamt hat dabei die Chance genutzt, vier Blindrohre zwischen Rathaus und Schule verlegen zu lassen. „Da sollen später Stromkabel durchgeführt werden“, erklärt der Baufachmann diese Maßnahme.
WeitereEinschränkungen
Wegen der Vollsperrung der Hauptstraße zwischen der Oskarstraße und dem Alten Rathaus sind die Container für Altglas auf dem Parkplatz der Grundschule nicht erreichbar. Alternativ können die Standorte in der Franz-Schubert-Straße (Glienicke-West) und am Fichteplatz (Glienicke-Ost) angefahren werden. Die Einwurfzeiten für Glasflaschen sind werktags von 7 bis 13 Uhr sowie von 15 bis 20 Uhr.
Gebaut wird ab dem 24. Juni an der Ecke Beethovenstraße/Eichenallee. Dort wird die Fahrbahn instandgesetzt. Eine Umleitung erfolgt über die Nebenstraßen. Anlieger haben freie Fahrt bis zur Baustelle. Die Maßnahme dauert bis zum 16. August.⇥zeit


