Bauernprotest an A24, A10, B96
: Was Pendler in Oberhavel zu Blockaden wissen müssen

Auf erhebliche Einschränkungen müssen sich Verkehrsteilnehmer auch in Oberhavel einstellen. Der Bauernprotest stößt in den eigenen Reihen aber auf Kritik.
Von
Jürgen Liebezeit
Oranienburg/Gransee
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„Ist der Bauer ruiniert, wird das Essen importiert!“ steht auf einem Schild, das an einem der Traktoren angebracht ist, die bei einem Bauernprotest auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor stehen. Als Reaktion auf die Sparpläne der Bundesregierung hat der Bauernverband zu einer Aktionswoche mit Kundgebungen und Sternfahrten ab dem 8. Januar aufgerufen. Sie soll am 15. Januar in einer Großdemonstration in der Hauptstadt gipfeln.

„Ist der Bauer ruiniert, wird das Essen importiert!“ steht auf einem Schild, das an einem der Traktoren angebracht ist, die bei einem Bauernprotest vor zwei Jahren landesweit unterwegs waren. Nun gibt ein erneut eine groß angelegte Aktion, von der auch Straßen in Oberhavekl betroffen sind.

Jörg Carstensen
  • Bauernproteste in Oberhavel: Blockaden an A24, A10 und B96 am 8. Januar angekündigt.
  • Fokus der Proteste: Mercosur-Freihandelsabkommen; Existenz der Landwirtschaft bedroht.
  • Ablauf: Blockaden von 7 bis 20 Uhr; Notfälle ermöglichen kurzzeitige Öffnungen.
  • Kritik: Landesbauernverband distanziert sich, Blockaden gelten als nicht zielführend.
  • Hintergrund: Bereits 2024 Proteste in Oberhavel gegen Subventionsstreichungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zahlreiche Bauern aus Oberhavel beteiligen sich am Donnerstag, 8. Januar, an landesweiten Protestaktionen gegen das Mercosur-Freihandelsabkommen zwischen der EU und vier südamerikanischen Staaten.

In Oberhavel sind die Anschlussstellen Kremmen an der A24 sowie Oberkrämer an der A10 betroffen. Das teilte Ronny Müller, Landwirt aus Schwante, mit. Er organisiert die Aktion in Kremmen. „Wir kommen mit 10 bis 15 Traktoren und werden von Handwerkern aus der Region unterstützt“, so der Rinderzüchter.

Weiterhin sollen an der B96 die Anschlussstellen Bärenklauer Weg und Birkenallee blockiert werden. Müller geht davon aus, dass noch weitere Zufahrten am Berliner Ring (A10) von seinen Kollegen gesperrt werden.

Bauernprotest an A24: Bei Fehrbellin soll geöffnet bleiben

Die Protestaktionen sind für den Zeitraum von 7 bis 20 Uhr angemeldet. „Das Abfahren und das Befahren der Straßen ist überall möglich“, so Müller. Für Notfälle würden die Blockaden kurzzeitig geöffnet. Nicht betroffen von der Aktion sei die A24-Anschlussstelle Fehrbellin. Hier soll vor allem den Lkw-Fahrern eine Chance gegeben werden, ihre Touren erledigen zu können. „Ansonsten ist ab Wittstock bis Oberkrämer alles dicht“, kündigt Müller an. Im Nachbarkreis Ostprignitz-Ruppin sind mehrere Anschlussstellen betroffen. In Mecklenburg-Vorpommern sind alle Autobahnen betroffen.

Aufgerufen zu der Protestaktion hat der Verein „Land schafft Verbindung MV“. Die Aktionen seien ein Weckruf an Politik und Gesellschaft. Wenn jetzt nicht gehandelt werde, drohe ein unumkehrbarer Strukturwandel in der Landwirtschaft, heißt es in einer Mitteilung.

Kritik von Kollegen: „Blockaden sind nicht zielführend.“

Der Landesbauernverband Brandenburg (LVB) distanziert sich von den Kundgebungen. „Autobahnzufahrten sind kein guter Ort für den berechtigten Protest der Landwirte gegen die aktuelle Agrarpolitik. Mercosur würde zwar – oberflächlich betrachtet – die wirtschaftliche Situation bei den Landwirten verschärfen. Die Ursachen liegen jedoch tiefer, und genau hier setzt die Arbeit der Bauernverbände an“, reagierte LVB-Präsident Henrik Wendorff in einem Pressestatement auf die Aktionen. Eine Behinderung der Menschen und der Wirtschaft auf dem Weg zur Arbeitsstätte, zur Schule oder zum Kindergarten sei nicht zielführend.

Ähnlich sieht das auch angesichts des eisigen Winterwetters der Kreisbauernverband Oberhavel. „Wir machen da bei dem Schneechaos nicht mit“, sagt Nils Fischer, Mitglied im Kreisvorstand Oberhavel. „Das sind nicht die richtigen Mittel“, erklärt dazu Kreisgeschäftsführer Ralph Wittwer. „So wird nur die Bevölkerung gegen uns aufgebracht“, befürchtet er.

Das tangiert Ronny Müller aus Schwante nicht. „Wir sind schon lange nicht mehr in dem Verband“, so der Schwantener, der sich von der Organisation nicht mehr vertreten fühlt. Er protestiert erneut, weil er  die Existenz der deutschen Landwirtschaft bedroht sieht.

Zuletzt gab es in Oberhavel 2024 Protestaktionen an Autobahnzufahrten und wichtigen Verkehrsknotenpunkten. Damals wurde unter anderem gegen die Streichung von Subventionen beim Agrardiesel demonstriert.

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