Baustelle: Neue Dropebrücke schwebt ein
Danach steht das Meisterstück an. Die vier 20 Meter langen und 38 Tonnen schweren Spannverbundträger für den mittleren Brückenabschnitt müssen auf die neu errichteten Pfeiler gehievt werden. Das schafft wegen des Gewichts und der größeren Ausladung einer der beiden 500-Tonnen-Kräne nicht allein. Also müssen beide ran. Mit einem sogenannten Tandemhub. Routiniert und optimal aufeinander abgestimmt, bewegen die Kranführer in ihren Kabinen scheinbar spielerisch die gigantische Technik, fahren das Hebezeug weiter aus, um es damit in die Nähe der vormontierten Anhängevorrichtung auf den Trägern zu bringen. Monteure kraxeln über die schmalen Träger, aus deren Betonummantelungen noch reichlich Verbundstahl herausragt. Sie greifen nach den Hubseilen des Krans und verschrauben die Schäkel fest mit der Anhängevorrichtung.
Vorsichtig und gleichmäßig heben beide Kranführer die schwere Last an, drehen sie in die richtige Richtung, schwenken sie behutsam über die Havel und langsam auf die vorgesehene Position. Erst nach Anweisung der Monteure senken sie die Träger ab. Zuweilen kostet das etwas mehr Zeit, weil kleinere Korrekturen nötig sind, um die vorgefertigten Träger millimetergenau auf ihren Aufliegepunkten zu platzieren.
Die Spezialträger, die vom Sonderstahlbau Zwickau gefertigt wurden, sind leicht gewölbt, stehen unter Spannung. Werden nächste Woche Verbundplatten zwischen diesen zwölf Tragwerken angebracht und das Ganze mit Beton vergossen, geben die Träger in ihrer Mitte leicht nach, sodass sie eine gerade Fläche bilden. „Das ist seit vielen Jahren eine ganz bewährte und sichere Technik und alles ist natürlich genau berechnet“, sagt Bauüberwacher Sven Martin.
Tiefbauamtsleiter Stefan Gebhard ist zuversichtlich, dass die Montagearbeiten trotz eines vorübergehenden Dauerregens wie geplant über die Bühne gehen. Am späten Nachmittag ist alles getan, alle Träger sind an ihren vorgesehenen Punkten eingebaut. „Wir liegen mit der Baustelle jetzt insgesamt gut im Zeitplan“, sagt Stefan Gebhard. Die Konturen der an beiden Brückenseiten noch auszubauenden Saarlandstraße lassen sich bereits gut erkennen. Zu einem Großteil ist der Fußweg in Richtung Robert-Koch-Straße bereits gepflastert, Borde sind gesetzt, die Führung der Radwege ist sichtbar. Auf beiden Ausbauabschnitten ist jeweils noch eine Querungshilfe geplant. Natürlich wurden zuvor neue Schmutz- und Regenwasserkanäle angelegt.
Den ursprünglichen Plan, den unaufschiebbaren Neubau der erst 30 Jahre alten Dropebrücke in nur einem Jahr zu bewerkstelligen, musste die Stadt aufgeben, als sich herausstellte, dass die beiden Brückenpfeiler wegen Betonkrebs nicht mehr genutzt werden konnten. Sie wurden bis auf ihre Fundamente abgebrochen und komplett neu aufgebaut. Das kostete mehr Zeit und Geld. Stefan Gebhard geht aber davon aus, dass die nachgeschossenen Mittel ausreichen werden. Jetzt ist von Gesamtkosten in Höhe von 4,1 Millionen Euro für die neue Brücke und die Teilstücke der Saarlandstraße die Rede.
Spätestens im Januar 2020 sollen die neue Dropebrücke und die noch auszubauenden Abschnitte der Saarlandstraße dem Verkehr übergeben werden. Die Saarlandstraße ist eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt, die gewöhnlich von 14 000 Kraftfahrzeugen täglich frequentiert wird. Ihre Sperrung, die inzwischen schon fast ein Jahr anhält, sorgt namentlich im Berufsverkehr für lange Staus in der Stadt. Betroffen davon sind vor allem die Schlossbrücke, Bernauer und Berliner Straße und auch die Stralsunder Straße.




