Sie sind weiß, 30 Meter lang, sauteuer und seit Montag die neuen Schulräume für die 3a und die 3b der Goethe-Grundschule in Kremmen. Die erstaunte Aussage über die Ausgaben für die Container wird von Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse vehement bestätigt. Die Gesamtkosten liegen bei 370.000 Euro und nach drei Jahren müssen die Container wieder abgegeben werden (siehe Hintergrund) - denn sie sind nur gemietet.
Allein für die Miete werden 310.000 Euro berechnet. Der Rest ging für die Anschlüsse, Planung und Vergabe drauf.

Umzug sollte Mitte September sein

Den Schulkindern ist das egal. Sie freuen sich über den Umzug, haben sogar ein Gedicht darüber verfasst und ein Dankeschön auf ihre T-Shirts gemalt. Als Busse mit einer Glocke feierlich zur ersten Stunde läutet, nehmen sie ihre beiden Räume mit neuen Stühlen, Tischen und einer recht kleinen Tafel sofort in Beschlag, ihre unverwechselbaren Türbilder und die Hausordnung wurden umgehend angebracht. Vorher hatten die Drittklässler vorübergehend in Fachräumen Platz gefunden. Denn eigentlich war der Umzug schon vor acht Wochen geplant gewesen.

Gebrauchte Container geliefert

Zunächst war wegen der hohen Kosten eine europaweite Ausschreibung notwendig geworden, was alles um vier Wochen verzögerte. Dann hatte die Containerfirma nicht geliefert, was sie sollte, erläutert der Bürgermeister. „Die Container waren gebraucht, nicht neuwertig, wie ausgeschrieben“, so Busse. Man einigte sich schließlich. Für den Laien sind auf den ersten Blick keine Gebrauchsspuren zu erkennen. Doch die Container wirken fehl am Platz, eher wie Büros einer Baufirma, die Hochhäuser hochzieht. Auch die unmittelbare Nähe zum Parkplatz der Stadtparkhalle machen sie nicht gemütlicher.

Nächstes Jahr wird aufgestockt

Drei Jahre bleiben diese Behelfsschulklassen bestehen. 2021 wird aufgestockt für zwei weitere Räume. Im Sommer 2024 soll der geplante dreigeschossige Anbau für die Goethe-Schule fertig sein, mit Platz für alle. Soll. Der geplante Würfelbau mit Laubengang zum Haupthaus aus dem Jahr 1975 ist erst einmal nur ein Entwurf. Immerhin sind im Kremmener Haushalt 200.000 Euro für die Planung eingestellt. Doch allein schultert die Stadt den Bau mit vorsichtig geschätzten 3,5 Millionen Euro nicht. Bürgermeister Busse setzt auf die finanzielle Unterstützung durch den Landkreis. Da hat der Kreistag dann mitzureden.

Acht zusätzliche Klassen gebraucht

Aber Kremmen wächst, der Nachwuchs will beschult werden. Doch mit dem Anbau werde schon jetzt nur der aktuelle Bedarf gedeckt, sagt Grundschulleiterin Annette Borchert. „Der Bedarf sind die jetzigen Zahlen“, sagt sie am Montag. Aktuell lernen an der Goethe-Grundschule 260 und an der Goethe-Oberschule 200 Kinder. Acht Klassen mehr werden gebraucht. Die Hälfte erschließen sich aus den Geburtszahlen, die andere Hälfte wird benötigt, weil der Brandschutz es so will. Denn einigen Klassenräumen im Haupthaus fehlt der ausreichende Platz für einen vorgeschriebenen zweiten Fluchtweg.

Problemfall Turnhalle

„Noch ist Platz genug“, beruhigt die Schulleiterin. Aber nur, weil maximal zwölf Tische für 24 Kinder in den Klassen stehen. Kommt Kind Nummer 25 hinzu, was theoretisch möglich ist in der Goethe-Schule – und Kremmen wächst –, dann muss Tisch Nummer dreizehn aufgestellt werden, doch dann wird der Fluchtweg versperrt. Also muss angebaut werden. Kremmen hat sich dafür auf den Weg gemacht.
Nächstes Problem: die Turnhalle. Da hat schon lange kein Kind mehr Sportunterricht gehabt. „Die Halle wird jetzt saniert“, sagt der Bürgermeister. Wieder so ein teures Projekt: 2,7 Millionen Euro.

Hintergrund


Als Kremmens Stadtverordneten den Haushalt für 2020 planten, stellten sie 40 000 Euro für zwei zusätzliche Container-Klassenräume für die Goethe-Grundschule ein.

Doch der Bedarf war aber höher. Nicht zwei, vier Klassenräume wurden benötigt.

Das jagte die Kosten in die Höhe. Geschätzt wurden die Gesamtkosten für Aufbau und Miete der Container belief für zwei Jahre auf mehr als 250.000 Euro. Jetzt sind es für drei Jahre 370.000 Euro.

Um das Geld zusammen zu bekommen, wurden Mittel umgeschichtet und Veranstaltungen wie „Kremmen läuft“, das Drachenbootrennen und das Erntefest gestrichen.