Bis auf einen guten Hektar Wald, der für eines der größten Investitionsvorhaben der sozialen Infrastruktur in der Stadt Oranienburg gefällt werden musste, ist vor Ort noch nicht viel zu sehen. Gemeint sind die Pläne für den Bau einer zweizügigen Grundschule auf dem Gelände des Sportplatzes Friedrichsthal. Die Stadtverwaltung hat ihre Hausaufgaben gemacht, mit Forst- und Naturschutzbehörden, dem Sportverein SV Friedrichsthal verhandelt, einen Generalplaner für das 18-Millionen-Euro-Projekt beauftragt und legt jetzt dessen fertige Pläne dem Ortsbeirat und dem Bauausschuss vor.

Neuer Trainingsplatz wird zuerst gebaut

In drei Bauabschnitten und zwei flankierenden Tiefbaumaßnahmen soll das Vorhaben in den kommenden zwei Jahren realisiert werden. „Wir werden mit dem Neubau des Ersatz-Trainingsplatzes beginnen“, sagt Heidrun Gassan, Leiterin des städtischen Amtes für Grundstücks- und Gebäudewirtschaft. Das ist deswegen nötig, um dem SV-Friedrichsthal alle Trainingsmöglichkeiten zu erhalten. Denn auf der Fläche des bestehenden Trainingsplatzes wird der Schulneubau entstehen.
Mit dem Bau des neuen Trainingsplatzes soll noch im November begonnen werden, wenn bis dahin die Baugenehmigung vorliegt. „Sollte das Wetter mitspielen, könnte der neue Platz neben dem bestehenden Spielfeld auf der gerodeten Waldfläche schon im Januar 2021 fertiggestellt werden“, hofft Heidrun Gassan.

Stellplätze für Fahrräder und Autos

Die Ausschreibung für den Rasen-Trainingsplatz soll mit dem Bau der Stellplätze für Schule und Sportbetrieb gekoppelt werden. 50 Pkw-Stellplätze sind an der Friedrichsthaler Chaussee, auf der später Tempo-30 angeordnet wird, geplant. Auch 200 Stellplätze für Fahrräder sind vorgesehen. Die Straße wird vor der Schule außerdem so umgebaut, dass dort zwei Bushaltestellen und eine Querungshilfe (Mittelinsel) geschaffen werden können.
Der dreigeschossige, gut 17 Meter breite Schulneubau wird sich auf einer Länge von rund 77 Metern entlang der Friedrichsthaler Chaussee erstrecken. Dort befindet sich auch der Haupteingang der neuen Schule. Über einen Windfang erreicht man das Foyer und den An- und Abmeldebereich für den Hort. Dessen Räume befinden sich im südlichen Abschnitt des Erdgeschosses.

Musikraum wird zur Bühne

Im Zentrum des Gebäudes liegt die Aula, die aus der schmalen Gebäudekubatur gewissermaßen ausbricht und sich zum Schulhof hin mit großzügigen Glasflächen erweitert. Sie ist auch Mensa und bietet bis zu 120 Sitzplätze. Auf der einen Seite schließt sich der Musikraum an, der auch zur Bühne für Veranstaltungen in der Aula umgewandelt werden kann. Auf der anderen Seite liegt die Ausgabeküche. Der WAT-Raum sowie die Räume und Büros von Hausmeister und Ortsvorsteher sowie noch eine Lehrküche befinden sich ebenfalls im Erdgeschoss. Wie auf allen Etagen, gibt es dort auch die nötigen Sanitärbereiche.

Von Tageslicht durchflutet

Über einen Aufzug wird der Neubau natürlich ebenfalls verfügen und dadurch Barrierefreiheit garantieren. Das Haupttreppenhaus liegt vor der Aula, zwei Fluchttreppenhäuser gibt es im nördlichen und südlichen Gebäudeteil. Besondere Akzente im Foyer dürfte der großzügige Luftraum setzen, der sich über alle Geschosse erstreckt und über eine Verglasung Tageslicht in das Gebäude fluten lässt.
Sechs Klassenräume mit drei Teilungsräumen für die ersten drei Schuljahrgänge befinden sich im ersten Obergeschoss. Dort sind auch die Bibliothek, der Kunst- und Naturwissenschaftsraum sowie Räume für Sonderpädagogik und Schulsozialarbeit untergebracht.
Die Klassen 4 bis 6 finden ihre sechs Räume im zweiten Obergeschoss. Dort liegen auch die Räume für die Schulleitung, das Sekretariat, das Lehrer- und auch ein Inklusionszimmer. Der Zugang zur Dachterrasse befindet sich ebenfalls dort. Eine Photo-Voltaikanlage auf dem Dach soll einen Großteil des benötigten Stroms liefern.

Ein Quantensprung

Für die Grundschule Friedrichsthal kommt der Neubau einem Quantensprung gleich. Ihre jetzige Unterbringung in mehreren alten Gebäuden und Containern sowie in beengten Räumen ist schon seit Jahren nicht mehr zeitgemäß. Deswegen ist die Vorfreude auf den neuen Schulkomplex, der im August 2022 in Betrieb genommen werden soll, riesig.

Sportler benötigen ein neues Vereinsheim

Noch nicht ganz so erfreut ist der SV Friedrichsthal. Zwar soll auch die marode Sporthalle neu errichtet werden. Die geschätzten Kosten von 4,3 Millionen Euro sind in der Gesamtsumme für den Schulkomplex von 18,2 Millionen Euro bereits enthalten. Doch liegt dafür die Machbarkeitsstudie noch nicht vor. Geklärt werden muss außerdem die Zukunft des Vereinsheims. Es sollte nach den Vorstellungen von Ortsvorsteher Jens Pamperin (CDU) möglichst an die neue Turnhalle angedockt werden, um auf diese Weise auch Synergieeffekte zu erzielen.
Amtsleiterin Heidrun Gassan: „Auch dafür werden wir noch eine Lösung finden“, blickt sie optimistisch nach vorn. Priorität habe aber erst einmal der Schulneubau.

Umfangreiches Bauprogramm


Neben der zweizügigen Grundschule in Friedrichsthal, die einschließlich einer neuen Sporthalle gut 18 Millionen Euro kosten soll, plant die Stadt Oranienburg noch den Neubau einer dreizügigen Grundschule in der Weißen Stadt. Die Kosten werden dort derzeit auf rund 19 Millionen Euro geschätzt. Allerdings ist dieses Vorhaben in der Finanzplanung noch nicht vollständig ausfinanziert.

Mit dem Friedrichsthaler Neubauvorhaben befassen sich am 16. September der Ortsbeirat Friedrichsthal (19 Uhr, Speiseraum der „alten“ Grundschule) und am 23. September der Bauausschuss (18 Uhr, Orangerie im Schlosspark).