Bildung: Hohen Neuendorfs Bibliothek auf dem Weg zum öffentlichen Wohnzimmer

Frühlingslektüre: Hoffentlich ist das Frühjahr nicht vorbei, bis Maria Fentz die Tür der Stadtbibliothek wieder öffnen kann.
Heike WeißapfelNicht, dass die Stadtbibliothek viel Werbung nötig hätte. Außerhalb von Corona-Krisenzeiten ist sie ein beliebter Ort. Im Sozialausschuss hat die Bibliothekschefin Maria Fentz für ihren Jahresbericht vor einigen Wochen viel Beifall bekommen – für die Zahlen aus dem vergangenen Jahr, aber auch für ihre zupackende Art und die frischen Ideen, die die noch neue Leiterin künftig umsetzen will.
Maria Fentz selbst hatte ihrerseits ein großes Lob für die Arbeit der Kolleginnen und für die Stadt, die diese Arbeit so ermöglicht: „Diese Zahlen von Veranstaltungen kenne ich sonst nur von großen Bibliotheken“, sagte sie über die vielen öffentlichen Lesungen und andere Events, die in der Hauptbibliothek und in den Schulbibliotheken regelmäßig stattfinden. Maria Fentz war im Sozialausschuss die Begeisterung für ihren Job anzumerken. „Ich hab’ Lust zu gestalten. Deshalb hab’ ich mich hier beworben.“ Sie berichtete über Ausleih- und Nutzerzahlen und hatte den Jahresbericht von 2019 mit Bildern und Grafiken locker aufbereitet.
165 651 Ausleihen
Wie stets sind die Stadtbibliothek und die Schulbibliotheken demnach gefragt und viel frequentiert. Die Nutzerzahl ist zwar im vergangenen Jahr lediglich um 20 auf 2 391 gestiegen, doch ein Aufwärtstrend ist es trotzdem. 165 651 Medien gingen über die Ausleihtheken. Filme, Hörspiele, Musik und Spiele werden dabei häufiger verlangt als Bücher. Dies sei ein Zeichen dafür, dass es in der Bibliothek nicht nur um Bildung gehe, sondern auch um die Freizeitgestaltung, erläuterte Maria Fentz.
Die Kinderliteratur bildet die zweitstärkste Mediengruppe, und die Kinder sind mit 1 400 aktiven Konten auch die stärkste Lesergruppe. Die im vergangenen Jahr erstmals angeschafften 54 Tonies – kleine Figuren, die Hörspiele beinhalten und auf Abspielkonsolen gestellt werden – seien sehr beliebt.
Es gibt aber seit vier Jahren auch die Möglichkeit, eBooks, eMagazine und eAudios für mobile Geräte im Onleihe-Verbund Oberhavel zu nutzen. Das tun nur die Oranienburger in ihrer Bibliothek noch öfter als die Hohen Neuendorfer.
Engagiertes Team
„Hohen Neuendorf ist immer sehr speziell“, erklärte Maria Fentz, allein schon durch die Bibliotheken an jeder Grundschule der Stadt, wo die Bibliothekarinnen für Vielseitigkeit sorgen. „Das Team ist so engagiert, es ist eine wahre Freude, mit den anderen zusammenzuarbeiten“, sagt Maria Fentz. Sie packt eine große Aufgabe an: Das Bibliothekskonzept stammt von 2013 und soll neu gefasst werden. Einzelheiten gibt es noch keine, aber die grobe Richtung steht schon fest: Die Bibliothek soll neben Lesungen und Vorträgen noch mehr zu einem öffentlichen Wohnzimmer der Stadt werden, zu einem Treffpunkt für alle Generationen. Neben dem Bildungsschwerpunkt soll der Freizeitaspekt in der Bücherstube stärker hervortreten, beispielsweise mit vielfältigen kulturellen Veranstaltungen und neuen Medien.
Auch in der zwangsweise geschlossenen Bibliothek ist viel zu tun. Auf Maria Fentz’ Tisch zu Hause liegt derzeit – abgesehen von Julien Barnes „einziger Geschichte“ – weniger Belletristik als Fachliteratur über Bibliotheksmanagement und Konzeptplanung. „Ich erstelle das Grundgerüst. Wir müssen sehen, welche Trends es gibt und was gut zu Hohen Neuendorf passt. Nach und nach soll sich aus Teilkonzepten ein Ganzes zusammensetzen.“
Dabei sind übrigens auch die Nutzerinnen und Nutzer selbst gefragt. Maria Fentz hat eine Pinwand vorbereitet und sammelt bereits erste Vorschläge, was sich Jugendliche und Erwachsene von ihrer Bibliothek wünschen. „Eine Diskussionsrunde über ein bestimmtes Buch im Online-Forum“, ist eine Idee, das eigene Schreiben in einer Schreibwerkstatt zu fördern, eine andere. Freies Wlan wird ebenfalls gewünscht.
Den Sozialausschuss hat Maria Fentz bereits überzeugt. Sie könne sich vorstellen, dass irgendwann der Wasserturm für Bibliothekszwecke genutzt werden könnte, sagte Jutta Lindner (SPD) und bezog sich dabei auf Schüler-Ideen vom Marie-Curie-Gymnasium, die diese kürzlich vorgestellt hatten. Bürgermeister Steffen Apelt (CDU) sieht die Entwicklung der Bibliotheken optimistisch. Er lobte die erfrischende Expertise der Leiterin. Räumliche Veränderungen werde es künftig auf jeden Fall geben, sagte er mit Blick auf die Erweiterung der Waldgrundschule, den Borgsdorfer Schulcampus und den Kulturbahnhof.
Künftig veränderte Öffnungszeiten
Die Öffnungszeiten werden zurzeit überarbeitet. Da Maria Fentz festgestellt hat, dass abends nur wenige Nutzer kommen, soll künftig nur noch an einem Tag bis 19 Uhr geöffnet sein. Dadurch fallen drei Öffnungsstunden weg. Die Bibliothekarinnen arbeiten dadurch aber nicht weniger. Sie nutzen die Zeit für andere dringende Aufgaben.
Zwei Schließtage in der Woche wird es weiterhin geben. Um Missverständnissen vorzubeugen, sollen die Öffnungszeiten der Schulbibliotheken in den Zweigstellen künftig einheitlich sein.
Noch gelten keine neuen Öffnungszeiten. Diese müssen erst noch beschlossen werden.⇥hw