Blitzermarathon in Oberhavel
: Polizei stoppt in Schönfließ Urlaubsfahrt nach Schweden

Bei der bundesweiten Speedweek hat die Polizei im Landkreis Oberhavel zahlreiche Verkehrssünder erwischt. Das sind die Ausreden der Raser.
Von
Jürgen Liebezeit
Oranienburg
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Bitte anhalten: Polizeihauptkommissar Christian Wieczorek geleitet einen Verkehrssünder zur Kontrollstelle in Schönfließ. Mehrfach ist die vorgeschriebene Geschwindigkeit überschritten worden, manchmal schon recht drastisch.

Bitte anhalten: Polizeihauptkommissar Christian Wieczorek geleitet einen Verkehrssünder zur Kontrollstelle in Schönfließ. Mehrfach ist die vorgeschriebene Geschwindigkeit überschritten worden, manchmal schon recht drastisch.

Jürgen Liebezeit
  • Polizei kontrollierte Geschwindigkeiten im Landkreis Oberhavel im Rahmen der bundesweiten Speedweek.
  • Vater mit 96 km/h (erlaubt: 70) und Mutter mit 98 km/h unter Temposündern – Bußgelder und Punkte folgen.
  • Motorradfahrer ohne Papiere musste Urlaubsfahrt nach Schweden abbrechen und nach Hause zurückkehren.
  • In Zehdenick: 15 Fahrer missachteten Tempo 30, Spitzenreiter knapp an Fahrverbot vorbei.
  • Polizei will mit Präventionsgesprächen und Kontrollen auf Raser einwirken, Aktion läuft bis 10. August 2025.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In der Polizeidirektion Nord stand am Mittwoch (6. August 2025) bei der bundesweiten Speedweek der Landkreis Oberhavel im Visier. An mehreren Stellen kontrollierten Polizisten den Verkehr. Sie kamen zu teilweise erstaunlichen Ergebnissen.

Schon morgens um 8 Uhr wurde am Ortseingang von Schönfließ an der L30 das Lasergerät aufgebaut. In der leicht abschüssigen Alleestraße gilt Tempo 70. Das haben mehrere Fahrer ignoriert. Den Tageshöchstwert auf der L30 hat mit 96 Kilometer pro Stunde ein Vater erreicht.

Seine Erklärung: „Ich wollte mich noch von meinem Sohn am Bahnhof in Hohen Neuendorf verabschieden. Der fährt gleich in Urlaub.“ Ihn erwartet nun Post von der Bußgeldstelle in Gransee. Weil er nach Abzug der Toleranz außerorts mit 26 Kilometern pro Stunden zu schnell unterwegs war, muss er zusätzlich zur Verwaltungsgebühr 150 Euro Bußgeld zahlen. Außerdem bekommt er einen Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg. Seinen Sohn hat er an diesem Tag wohl nicht mehr gesehen.

Blitzer-App behindert Kontrollen zur Prävention

Ähnlich eilig hatte es eine junge Mutter mit zwei Kindern im Auto. Sie war mit 98 Kilometern pro Stunde gelasert worden. „Ich bin unbewusst zu schnell gefahren“, räumte sie unumwunden ein.

Beide hatten offenbar keine Blitzer-App auf dem Handy. Denn in einer dieser nicht erlaubten Warn-Apps wurde schon drei Minuten nach dem Start auf die „Mausefalle“ in Schönfließ hingewiesen. Das ist den Polizisten vor Ort zugerufen worden. Trotzdem sind bei mehr als 250 Messungen insgesamt sechs Temposünder überführt worden.

Alles im Blick: Polizeihauptkommissar Stefan Neumann misst an der L30 in Schönfließ die Geschwindigkeit der Fahrzeuge.

Alles im Blick: Polizeihauptkommissar Stefan Neumann misst an der L30 in Schönfließ die Geschwindigkeit der Fahrzeuge.

Jürgen Liebezeit

Dankbar zeigte sich dagegen ein Motorradradfahrer, der mit seiner voll bepackten Maschine in Schönfließ angehalten wurde. Der Berliner wollte die Fähre in Rostock erreichen und nach Schweden übersetzen. „Wild campen“, nannte der Hermsdorfer kurz seinen Urlaubsplan. Doch davon riet ihm Polizeihauptkommissar Christian Wieczorek ab.

Biker muss zurück nach Hause fahren

Nicht, weil das Übernachten in der Wildnis womöglich gefährlich ist. Vielmehr hatte der Motorradfahrer seine Papiere zu Hause liegengelassen. Das hätte eine komplizierte Reise werden können. Wieczorek ermahnte den Biker und schickte ihn zurück nach Hause. Kurze Zeit später passierte er ohne Halt die Kontrollstelle ein zweites Mal. Lässig grüßt er mit dem Victory-Zeichen.

Die Messstelle ist bewusst gewählt. Zum einen sind diesen Sommer verstärkt Kontrollen auf Straßen mit Allee-Charakter geplant, zum anderen hat sich Anfang 2024 etwa an der Messstelle, an der sich die Polizei stationierte, ein tödlicher Unfall ereignet.

Kontrolle am Altenheim: Überraschende Ergebnisse in Zehdenick

Überrascht waren die Revierpolizisten am Mittwoch in Zehdenick, wo sich die Laser-Gruppe am frühen Vormittag auf Höhe des Altenheims an der Clara-Zetkin-Straße positioniert hatte. Dort gilt tagsüber Tempo 30. 15 Verkehrsteilenehmer missachteten innerhalb von gut zwei Stunden die Geschwindigkeitsbegrenzung. Der unrühmliche Spitzenreiter war gut doppelt so schnell unterwegs wie erlaubt.  Er raste knapp an einem einmonatigen Fahrverbot vorbei.

Vorbildlich verhielten sich dagegen die Verkehrsteilnehmer in Neulöwenberg, wo am späteren Vormittag in beide Richtungen gemessen wurde. „Wir haben nicht einen Überflieger“, sagte Revierpolizist René Benthin, der dadurch viele Gelegenheiten hatte, Vorbeifahrende, die er von seiner Arbeit her kannte, zu grüßen. Jochen Twelker nutzte dann auch gleich die Gelegenheit, um eine Kontrolle am Ortseingang von Grüneberg zu bitten. „Da rasen alle in unseren Ort rein“, beklagte er. Die Polizei will das bald prüfen.

Verstärkter Zugverkehr als Verkehrsberuhigung?

Eine mögliche Erklärung für die disziplinierte Fahrweise hat Benthin auch: „Die Schranken am Bahnübergang in Neulöwenberg sind seit Beginn der Generalsanierung zwischen Hamburg und Berlin noch häufiger unten. Das bremst den Verkehrsfluss erheblich“, ist seine Theorie. Mit Beginn der Generalsanierung fahren die neuen Regionalbahnlinien RE85  und RE6 (Prignitz-Express) zusätzlich durch Neulöwenberg. Zudem sind mehr Güterzüge unterwegs, die Baumaterial für die Großbaustelle anliefern.

Die Brandenburger Polizei geht noch bis Sonntag (10. August 2025) in einem Blitzermarathon verstärkt gegen Raser vor. „Da nicht angepasste Geschwindigkeit nach wie vor die Verkehrsunfallursache mit den meisten Verkehrsunfalltoten im Land Brandenburg ist, wird die Einhaltung der Geschwindigkeit im Fokus der Verkehrsüberwachungsmaßnahmen stehen“, erklärt Joachim Lemmel, Sprecher der Polizeidirektion Nord, das Engagement der Polizei. Ein Großteil der Kontrollen werde im Anhalteverfahren durchgeführt, um durch Präventionsgespräche nachhaltig positiv Einfluss auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer zu nehmen, so der Sprecher.