Die Freilegung der am Lehnitzer Inselweg vermuteten Bombe könnte sich über Monate hinziehen. Anders als zunächst befürchtet, müssen die Nachbarn des betroffenen Grundstückes ihre Häuser für die Zeit der Grundwasserabsenkung aber nicht verlassen.
Ursprünglich war die Stadtverwaltung davon ausgegangen, 19 Grundstücke evakuieren zu müssen. Davon wären 30 Menschen betroffen gewesen. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) will bis zum 10. September klären, ob es sich bei dem georteten metallischen Gegenstand tatsächlich um eine Bombe handelt.

Ordnungsamtsleiterin ist erleichtert

Oranienburgs Ordnungsamtsleiterin Sylvia Holm zeigte sich am Mittwoch bei einem Vor-Ort-Termin mit Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) und Dezernentin Stefanie Rose (Linke) erleichtert. „Hier leben Familien mit Kindern, aber auch pflegebedürftige Menschen, für die wir eine Alternative hätten suchen müssen“, sagte Sylvia Holm. Für die meisten Anwohner wären freie Ferienwohnungen infrage gekommenen.

Splitterschutzwand im Vorgarten

Die Ausweichquartiere sind nun aber nicht mehr nötig. Einige Nachbarn opfern jetzt ihre Vorgärten, damit weitere Container aufgestellt werden können. Die Splitterschutzmauer wird nun um die gesamte Bombensuchstelle herumgebaut. Nach Auskunft von Sylvia Holm sichere ein weiterer Containerwall den Verkehr auf dem Oder-Havel-Kanal ab.
Die Schifffahrt soll anders als beim Bombenfund auf der Oranienburger Uferseite am Treidelweg ohne Einschränkungen den Kanal passieren können. Auch der Betrieb des direkt angrenzenden Wassersportzentrums Oranienburg soll nahtlos weiterlaufen.

Containermauer kostet 100.000 Euro

Allein für die Containerwände ist der Aufwand enorm. Die Oranienburger Firma Peter Tiefhoch hat etliche Tonnen Recyclingschutt auf dem Grundstück planiert, um für einen stabilen Untergrund zu sorgen. Die rund 30 Hochseecontainer hat der Altreifenrecycler Genan zur Verfügung gestellt.
Die Container werden bis kommenden Dienstag vom Fuhrbetrieb Fromm nach Lehnitz gebracht. Die Splitterschutzmauer schlägt mit rund 100.000 Euro zu Buche. Bürgermeister Laesicke hat die Kostenübernahme in der vergangenen Woche unterschrieben. „Ich musste eine schnelle Entscheidung treffen und habe sie im Sinne der Anwohner getroffen“, erklärte er.

Entschärfungstermin bis Weihnachten

Unklar ist, wie lange die Freilegung im Falle eines Bombenfundes dauert. „Theoretisch könnten wir das in sieben bis acht Tagen schaffen“, sagte KMBD-Truppführer Heino Borchert. Praktisch wird eine etwaige Entschärfung aber eher in Richtung Weihnachten wahrscheinlich. „Wir gehen von einem Termin im vierten Quartal bis zum Jahresende aus“, sagte Ordnungsamtsleiterin Holm.
Denn das Grundstück befindet sich fast am Oder-Havel-Kanal, die mögliche Bombe liegt in viereinhalb Metern Tiefe. Das Grundwasser müsste bei einer Freilegung auf sieben Meter Tiefe abgepumpt werden. „Dafür brauchen wir Spezialfirmen und spezielle Technik. Beides ist nicht immer kurzfristig zu bekommen“, sagte Borchert.

Grundwasser wird langsam abgesenkt

Ordnungsamtsleiterin Sylvia Holm betonte vor Ort, dass das Grundwasser behutsam abgesenkt werden müsse, damit der Untergrund der bebauten Gegend nicht instabil werde. Allerdings sind viele Gebäude in der ufernahen Gegend auf Pfähle gegründet.

Einige Bombenfunde in der Umgebung

Noch gibt es Hoffnung, dass es sich bei der Anomalie nur um etwas Schrott handelt. Sowohl der KMBD als auch die Stadtverwaltung halten eine Bombe für wahrscheinlich. „Die Gegend gilt als belastet. Hier wurde schon viel gefunden“, sagte René Benoit vom KMBD. Die beiden Blindgänger vom Treidelweg befinden sich in Sichtweite. Auch die bereits am Alten Hafen gefundenen Bomben sind nur einen Steinwurf entfernt. Für eine Bombe spricht auch die Tiefe. In viereinhalb Metern werden nur selten vergrabene Gießkannen gefunden.

Bombensuche auch in der Lehnitzer Waldsiedlung


In Lehnitz rücken die Bombensuche am 7. September auch noch einmal in der Waldsiedlung an.

Dort soll der Kreuzungsbereich Alter Kiefernweg/Ecke Eichenweg sowie eine kleinere Restfläche in der Agnetenstraße noch einmal genauer auf Kampfmittel untersucht werden, teilte die Stadtverwaltung mit.

Die Arbeiten werden voraussichtlich zwei Wochen dauern. Vorübergehend kann eine abschnittsweise, halbseitige Straßensperrung erforderlich werden. (red)