Brandschutz
: Feuerwehr benötigt mehr Personal

Gefahrenabwehrbedarfsplan deckt einige Defizite bei der Oranienburger Feuerwehr auf.
Von
Friedhelm Brennecke
Oranienburg.
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Besonderer Tagungsort: Da, wo gewöhnlich das Tanklöschfahrzeug steht, in der viel zu engen Fahrzeughalle der Feuerwehr Friedrichsthal, nahmen am Montagabend die Mitglieder des Oranienburger Bauausschusses Platz.

MOZ/Friedhelm Brennecke

Wie dringend ein Neubau für die Mitglieder des Löschzuges IV ist, führten die Friedrichsthaler Kameraden den Kommunalpolitikern des Bauausschusses ganz plastisch vor Augen. „Die Türen des Löschfahrzeugen lassen sich nicht ganz öffnen, weil sie an die Spinde stoßen“, demonstrierten Ortswehrführer Jan Loerke und seinen Kameraden. Der nicht ausreichende Stellplatz für die Fahrzeuge und die teilweise marode Gebäudesubstanz sind in Friedrichsthal das größte Problem.  In Zehlendorf sind es ebenfalls die zu geringen Abstände im Gebäude, die die Forderungen der Unfallverhütungsvorschriften unterschreiten und die nicht DIN-gerechten Torhöhen -und -breiten.

Robert Koha von der Sicherheitsberatung Luelf & Rinke, die die zweite Fortschreibung des Gefahrenabwehrbedarfsplans erstellt hatte, erläuterte das umfangreiche Werk. Er wies  neben den baulichen Mängeln auch auf personelle Defizite hin. Zwar  habe sich die Gesamtzahl der freiwilligen Kräfte 2017 um elf auf 232 erhöht. Allerdings sei die Zahl der Atemschutzgeräteträger in dieser Zeit um 50 auf 108 gesunken. In den neun Löchzügen der ehrenamtlichen Kräfte stünden werktags tagsüber insgesamt nur noch 29 Kameraden zur Verfügung. Allein die Wehren in Germendorf und Sachsenhausen könnten dann eine Tagesverfügbarkeit in Mindest-Staffelstärke von sechs Mann garantieren.

Die Stadt müsse also daran arbeiten, mehr freiwillige Kräfte zu mobilisieren, etwa indem Mitarbeiter der Stadtverwaltung dafür geworben werden. Auch die Bereitstellung von Wohnraum für Feuerwehrangehörige sei eine weitere Möglichkeit, neue Kräfte zu gewinnen. Um sechs Funktionsstellen bei den hauptamtlichen Kräften der Oranienburger Feuerwehr  rund um die Uhr zu gewährleisten, empfehlen die Berater 1,6 Stellen zusätzlich zu schaffen. Damit ließe sich auch der Tagesdienst in der Hauptwache optimieren, so Koha.

Das Einhalten der geforderten Eintreffzeit im Alarmfall sicherten in Oranienburg  vorwiegend die hauptamtlichen Kräfte. Weitere Funktionen würden dann im wesentlichen durch die ehrenamtlichen Kräfte sichergestellt.

„Wie dringend müssen wir denn die im Gefahrenabwehrbedarfsplan aufgezeigten Mängel beseitigen? Gibt es dafür eine Finanzplanung?“ wollte Harald Große (Linke) wissen. Baudezernent Frank Oltersdorf (SPD) verwies auf den Doppelhaushalt, der knapp 1,3 Millionen Euro für die Ausstattung der Feuerwehren vorsieht. Der Neubau der Wache in Friedrichsthal sei kein neues Thema. Im Finanzplan ab 2024 seien dafür drei Millionen Euro eingestellt. Es gehe aber nicht alles zur gleichen Zeit. Priorität habe die Umsetzung des Programms der sozialen Infrastruktur mit dem Bau neuer Kitas und Grundschulen, das allein ein Volumen von gut 60 Millionen Euro bis 2023 habe, so Oltersdorf.

Bedauert wurde in der Sitzung, dass der neue Feuerwehrdezernent, Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos), nicht an der Sitzung teilnahm. Vor allem Wensickendorfs Ortsvorsteher Heinz Ließke (FWO) hatte eine ganze Liste von Fragen, etwa zur Einteilung der Risikoklassen in der Stadt. Zweifel äußerte er auch daran, ob 1,6 Stellen mehr für die Hauptamtlichen ausreichen würden.

Mit den in einer Eilentscheidung der  Stadtverordneten bereitgestellten Mitteln von 186 000 Euro sei die dringend nötige Ersatzbeschaffung von Schutzausrüstung und Helmen beauftragt worden und damit sei ein akutes Probleme so gut wie gelöst, so Stadtwehrführer Sven Marten. Er könne aber nicht völlig ausschließen, ob die Einsatzkleidung für alle Kräfte in den einzelnen Löschzügen wirklich ausreiche. Das sei noch näher zu untersuchen, so Marten auf eine Nachfrage von Nicole Walter-Mundt (CDU).

Die SPD werde ihren Antrag, weitere 100 000 Euro für die Ausstattung der Feuerwehren bereitzustellen, jedenfalls noch aufrechterhalten, so Judith Brandt. Die Grünen hatte sogar 200 000 Euro mehr für die Feuerwehr gefordert. Erst nach Rücksprache mit der Stadtwehrführung, werde die Fraktion entscheiden, ob sie ihren Antrag zur Stadtverordnetenversammlung zurückziehe oder beibehalte, so Judith  Brandt.

Risikoklassen

■ Der Gefahrenabwehrbedarfsplan teilt das Oranienburger Stadtgebíet für die Gefahrenart „Brand“ in vier unterschiedliche Risikoklassen ein.

■  Risikoklasse I: Malz und Bernöwe; (kennzeichnende Merkmale:) weitgehend offene Bauweise, keine nennenswerten Gewerbebetriebe oder Bauten besonderer Art;

■ Risikoklasse II: Friedrichsthal, Schmachtenhagen, Wensickendorf, Zehlendorf: überwiegend offene Bauweise, Gebäudehöhe höchstens bis sieben Meter Brüstungshöhe;

■ Risikoklasse III: Lehnitz und Germendorf;  offene und geschlossene Bauweise, Gebäudehöhe über zwölf Meter Brüstungshöhe, Gewerbegebiete ohne erhöhten Gefahrstoffumgang oder mit Werkfeuerwehr;

■ Risikoklasse IV: Oranienburg und Sachsenhausen; überwiegend großflächig geschlossene Bauweise, Mischnutzung mit Gewerbegebieten, große Objekte besonderer Art und Nutzung, Gebäudehöhen über zwölf Meter Brüstungshöhe, Industrie- und Gewerbebetriebe mit erhöhtem Gefahrstoffumgang ohne Werkfeuer;⇥(bren)