Brauch
: Knutfeste sorgen für Gemeinschaftssinn

Die Feuerwehr Hohen Neuendorf organisierte nach jahrelanger Pause wieder ein Knutfest. Gefeiert wurde auch in Sachsenhausen und Nassenheide.
Von
Aileen Hohnstein
Hohen Neuendorf
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  • Idyllisch: Auch in Sachsenhausen (Bild) und Nassenheide wurden am Sonnabend Knutfeste gefeiert.

    Idyllisch: Auch in Sachsenhausen (Bild) und Nassenheide wurden am Sonnabend Knutfeste gefeiert.

    Ingo Pahl
  • Hohe Flammen: Neue Weihnachtsbäume, die ständig gebracht wurden, lassen die Flammen in den Feuerschalen meterhoch lodern.

    Hohe Flammen: Neue Weihnachtsbäume, die ständig gebracht wurden, lassen die Flammen in den Feuerschalen meterhoch lodern.

    Aileen Hohnstein
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Knutfest – dieser Brauch wurde dank des schwedischen Möbelkonzerns mit dem blau-gelbem Logo in Deutschland richtig bekannt und fasst auch in der Region immer weiter Fuß. In Schweden, Norwegen und Finnland wird der letzte Tag der Weihnachtszeit am 13. Januar gefeiert, der Christbaum abgeschmückt und entsorgt. In Hohen Neuendorf war man am Sonnabend mit seinem Knutfest schon eine Woche vorher am Start.

Der Grund war einfach, wie Löschzugführerin Nicole Jänicke erläuterte: „Wir wollten nächstes Wochenende nicht in Konkurrenz zu Bergfelde treten, die dann auch das Fest veranstalten. Und so haben wir die Möglichkeit, die anderen zu besuchen.“ Und ganz aus der Luft gegriffen ist der Termin für das Hohen Neuendorfer Knutfest ebenfalls nicht, immerhin endet bei vielen Christen am 6. Januar mit dem Dreikönigstag die Weihnachtszeit.

Nach einer Unterbrechung von vier Jahren hat Nicole Jänicke an der Hohen Neuendorfer Feuerwache wieder das Knutfest organisiert. Unterstützung erhielt sie von 31 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr.

Dass es in den Jahren zuvor nicht möglich war, das Fest auf die Beine zu stellen, lag an der hohen Arbeitsbelastung der Feuerwehr. Nun soll das Knutfest neben dem Osterfeuer und dem Tag der offenen Tür zur regelmäßigen Veranstaltung werden. „Wir sind zwar im Landkreis Oberhavel mit unserer Feuerwehr gut aufgestellt, aber vielleicht findet durch das Fest ja auch der ein oder andere seinen Weg zu uns“, meinte Zugführerin Jänicke.

Bei Christian Hafemann, der am Sonnabend von allen nur noch Baumbevollmächtigter genannt wurde, war das in etwa der Weg in die Freiwillige Feuerwehr. Beim Osterfeuer fand er vor einigen Jahren Gefallen an der Arbeit und wurde Mitglied. „Ich hab es nicht bereut. Es macht Spaß“, erzählte der Truppführer, der deshalb auch angeregt hatte, wieder ein Knutfest zu veranstalten. So habe man schließlich die Möglichkeit, mit den Hohen Neuendorfern in Kontakt zu kommen und von der ehrenamtlichen Arbeit zu erzählen oder den begeisterten Kindern einige Feuerwehrfahrzeuge zu zeigen. Hafemann übernahm beim Knutfest auch eine wichtige Rolle: Er begrüßte alle Besucher, die mit einem Baum kamen, und überreichte ihnen einen Plastikchip. Dieser konnte am Getränkestand eingetauscht werden – Getränk gegen Baum lautete die Devise.

Besucher Matthias Gollnick fand es toll, dass es wieder ein Knutfest gab: „Ist doch eine schöne Atmosphäre hier und schöner, als seinen Weihnachtsbaum einfach auf der Straße zu entsorgen. Und ich kann hier mit Freunden sprechen, die ich sonst das ganze Jahr über nicht sehe.“ Auch Feuerwehranwärterin Sandra Sündram, die seit September dabei ist und am Sonnabend beim Baumverbrennen mithalf, findet das Fest eine schöne Sache: „Vergangenes  Jahr musste ich mit meinem Baum extra nach Birkenwerder. Und außerdem lernt man auf so einem Fest gut die Feuerwehr kennen.“ Georg Walewski, im Vorstand des Fördervereins tätig, schaute sich das Feuer zufrieden an. Seinen eigenen Baum aber hatte er noch nicht zum Verbrennen mitgebracht – der Enkelsohn sei so begeistert von den Lichtern und dem Schmuck, da habe man sich entschieden, den Baum in aller Pracht noch ein Weilchen stehenzulassen.

Insgesamt war die Stimmung am Sonnabend locker und fröhlich. Viele kamen, um sich das Treiben anzuschauen. Etwa 40 bis 50 Besucher hatten ihre Tannen mitgebracht. Weil ein Weihnachtsbaumhändler seine übriggebliebenen Bäume gespendet hatte, brannten bis zum Abend zwei große Feuer und verbreiteten würzigen Rauch.

Weitere Termine

In Oberhavel ist das Knutfest in vielen Gemeinden obligatorisch. Im Folgenden einige Termine am nächsten Sonnabend. Auf alle drei Veranstaltungen gibt es Getränke und Imbiss.

■Birkenwerder

Die Freiwillige Feuerwehr Birkenwerder und der Förderverein laden am 12. Januar ab 17 Uhr zum Knutfest am Depot in der Hauptstraße ein. Für jeden abgeschmückten Baum, der gebracht wird, gibt es ein Freigetränk. Kinder können sich schminken lassen und Stockbrot backen.

■ Bergfelde

Auch in Bergfelde können abgeschmückte Bäume verbrannt werden. Mitglieder des Feuerwehrvereins und des Löschzugs Bergfelde sind am 12. Januar ab 15.30 Uhr cor dem Depot am Triftweg und nehmen die Bäume entgegen. Zum Dank spendiert die Feuerwehr, die am 9. Januar ihr 110-jähriges Bestehen feiert, einen Becher Glühwein. Kinder können Stockbrot backen und, Punsch genießen. Für Erwachsene gibt es unter anderem Gewürzglühwein aus der Feldküche

■Grieben

Ebenfalls am 12. Januar veranstaltet der Arbeitskreis Grieben das traditionelle schwedische Weihnachtsbaumverbrennen. Beginn ist um 17 Uhr auf dem Sportplatz. Pro gespendeten Baum gibt es auch hier einen Glühwein gratis.⇥(zeit)