Buchvorstellung
: Emma: Schicksalsjahre in einem DDR-Pflegeheim

Der 82-jährige Autor Manfred Ende aus Bötzow hat einen neuen Roman geschrieben.
Von
Marco Winkler
Bötzow
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Legt Wert auf etwas Poesie: Manfred Ende sagt, die Sprache verkümmere immer mehr.

Marco Winkler

Der 82-jährige Manfred Ende ist Cartoonist, Leiter des Seniorenarbeitskreises der IG Metall (für die Gewerkschaftszeitung schreibt er monatlich eine Kolumne), gelernter Schlosser, ein aus Schlesien Vertriebener. Wenn er erzählt, springt er von einer Anekdote seines Lebens zur nächsten. Er erinnert sich an die Arbeit in der Bötzower Schleifsteinfabrik, an seine DDR-Schreibmaschine „Erika“, hat den Geruch von schlesischem Streuselkuchen in der Nase. Er denkt an die Nachkriegsjahre in Paaren-Glien, an die Zeit, in der er mit seinen satirischen Cartoons Streiks anführte und Lob von seinem Professor am Literaturinstitut Leipzig bekam. „Obwohl ich nur ein einfacher Schlosser war, hatte ich dort einen guten Ruf.“ Prahlen liege ihm fern. Unerwähnt lassen möchte es die Anerkennung aber nicht. Stolz ist er auf seine Zeit beim Berliner Rundfunk, er war Autor der Serie „Kleiner Pfennig“. „Die war sehr beliebt damals.“ Trotz der Fülle an Infos, geht er selten ins Detail, will sich nicht hervorgehoben wissen. „Ich mache keine Reklame für mich“, sagt er und meint es im doppelten Sinne. Sich und sein Buch wird er kaum bewerben, keine Lesungen veranstalten. Das erlaube seine Zeit nicht.

Vielleicht ist „Emma“ auch etwas zu persönlich geworden. Er schreibt über ein Stück seiner eigenen Geschichte. Ein Roman von ihm bestehe zu 60 Prozent aus selbst Erlebtem; der Rest sei Fiktion. In „Emma“ dürfte der reale Anteil höher sein. „Es ist die Aufarbeitung eines Schicksals, aber kein Heimatbuch oder ein Roman über die DDR wie ’Der Turm’“, sagt der Autor. Eine aus Schlesien vertriebene Frau kommt nach einem Unfall, bei dem sie ein Bein verliert, in ein Pflegeheim. „Von heute auf morgen ist Emma hilflos, verliert alles, und das, obwohl sie mental noch fit ist.“ Aus der Verzweiflung und Einsamkeit befreit sie nur der Rückblick in die eigene Kindheit.

Manfred Ende kennt die Geschichte. Nicht nur, weil er sie geschrieben hat. Er hat sie erlebt. Bei einem Unfall kam seine Schwester ums Leben, die Mutter verlor ein Bein und musste ins Krankenhaus. Der Bötzower weiß, worüber er schreibt. Und er hat schon Ideen für ein weiteres Buch, einen Jugendroman. Der erste Satz steht schon fest: „Junge, bleib in der Nähe.“

„Emma“, 163 Seiten mit Zeichnungen vom Autor, ist beim Verlag Edition Winterwork für 14,90 Euro erschienen,ISBN 978-3-96014-581-3.