Nein, auch in Wensickendorf wurde die Trennung von Staat und Kirche nicht aufgehoben. Nur in Ermangelung eines genügend großen Raumes, in dem sich die Besucher derzeit Coronabedingt auf Abstand treffen können, fand die Wensickeendorfer Ortsbeiratssitzung abermals in der Kirche statt. Gut 20 Gäste waren gekommen, um Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke Fragen zu stellen.

Viele Fragen, viele Antworten

Die Palette reichte von der Ortsentwicklung über die Vergabe von Kita- und Grundschulplätzen bis hin zur Neuordnung der Feuerwehren. Wie gesagt, ein Dorfgemeinschaftshaus, das genügend Platz für die öffentlichen Sitzungen und Ausstellungen bietet, das aber auch für öffentliche und private Feiern genutzt werden könnte, das wäre schon etwas. Es steht aber nicht ganz oben auf der Liste der Dinge, die schnell angefasst werden müssen.
Stattdessen hat der weitere Ausbau der Infrastruktur des Ortes und das Bereitstellen von Bauland Vorrang. Allerdings setzten die Wensickendorfer selbst eher auf eine innerörtliche Lückenbebauung als auf neue Wohngebiete auf der grünen Wiese.

Es fehlen Kita- und Grundschulplätze

Doch das eigentliche Problem sind die fehlenden Kita- und Grundschulplätze. Die Wensickendorfer Kita ist zwar saniert worden, doch mit ihren 70 Plätzen jetzt schon wieder zu klein. Konkret fragte ein Ehepaar nach einem Kitaplatz? Der sei zwar avisiert worden, doch erst für das kommende Jahr. Die Folge sei, dass die Ehefrau ihre Elternzeit verlängern müsse, mindestens um ein halbes Jahr. Das sei insofern ein Problem, da auch der Arbeitgeber darauf warte, dass sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehre und sie eingeplant habe. Gut vorbereitet, konnte Laesicke sogar zu diesem Fall Auskunft geben. Doch richtig befriedigend war die Antwort nicht. Fakt ist, dass es in Wensickendorf 70 Plätze gibt, mit einer durch das Ministerium erteilten Ausnahmeregelung sogar 77.

Mehr Bewerbungen als Plätze vorhanden sind

Doch für die gibt es zehn Bewerber. Insofern bleibt nur die Hoffnung, dass ein Platz nicht in Anspruch genommen wird und die Familie dadurch nach vorn rücke.
Generell bestätigte der Bürgermeister, dass alle Fachleute, die vor fünf bis zehn Jahren Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung in Oberhavel und dem Berlin nahen Raum abgegeben haben, falsch gelegen haben. „Die Realität zeigt, dass der Siedlungsdruck der Hauptstadt ins Umland stetig steigt. Bauland sei kaum mehr zu bekommen, die Bevölkerung wächst stetig. Das ist natürlich schön, beschert aber die eben genannten Probleme. „Wir können gar nicht so schnell planen und bauen, wie es nötig ist. Wir versuchen es aber“, so sein Statement dazu.

Radweg nach Wandlitz verspätet sich

Eher schmerzlich für die Wensickendorfer ist, dass der geplante Radweg Richtung Wandlitz vermutlich nicht, wie geplant, im Dezember fertig wird. Probleme bereitet der Baufirma die Grundwasserabsenkung. Doch immerhin, er kommt. Dafür können die Wensickendorfer auf einen Busanbindung Richtung Bernau hoffen, denn die Gespräche dafür laufen.
Eher wenig Hoffnung konnte der Bürgermeister den Anwohnern der Zehlendorfer Straße machen, die sich einen Gehweg wünschen. Knapp 150 Meter Pflaster und zwei Laternen sind es, die dort für mehr Sicherheit sorgen sollen, vor allem für die Kinder im Winter, wenn es früh noch und abends schon dunkel ist. Denn als Alternative steht nur die Fahrbahn, die sich die Fußgänger mit den Kraftfahrzeugen teilen müssten. Das Problem sei bekannt, doch stehe auch dies nicht oben auf der Prioritätenliste, so Alexander Laesicke.
Das Angebot eines Anwohners, der Stadt Alternativvorschläge zukommen zu lassen, nahm das Stadtoberhaupt gern an.

Wenig Hoffnung auf Abriss der Schweineställe an der Zühlsdorfer Straße

Auf ebenso wenig Unterstützung können die Anwohner der Zühlsdorfer Straße hoffen, die seit Jahren den Abriss der ehemaligen Schweineställe fordern. Der Grund: Sie verfallen zusehends und seien damit wahrlich kein Aushängeschild für den Ort. Außerdem hätten sich Nachbarn schon über Ratten beklagt, so die Informationen des Ortsvorstehers. Doch handele es sich um privaten Besitz und deshalb sei es für die Stadt schwierig, in die Eigentumsrechte Dritter einzugreifen, versuchte der Bürgermeister zu erklären, dass die Verwaltung kaum etwas tun könne.

Prüfung des Austritt aus dem NWA

Auf weit mehr Unterstützung durch die Stadt können die Wensickendorfer und damit auch die Zehlendorfer und Schmachtenhagener beim geplanten Prüfauftrag bezüglich des Austritts aus dem Niederbarnimer Wasser- und Abwasserzweckverband (NWA) hoffen. Die Gründe sind überall ähnlich, der zu geringe Druck in den Trinkwasserleitungen im Sommer und eine beklagenswerte Abfuhr bei der mobilen Entsorgung.
Doch haben auch die Stadtwerke und damit ebenso die Stadt ein Interesse, die Ver- und Entsorgung auf ihrem Hoheitsgebiet in Eigenregie zu übernehmen. Ob und unter welchen Bedingungen das geschehen kann, das soll nun mittels einer Prüfstudie geklärt werden, für die im nächsten Haushalt 40.000 Euro eingestellt werden, sofern auch die Wensickendorfer Kommunalpolitiker dafür stimmen, so der Bürgermeister. Das war denn auch mit einstimmigem Votum der Fall.

Studie soll Auswirkung der Trennung auf die Preisentwicklung aufzeigen

In der Studie soll aufgelistet werden, wie rechtlich die Trennung erfolgen kann, wie der Leitungsbestand ist, wie er gegebenenfalls an die Stadtwerke übergeben werden kann und vor allem, wie sich das auf die Preiskalkulation auswirken würde. Denn Investitionen in Größenordnung würden eben auch Preisangleichungen zur Folge haben, so die klare Ansage.
Dass der Gemeinde Wandlitz bei dem Vorhaben ein Mitspracherecht eingeräumt werden müsse, resultiere schon allein aus der Tatsache, dass bei der Gründung des Verbandes vertraglich fixiert worden sei, dass ein Austritt nur in gegenseitigem Einvernehmen erfolgen können, informierte Laesicke. Doch hätte sein Amtskollege in Wandlitz bei ersten Gesprächen bereits signalisiert, dass sich Wandlitz nicht grundsätzlich diesen verweigern werde.
Nach einem Zeithorizont gefragt, wollte sich der Bürgermeister nicht festlegen, sprach jedoch von mehreren Jahren, sofern der Prüfauftrag überhaupt zu diesem Schluss käme.

Ortsbeirat führt Gespräche mit der Freiwilligen Feuerwehr

Letztes Thema war dann noch der überarbeitete Gefahrenabwehrbedarfsplan für Oranienburg und die in dem Papier vorgeschlagene Zusammenlegung der Freiwilligen Feuerwehren von Zehlendorf, Wensickendorf und Schmachtenhagen an einem neuen Standort in Schmachtenhagen. Ein Votum wollten die Ortsbeiratsmitglieder nicht abgeben. Aber, so Heinz Ließke als Vorsitzende des Ortsbeirates: „Wir haben schon ein Treffen mit den Kameradinnen und Kameraden unserer Freiwilligen Feuerwehr vereinbart. In dem werden wir eine Liste erstellen, was für und gegen den Vorschlag des Stadtbrandmeisters spricht. Das werden wir diskutieren und eine Stellungnahme erarbeiten, was eventuell an dem Papier verändert werden muss, um gemeinsam die Sicherheit der Menschen vor Ort zu gewährleisten und die Arbeit der Feuerwehrleute zu unterstützen.